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Stimmt es, dass wir den Alterungsprozess aufhalten können?

Aufhalten vermutlich nicht, möglicherweise aber verzögern. Am effektivsten wäre sicher, die Körpertemperatur zu senken. Dadurch würde es zu weniger Zerstörungen am Erbgut kommen. Leider würde eine Absenkung der Körpertemperatur aber den im Laufe der Evolution optimierten Körperstoffwechsel empfindlich stören. 200 Jahre wären sonst wohl bei 34 Grad Körpertemperatur nach Computerberechnung drin. Mehr Erfolg verspricht da die Senkung der Stoffwechselrate durch weniger Kalorienzufuhr, sprich Diät. Dies könnte zu weniger "Freien Radikalen" und damit weniger Gen-Schäden führen. Längerfristige und zu radikale Diäten könnten aber auch Blutdruck, Blutzuckerwerte und die Anzahl der weißen Blutkörperchen absinken lassen. Das hätte dann wieder negative Folgen. Radikalfänger wie Vitamine versprechen auch nicht viel, da der Körper sie schon in ausreichendem Maße besitzt. Wirklich helfen würden nach heutigem Wissensstand vermutlich nur gentherapeutisch hinzugefügte Reparatur-Gene für das Erbgut.

Mikrokopaufnahme von einem Fadenwurm. (Rechte: dpa)

Auch Fadenwürmer bringen keine Klarheit

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Stimmte es, dass es das Alterungs-Gen gibt?

Ganz sicher nicht, auch wenn durch Erfolgsmeldungen in Zeitschriften immer wieder der Eindruck entsteht. Ob in Hefezellen, Fadenwürmern, Fruchtfliegen oder Mäusen – es werden zwar immer wieder Gene mit Funktionen gefunden, die im Alterungsprozess eine Rolle spielen oder spielen könnten – aber mittlerweile sind sich Altersforscher einig: Nur durch die Zusammenarbeit sehr vieler Gene kommt es zu einem Alterungsprozess. Man hat junge und alte menschliche Zellen auf ihre Gen-Aktivität hin untersucht. Dabei kam heraus, dass die Aktivitätsprofile vieler hundert Gene in jungen Zellen deutlich anders aussehen als in alten Zellen. Das zeigt, dass es nicht nur ein Alterungs-Gen geben kann – es muss eine koordinierte Wechselwirkung zwischen sehr vielen Genen beim Altern ablaufen.

Grafische Darstellung eines X-Chromosoms. (Rechte: Mauritius)

Zwei X-Chromosomen bringen einen Vorteil

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Stimmt es, dass Frauen länger leben als Männer ?

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei Frauen tatsächlich um fünf bis acht Jahre höher als bei Männern. Frauen besitzen zwei X-Chromosomen, Männer dagegen nur ein X-Chromosom und dazu ein Y-Chromosom. Wenn auf einem X-Chromosom Gene ausfallen oder zerstört werden, fällt das bei Frauen weniger ins Gewicht – sie haben ja noch ein zweites X-Chromosom. Bei Männer dagegen haben Gen-Defekte auf dem X-Chromosom fatale Folgen – sie können nicht ausgeglichen werden. Auf dem X-Chromosom liegen mehr als 200 Gene, die für das Funktionieren unseres zentralen Nervensystems, der geistigen und körperlichen Fähigkeiten, wichtig sind. Ohne ein reibungslos funktionierendes Nervensystem kommt auch die hormonelle Steuerung unserer Körperfunktionen durcheinander und die ist für ein hohes Lebensalter scheinbar unerlässlich. Ein Beispiel: In Einrichtungen für geistig behinderte Menschen leben weltweit doppelt so viele Männer wie Frauen und die Lebenserwartung der geistig Behinderten ist deutlich geringer als bei normalen Menschen. Eine andere Ursache könnten auch die Geschlechtshormone sein. Viel diskutiert wird immer wieder der Einfluss des Geschlechtshormons Testosteron. Es soll Männer aggressiver machen, lässt sie möglicherweise mehr trinken und rauchen, lässt sie im Alltag höhere Risiken eingehen.

Stimmt es, dass Männer auch weibliche Geschlechtshormone brauchen?

Nicht nur Testosteron, auch Östrogen ist für Männer wichtig. Das eigentlich typisch feminine Hormon ist beim Mann wie Testosteron für Potenz und Fruchtbarkeit entscheidend. Es wird in Hoden, Nebennierenrinde, Gehirn und Fettgewebe gebildet. Letzteres zeigt, das Östrogen vielfältige Wirkungen haben muss. Es sorgt für Ausgeglichenheit, Energie und Belastbarkeit, es schützt Nervenzellen im Gehirn vor dem gefürchteten Abbau, die Knochen vor der Osteoporose und senkt das Herzinfarktrisiko. Deshalb plädieren Anti-Aging-Ärzte dafür, Östrogen auch beim Mann im Alter zusätzlich zu geben. Aber wie bei anderen Hormonen gilt auch beim Östrogen: die Gefahr liegt darin, dass die innere Balance der Hormone im Körper aus dem Gleichgewicht gerät. Ein erhöhtes Krebsrisiko ist eine der möglichen Folgen.

Jochen Zielke, Stand vom 12.10.2011
Sendung: Hundertjährige – Erfolgsrezepte für ein langes Leben, 13.10.2011

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