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Intelligenzforschung

Der Mensch gilt als das intelligenteste Lebewesen auf Erden. Intelligenz wird auch mit der Gehirngröße in Verbindung gebracht, und tatsächlich ist heute unser Gehirn neun mal größer als das von Säugetieren vergleichbarer Größe. Das war nicht immer so.

Eine schematische Darstellung des Gehirns, auf der die verschiedenen Zentren farblich markiert sind. (Rechte: Mauritius)

Der Mensch hat ein großes Gehirn

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Evolutionshypothesen

Evolutionär betrachtet hat der Mensch sozusagen eine "mentale Mobilmachung" hinter sich. Wissenschaftler haben aus Schädelfunden der letzten drei bis vier Millionen Jahre errechnet, dass sich Masse und Volumen unseres Gehirns seit den Urzeiten vervierfacht haben. Anthropologen gehen davon aus, dass durch rasche Klimaänderungen flexiblere Verhaltensweisen nötig wurden. Der Mensch musste schnell Standorte wechseln und jagen, um sich zu versorgen. Das energiehaltigere Fleisch im Zusammenhang mit Kochen, das gewissermaßen einen Teil des Verdauungsprozesses auslagert, soll eine Verkleinerung des Darms ermöglicht und so eine Voraussetzung für die Volumenzunahme des Gehirns geschaffen haben. Eine größere Gehirn- oder Intelligenzentwicklung erforderte mehr Energie, und die war dank eines kleineren Darms plötzlich verfügbar. Denken statt Verdauen.

Ein Schimpanse fasst sich mit der Hand an den Kopf. (Rechte: ddp)

Schimpansen haben eine ähnliche Gehirngröße wie unsere frühen Vorfahren

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Mit einer größeren Hirnrinde könnte die soziale Komplexität der frühen Gesellschaften gestiegen sein. Intrigen, Bündnisse und anspruchsvollere Partnerwahl stimulierten womöglich das geistige Wettrüsten. Tratsch, Gruppenbindung und Potenz-Demonstrationen waren wohl die Triebkraft für die Entwicklung der Sprachfähigkeiten. Eine weitere Triebkraft für die Intelligenzentwicklung war vermutlich die sexuelle Selektion. Frauen müssen mehr in die Fortpflanzung investieren. Sie produzieren nur wenige Eizellen und paaren sich daher seltener. Dafür sind sie im Lauf der Evolution wählerischer geworden. Nicht nur Eigenschaften des Mannes wie Größe, Kraft und Schönheit sind für den Nachwuchs der Frau wichtig, sondern auch die geistigen Fähigkeiten. Intelligentes Verhalten ist im Überlebenskampf von Vorteil. Deshalb suchten sich Frauen vermutlich schnell vor allem auch intelligente Fortpflanzungspartner.

Ein Patient wird von einer Schwester in einen Magnetresonanz-Tomographen geschoben. (Rechte: dpa)

Moderne Methoden ermöglichen eine völlig neue Hirnforschung

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Dem Gehirn beim Denken zuschauen

Bei der Suche nach anatomischen und physiologischen Grundlagen von Intelligenz steht die Forschung noch am Anfang. Mit modernen Computertomographen werden Denkprozesse heute sichtbar. Man kann über den Zuckerverbrauch Areale geistiger Aktivität bestimmen. Dies geht mit der so genannten Positronen-Emissions-Tomographie. Magnetresonanz-Tomographen messen Magnetfelder im Gehirn, die sich bei Denkprozessen verändern.

Intelligente Personen können Informationen schneller aufnehmen, mehr Informationen im Kurzzeitgedächtnis speichern und von dort schneller wieder abrufen. Sie können scheinbar auch schneller auf Wissen im Langzeitgedächtnis zugreifen. Durchschnittlich Intelligente müssen ihr Gehirn im Zeitverlauf von IQ-Tests stärker "hochfahren" und dabei auch Regionen aktivieren, die mit der Aufgabenstellung eigentlich nichts zu tun haben. Intelligente können die Energieressourcen dagegen scheinbar auf die benötigten Areale konzentrieren. Sie arbeiten effizienter und benötigen weniger Energie.
Hoch Intelligente scheinen in der Pubertät die Nervenverschaltungen im Gehirn besonders stark neu zu strukturieren. Daher verbrauchen ihre Gehirne insgesamt weniger Energie und konzentrieren die Aktivitäten in der Großhirnrinde besser auf benötigte Areale.
Es gibt also Unterschiede, so genannte "Intelligenz-Zentren" wurden bisher aber nicht gefunden. Der Schlüssel zum biologischen Verständnis von Intelligenz liegt vermutlich in der Art und Weise, wie im Gehirn Informationen fließen und welche Faktoren das beeinflussen.

