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Wie nahe liegen Genie und Wahnsinn beieinander?

Der Volksmund sagt seit Jahrhunderten, dass Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen. Ein derartiger Generalverdacht ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da das Thema "Genie" seit jeher von Emotionen wie Neid, Angst, Ehrfurcht und Bewunderung begleitet wird. Die empirischen Belege waren bis in die jüngste Vergangenheit zweifelhaft. Ein Beispiel dafür ist der Sammelband "Genie, Irrsinn und Ruhm" von 1928. Die Sammlung beschäftigt sich mit den Krankheitsgeschichten großer Denker. Da viele der in der Sammlung genannten Persönlichkeiten bei der Herausgabe des Buches nicht mehr am Leben waren, analysierten die Autoren Tagebücher, Briefe und andere historische Dokumente. Das Ergebnis liest sich beeindruckend: Van Gogh, Newton, Mozart, Beethoven und Leonardo da Vinci - sie alle galten als schizophren oder manisch-depressiv.

Ein Schwarzweiß-Foto von Einstein, der seine Zunge rausstreckt. (Rechte: dpa)

Sind Genies wahnsinnig?

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Jüngere Untersuchungen belegen den Zusammenhang. Forscher der amerikanischen Stanford Universität stellten eine Gruppe normal begabter Menschen und eine Gruppe besonders kreativer Menschen einer Gruppe psychisch kranker Menschen gegenüber. Sie fanden heraus, dass sich die Kranken und Kreativen in ihren Fähigkeiten und ihrer Persönlichkeit näher standen als den normal Begabten. Kreative Menschen werden häufiger von der so genannten Cyclothymie befallen. Bei diesem Krankheitsbild durchlebt der Betroffene häufig depressive Phasen, aber auch euphorische Zustände, die bis zur Selbstüberschätzung gehen können. Auf eine Phase höchster Schaffenskraft folgen Monate des Stillstands und der Lethargie.

Auch die Statistik zeigt, dass es nicht unbedingt ein Segen ist, genial zu sein: Berühmte Künstler leiden im Vergleich zu Normalbegabten im Durchschnitt 20-mal häufiger an Depressionen und bringen sich 18-mal häufiger um. Unter den Genies sind am häufigsten die Schriftsteller von psychischen Erkrankungen betroffen, besonders die Lyriker. Ein kleiner Trost für sie: Manisch-depressive Phasen steigern die Kreativität im Umgang mit Sprache.

Götz Bolten, Stand vom 01.06.2009

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