Interview mit Dr. med. Astrid Blank über Phytohormone
Planet Wissen (PW):Wer in die Wechseljahre kommt und unter Beschwerden leidet, will nicht unbedingt zu Hormonen greifen. Es soll auch Pflanzen geben, die ähnlich wirken sollen wie Hormone, sogenannte Phytohormone oder Phytoöstrogene. Was sind Phytohormone
Astrid Blank (AB): Als Phytoöstrogene werden sekundäre Pflanzenstoffe wie Isoflavone oder Lignane bezeichnet, die in Ihrer Struktur den Östrogenen ähnlich sind. Sie stimulieren oder blockieren die im Körper verteilten Estrogenrezeptoren, stimulieren oder hemmen die im Hormonauf – und -abbau notwendigen Enzyme, so dass ohne Zusatz von Hormonen eine neue Hormonwirkung und Hormonantwort im Körper erfolgt.
PW: Und das ist auch wissenschaftlich nachgewiesen?
AB: Phytoöstrogene sind nachweislich befähigt Wechseljahrsbeschwerden zu vermindern, den Knochenabbau und die Entstehung der Osteoporose zu hemmen Zu den meisten in der Apotheke verkauften Phytoöstrogenen wie zum Beispiel Mönchspfeffer, Traubensilberkerze, Rhabarber und Rotklee liegen fundierte wissenschaftliche Studienvor. Diese führten vor der gesundheitspolitischen Wende auch zur Übernahme dieser Produkte als verschreibungsfähige Medikamente. Leider entschied unsere Gesundheitsministerin ungeachtet dieser Studien, die vor allem von drei Herstellern vorangetrieben worden waren, pflanzliche Produkte nicht mehr zu übernehmen. In der Frauensprechstunde war dies ein großer Verlust.
PW: Wirken Phytohormone sofort oder dauert es etwas länger, bis eine Besserung eintritt?
AB: Gelegentlich dauert es schon etwas länger. Da der körpereigene Hormonhaushalt für die Wirkung verantwortlich ist bestimmt manchmal Dosis und oder Zeit der Therapie die Wirkung. Tritt nicht binnen von drei Monaten eine Besserung ein, ist entweder die Einnahmemenge zu gering, es erfolgt keine Aktivierung im Darm oder die Hormonvorstufen im Körper sind bereits erschöpft.
PW: Zur Einnahme von Hormonen bei Frauen gibt es wissenschaftliche Studien, die belegen, dass sie durchaus krebsfördernd sein können. Kann man Phytohormone bedenkenlos einnehmen?
AB: Die Hormonstudien beziehen sich allerdings nur auf Hormontabletten die Estrogen und Gestagen kombiniert enthielten. Diese Studien haben zum Glück wach gerüttelt, gleichzeitig aber die Frauen sehr verunsichert. Transdermal verabreichte Hormontherapien (Pflaster oder Cremes) führen zu keinerlei Erhöhung des Brustkrebsrisikos. Phytoöstrogene können von Frauen die keinen Brustkrebs haben bedenkenlos eingenommen werden. Und für Frauen mit Brustkrebs liegen die besten Ergebnisse für Remifemin vor. Frauen mit Vorerkrankungen sollten sich an Frauenärztinnen wenden, die in Naturheilverfahren oder komplementärer Therapie ausgebildet sind.
PW: Männer kommen auch in die Wechseljahre, wirken Phytohormone auch bei ihren Beschwerden?
AB: Natürlich, und nicht nur dabei sondern auch bei Prostatabeschwerden, die bekanntlich hormonabhängig entstehen. Ich setze sie in meiner Praxis erfolgreich ein. Die meisten Erfahrungen gibt es bei Männern mit der Traubensilberkerze, die vor allem bei Hitzewallungen und Schlafstörungen in der Wechseljahrszeit der Männer eingesetzt wird.
PW: Wann fängt man an diese pflanzlichen Präparate einzusetzen?