Menschliche Chromosomen unter dem Mikroskop. (Rechte: Mauritius)

Gene spielen beim Intellekt eine große Rolle

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Intelligenz und die Rolle der Gene

IQ-Messungen an ein- und zweieiigen Zwillingen sowie Adoptionsstudien lieferten Hinweise, dass Intelligenzunterschiede von Menschen in unserem Kulturkreis mindestens zu 50 Prozent genetische Ursachen haben. Ein "Intelligenzgen" wurde bisher nicht eindeutig identifiziert. Die Gehirnleistung ergibt sich aus der Funktion einer riesigen Zahl von Genen (vermutlich mindestens 1000), die sich wiederum oft gegenseitig beeinflussen: Gene, die den Gehirnstoffwechsel steuern und Gene, die die Bestandteile der Gehirnanatomie festlegen. Diskutiert werden unter anderem folgende genetische Einflüsse auf intellektuelle Fähigkeiten:

  • Genetisch bedingte höhere Anzahl von Nervenzellen,
  • genetisch bedingte höhere Zahl von Verschaltungen zwischen Nervenzellen und damit bessere Verarbeitungs- und Gedächtniskapazitäten (Dendriten und Synapsen),
  • genetisch bedingte dickere Nervenumhüllungen, die die Reizleitung im Gehirn effizienter gestalten (Myelin-Isolierung),
  • genetisch bedingter, niedrigerer Energiebedarf bei Hoch Intelligenten, was die Dauer der Arbeitsleistung positiv beeinflusst.

Potenzielle Intelligenzgene vermuten Humangenetiker heute vor allem auf den X-Chromosomen. Frauen besitzen davon zwei, Männer nur eins. Das würde erklären, warum deutlich mehr Männer an geistiger Behinderung leiden als Frauen. Eine Mutation auf einem X-Chromosom können Frauen durch das zweite X-Chromosom ausgleichen, Männer dagegen nicht. Mit zunehmendem Alter scheint die Bedeutung von "Intelligenzgenen" zu steigen, die Rolle des sozialen Umfelds dagegen nachzulassen.

IQ-Tests

Vor zirka 100 Jahren begann die Entwicklung von Intelligenztests. Seitdem werden von Psychologen immer wieder neue konstruiert, die mehr Prüfmerkmale umfassen. Heute gibt es etwa 80 verschiedene Intelligenztests in Deutschland. Jeder einzelne beruht auf einer speziellen Definition von Intelligenz und den darin enthaltenen Eigenschaften, die Intelligenz umschreiben. Da Intelligenztests auf Grund bestimmter Annahmen von Intelligenz und spezieller Einsatzmöglichkeiten entwickelt werden, ist die Vergleichbarkeit unterschiedlicher Intelligenztests kaum möglich. Was als wichtig erachtet wird, versucht man in Form eines Tests zu messen. Insofern wird die Aussage: "Intelligenz ist das, was der IQ-Test misst" verständlich. Und selbst dabei kann die Tagesform durchaus das Ergebnis beeinträchtigen, ganz abgesehen von sozialen Verhältnissen und Bildung.

Generell haben IQ-Tests aber durchaus ihren Sinn und ihre Berechtigung. Zur Zeit sind sie die einzige Möglichkeit, um annähernd zu ermitteln, über welche geistigen Fähigkeiten ein Proband verfügt. Zu beachten ist aber auf jeden Fall, auf welchen Grundlagen der jeweilige IQ-Test entwickelt wurde. Standardisierte IQ-Tests, wie zum Beispiel der Berliner Intelligenzstruktur-Test "BIS", liefern heute Anhaltspunkte bei Schuleignungstests (Lernstörungen – Hochbegabte), psychischen Problemen (Diagnose von Hirnschäden, Straftäteruntersuchungen), aber auch beim Berufseinstieg.
Im übrigen: Seriöse, standardisierte, von Wissenschaftlern entwickelte IQ-Tests sind öffentlich nicht zugänglich. Ihre ohnehin nur eingeschränkte Aussagekraft wäre sonst wertlos. IQ-Tests in Zeitschriften, Fernsehsendungen usw. können nur einen Eindruck von der Struktur, Aufbau und Art möglicher IQ-Tests vermitteln.

Jochen Zielke, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Superhirne - Zwischen Genie und Wahnsinn?, 06.02.2007

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Bildcollage zum Experiment Intelligenz (Rechte: WDR/SWR)

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