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Wechseljahre - Zeit des Wandels

Sie sind eine Zeit des Umbruchs, für manche eine Zeit der Beschwerden, für viele aber auch eine neue Chance - Die Wechseljahre. Kaum vorzustellen, dass noch im 19. Jahrhundert die Wechseljahre mit der Lebenserwartung der Frau zusammenfielen. Heute setzen sich viele Frauen in dieser Phase zum ersten mal mit dem Älterwerden auseinander. Die Veränderungen des Körpers können zwar den Alltag trüben, doch der neue Lebensabschnitt bedeutet für viele Frauen auch eine neue Freiheit.

Ältere Frau mit leicht deprimiertem Blick und Wasserglas in der Hand auf einem Bett. (Rechte: Mauritius)

Die Wechseljahre - Zeit des Nachdenkens

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Die Biologie der Wechseljahre

Genau genommen gehen Frauen zweimal durch die Wechseljahre. Einmal, wenn der Körper geschlechtsreif wird und später, wenn er diese Geschlechtsreife wieder verliert. In der Pubertät muss der Körper lernen, sich auf die Ausschüttung der Geschlechtshormone einzustellen und das richtige Maß zu finden. Auch diese frühen "Wechseljahre" sind nicht gerade angenehm. Körper und Seele haben ordentlich zu schaffen, bis sie wieder im Gleichgewicht sind. Warum sollte es also bei den "zweiten" Wechseljahren leichter sein? Nur leider ist das gesellschaftliche Image dieser Wechseljahre bei uns nicht gerade positiv. Sehr häufig werden die Wechseljahre mit dem Verfallsdatum der Jugend gleichgesetzt. Was soll danach noch kommen? Eine ganze Menge! Denn die Wechseljahre sind weder ein Fehler der Natur noch eine Krankheit.

Biologisch macht es nämlich durchaus Sinn, dass Frauen in die Wechseljahre kommen. Es ist eine Raffinesse der Natur: Der weibliche Körper ist nur in der Lage, Kinder zu bekommen, so lange sichergestellt ist, dass die Frau altersmäßig genügend Zeit hat, den Nachwuchs auch großziehen zu können. Doch damit ist irgendwann Schluss. Der hormonelle Wandel während des Klimakteriums bedeutet das Ende der Geschlechtsreife. Die Hormonproduktion versiegt langsam. Auch dieses Mal muss sich der Körper erst wieder an die Veränderungen gewöhnen. Der gesamte Prozess dauert mehrere Jahre und erstreckt sich zwischen dem 45. und dem 60. Lebensjahr. Die Wechseljahre sind ein ganz normaler physiologischer Prozess, auch wenn sich viele Frauen dabei überhaupt nicht wohl fühlen und mit diversen Beschwerden zu kämpfen haben.

Ältere Frau fächert sich mit einer Zeitung frische Luft zu. (Rechte: dpa)

Hitzewallungen sind nicht unüblich

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Eine Sache der Hormone

Der langsame Rückgang der Hormonproduktion in den Eierstöcken beginnt in der Regel um das 50. Lebensjahr herum. Auf einmal sind sie da: Blutungsunregelmäßigkeiten, Hitzewallungen, Herzrasen, Stimmungsschwankungen, gesteigerte Nervosität – das sind die typischen Symptome. Durch den einsetzenden Östrogenmangel bleiben schließlich die Regelblutungen ganz aus (Menopause). Damit nicht genug. Auch Haut und Haare, Gewicht, Fett- und Knochenstoffwechsel werden durch die veränderten Konzentrationen der weiblichen Geschlechtshormone beeinflusst.

Vermutlich werden die Wechseljahre dadurch ausgelöst, dass sich im Laufe der Geschlechtsreife das Keimgewebe in den Eierstöcken verbraucht. Die Eierstöcke eines neugeborenen Mädchen enthalten jeweils circa 500.000 Eizellen, bis zum Eintritt der Pubertät bleiben "nur" noch etwa 400.000 erhalten. In jedem Menstruationszyklus beginnen 500 bis 1000 Eizellen zu reifen. Im Laufe dieses Reifungsprozesses wird stark selektiert, sodass pro Zyklus nur eine Eizelle zum Eisprung gelangt. Durch diesen allmonatlichen Prozess reduzieren sich die Eizellen bis zur Menopause um etwa 99 Prozent.