AB: Je früher desto besser. Eine Mutter bestimmt mit Ihrer angebotenen Nahrung die Hormonprogrammierung Ihrer Kinder. So zeigen sich für Kinder die vor dem siebten Lebensjahr bereits phytoöstrogenreich ernährt wurden deutlich weniger hormonabhängige Karzinome als Kinder, die diese nicht erhielten. Nahrungsumstellungen nach der Pubertät erzielen dies nicht mehr. Hier kann der Einsatz der Heilpflanzen den Körper gegenüber natürlichen Stoffen sensibel halten. Die Kombination von Phytohormonen und transdermalen Hormonen ist auch eine meiner Praxis häufige und günstige Therapievariante.
Welches sind die wichtigsten und bekanntesten Pflanzen mit Phytoöstrogenwirkung und wie werden sie eingesetzt?
AB: Folgende Pflanzen sind wichtig:
Traubensilberkerze
Von den Indianerinnen am besten erforschte Heilpflanze, deren Isoflavone selektiv Estrogen und Serotoninrezeptoren stimulieren. Hilft gut bei Wechseljahrsbeschwerden , macht bessere Laune. Wirkt Knochenschützend, wirkt auch günstig bei Brustkrebspatientinnen, stimuliert kein Brustkrebszellwachstum.
Mönchspfeffer
Gut erforscht für Zyklusstörungen; PMS; Gelbkörperschwäche und Kinderwunsch. Lenkt über die Hypophyse die Hormonregulation der Eierstöcke.
Yamswurzel
Das ist die Süßkartoffel der Indianer. Sie steigert Antrieb, Leistungsfähigkeit und Libido durch Stimulation der DHAE Wirkung.
Rhabarber
Er enthält Isoflavone, die insbesondere die Estrogenrezeptoren des Gehirns stimulieren und somit für Ausgeglichenheit und innere Ruhe sorgen.
Mariendistel
Diese Pflanze greift in den Hormonabbau und die Hormonausscheidung ein. Hilft insbesondere Frauen mit Leber/Galle Beschwerden.
Rotklee
Gut erforschte Heilpflanze mit Isoflavonen, die besonders in der Symptomlinderung bei Frauen mit Myomen des Uterus und/oder Fibroadenomen der Brust eingesetzt werden.
Johanniskraut
Sehr gut erforschte Heilpflanze, die bei leichten und mittelschweren depressiven Verstimmungen eingesetzt wird. Johanniskraut bringt Licht ins Dunkle. Doch Achtung!! Johanniskraut hat Wechselwirkung mit Medikamenten wie Markumar und der Pille.
Granatapfel
Enthält Östron, deshalb besonders günstig bei Kinderwunsch und bei Frauen mit zuviel männlichen Hormonen und oder vermehrtem Haarwuchs beziehungsweise androgenem Haarausfall.
Frauenmantel
Altbekannte ehrwürdige Heilpflanze. Gilt als die beschützende Heilpflanze der Frau, gibt Gefühl der Geborgenheit und hilft in allen Umbruchphasen der Hormone.
Leinöl und Leinsamen
Hier wirken Lignane als Hormonvermittler, zusätzlich unterstützt die Alphalinolensäure die Regulation des vegetativen Nervensystems. Hilft neue Gehirnzellkontakte zu knüpfen, unterstütz Neues und hilft beim Umdenken.
Soya
Soja ist die wohl bekannteste und umstrittenste Pflanze in dieser Reihe. Doch wird zu wenig Sojaisoflavon ergänzt oder dieses im Darm nicht genügend aktiviert so kann eine Stimulation bereits vorhandener Brustkrebszellen in Hochdosisprodukten (<400mg Isoflavon) erfolgen. Mit Mosopräparaten oder Sojajoghurt kann dies nicht geschehen – deshalb ist dies die wohl sicherste Umstellungsvariante.
Interview: Kerstin Dreher, Stand vom 04.12.2008
Sendung: Die Wechseljahre von Frau und Mann - Von Krisen, Chancen und Hormonen, 04.12.2008





