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Stimmt es, dass kulturelle Besonderheiten die Aussagekraft von IQ-Tests einschränken?

Ja und nein. Viele moderne IQ-Tests sind heute so gestaltet, dass sie den Probanden unabhängig von Erfahrungen und Wissen testen. Früher war das anders: Ältere IQ-Tests prüften durchaus auch Allgemeinwissen ab und waren kulturdominiert. Das gilt teilweise auch noch für heute verwendete IQ-Tests. Ein und derselbe Test kann nicht weltweit eingesetzt werden. Vor allem, wenn er sprachliche Fähigkeiten in Form von Wortschatzaufgaben testet. Auch in Bezug auf Alltagsgegenstände oder Bilderergänzungstests gibt es große kulturelle Unterschiede. In anderen Kulturen "denkt" man anders - aber genauso gut.

Schwarzweiß-Foto vom Anfang des 20. Jahrhunderts: Eine Einwandererfamilie steht mit Gepäck an einer Schiffsreling. (Rechte: AKG)

IQ-Tests waren für Einwanderer in die USA Pflicht

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Ein Beispiel aus der Vergangenheit:Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden potenzielle Einwanderer in die USA auf Eignung getestet. Italiener zum Beispiel erreichten damals dabei nur unterdurchschnittliche Werte – die nächste Generation wiederum erreichte den Durchschnitt der amerikanischen Bevölkerung. Das galt auch für andere Nationalitäten. Auch IQ-Testvergleiche zwischen farbigen und weißen Amerikanern führten lange Zeit zu Unterschieden von 10 bis 15 IQ-Punkten. Auch in diesen Ergebnissen spiegelten sich kulturelle Unterschiede und Bildungsunterschiede wieder. Rassistische Vorurteile, die sich daraus ergaben, waren und sind völlig unhaltbar.

Inwiefern beeinflusst die Tagesform das IQ-Testergebnis?

Neben körperlichen Beschwerden können auch Stimmungsschwankungen Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit haben. Lampenfieber und Aufregung sind in gewissem Ausmaß dagegen oft sogar leistungsförderlich. Man erreicht sein Leistungsoptimum durch eine gewisse Grundspannung. Generell, so zumindest Aussagen von Psychologen, die Mensa-Mitglieder sind, kann es Tagesschwankungen geben. Allerdings werden Menschen mit einer gewissen Grundintelligenz bei solchen Tests immer in einem bestimmten Rahmen abschneiden. Das Wissen um die eigene Intelligenz sorgt offenbar für ein gewisses Selbstbewusstsein, mit dem Probanden an IQ-Tests herangehen.

Jochen Zielke, Stand vom 01.06.2009

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