Es ist eine Kettenreaktion. Während der Wechseljahre verlieren die Eierstöcke ihre Sensibilität für die Botenstoffe, die für den normalen Zyklus und eine Schwangerschaft nötig sind: FHS, das "Follikelstimulierende Hormon", regt bei der Frau in der Zeit der Geschlechtsreife die Bildung von Östrogen und die Regulierung der Eizellen in den Eierstöcken an. LH, das "Luteinisierende Hormon" unterstützt die Eireifung, den Eisprung und die Bildung des Gelbkörpers. Um die mangelnde Wirkung auszugleichen und doch noch einige Eibläschen aus der Reserve zu locken, schüttet die Hirnanhangdrüse immer mehr FHS aus.

Obwohl sie durch die Hormone FSH und LH angeregt werden, produzieren die Eierstöcke aber weniger Progesteron als vorher. Dieses Hormon wird bei fruchtbaren Frauen in der zweiten Hälfte des Zyklus im Gelbkörper des Eierstocks gebildet, um die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten. Der Körper stellt sich auf diese Veränderung ein. Immer seltener kommt es zu dem LH-Gipfel, der beim normalen Zyklus zum Eisprung führt. Dadurch findet nicht mehr in jeder Periode ein Eisprung statt, bis er schließlich ganz ausbleibt. Ohne Eisprung wird auch kein Gelbkörper mehr gebildet, der aber wiederum für die Produktion von Progesteron zuständig ist. Die Regelzyklen verkürzen sich, wobei sich die Blutung verstärkt. Da in Folge dieser Prozesse auch die Östrogenproduktion ausfällt, bleibt die Regelblutung schließlich aus (Menopause).

Zwei ältere Männern beim Dehnen in einem Park. (Rechte: WDR/MEV)

Sportliche Menschen fühlen sich länger jung

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Wechseljahre beim Mann

Auch beim Mann geht es mit zunehmendem Alter hormonell langsam bergab. Ein 60-jähriger hat nur noch 30 Prozent des Testosteronspiegels, den er als 30-jähriger hatte. Wenn also bei Männern jenseits der 40 die Lebens- und sexuelle Lust erlahmt, sie sich antriebsloser fühlen, Haare lassen und dafür im Bauchumfang zulegen, scheinen sie erreicht: die Wechseljahre des "starken" Geschlechts. Lange Zeit als Midlife-Crisis verhöhnt, gibt es heute eine wissenschaftliche Umschreibung für dieses Phänomen: 2climacterium virile".

Doch ob der sinkende Hormongehalt mit Krankheitssymptomen verbunden ist und daher behandelt werden soll, ist eine Streitfrage unter Experten. Es ist überhaupt die Frage, ob man bei den Männern wirklich von den Wechseljahren sprechen muss, wie es gerade "en vogue" ist, oder ob es nicht einfach nur ein natürlicher Alterungsprozess ist. Die viel zitierte Midlife-Crisis jedenfalls ist eher Ausdruck der typischen Lebenskonflikte, die im "gesetzteren" Alter in den Mittelpunkt rücken, wie Krisen in Beruf, Familie oder in der Liebe. Rein biologisch hört bei Männern, anders als bei den Frauen, nämlich nicht die Geschlechtsreife auf. Sie sind bis ins hohe Alter zeugungsfähig. Die allmähliche Verminderung des Testosteronspiegels wirkt sich beim Mann weniger stark aus. Er leidet auch nur selten unter den bei Frauen typischen Hitzewallungen. Aber auch sein Körper zeigt eben Spuren des Alterns.

Was den Männern wohl am meisten zu schaffen macht: Nicht nur, dass die allgemeine Leistungsfähigkeit nachlässt, auch Potenz und Libido verändern sich. Wenn es beim Sex nicht mehr so glatt läuft wie in jungen Jahren, empfinden das viele Männer als Einbuße ihrer Männlichkeit. Das kann eine Beziehung sehr belasten und fordert eine harmonische Abstimmung mit der Partnerin. Die ewige Jugend gibt es nicht – auch nicht in Form von Life-Style-Medikamenten. Allerdings kann ein gesundes Maß an Sport den Hormonschwund verlangsamen und das allgemeine Befinden sehr verbessern.

Andrea Wengel, Stand vom 12.10.2011
Sendung: Hundertjährige – Erfolgsrezepte für ein langes Leben, 13.10.2011

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