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Intelligenzmessung

Fragt man 100 Experten nach einer Definition von Intelligenz, dann erhält man wahrscheinlich genauso viele Antworten. Über die Erklärung des Phänomens "Intelligenz" streiten Psychologen und Naturwissenschaftler schon seit über 100 Jahren. Heute versucht man mit Computertomographen dem Gehirn beim Denken zuzusehen, um objektive Aussagen treffen zu können. Ein anderer Weg, die geistige Leistungsfähigkeit von Menschen zu erfassen und zu beschreiben sind IQ-Tests.

Farbige 3-D-Tomographie eines menschlichen Kopfes. (Rechte: Mauritius)

Wo steckt nur die Intelligenz?

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Beispiel: Mensa

"Intelligenz ist das, was der Intelligenz-Test misst", so die Definition vom US-amerikanischen Biochemiker und Science-Fiction-Autor Isaac Asimov. Er selbst galt als hoch begabt, mit einem IQ von über 130.
So hohe Werte erreichen nur etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Der durchschnittliche IQ liegt bei 100. Werte um 115 sind schon sehr gut, unter 80 dagegen sehr schlecht. Asimov war Mitglied im Mensa-Club, einem Verein für hoch Intelligente. Eintrittskarte: ein IQ von über 130, festgestellt in einem anerkannten, "akademischen" Intelligenztest.

Der berühmte Science-Fiction Autor Isaac Asimov hält eine Kristallkugel in den Händen. (Rechte: dpa)

Mensamitglied Isaac Asimov

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Der Club galt lange als elitär, werden doch hoch Intelligente oft als arrogant empfunden und mit Skepsis betrachtet. Doch Mensa ist kein Club der Supererfolgreichen unserer Gesellschaft. Man trifft dort Menschen der unterschiedlichsten Art, und es soll keineswegs bierernst auf ihren Treffen zugehen. Vielmehr suchen Mensaner eine lockere Atmosphäre, um zu diskutieren, ohne gleich wegen anspruchsvoller Ausdrucksweise oder Gedankensprüngen für arrogant oder wunderlich gehalten zu werden.
Denksport-Aufgaben lösen, Partys, Vorträge, Hobbygruppen, Reiseveranstaltungen – das alles zählt zum Mensa-Programm. Mitglieder haben ihren Verein einmal als "Kreuzung zwischen einem geistigen Sportverein und einer Selbsthilfegruppe" beschrieben. Mensaner mögen zwar eine besondere Veranlagung besitzen, viele haben jedoch auch die Erfahrung gemacht, dass ein hoher IQ nicht unbedingt Glück und Erfolg im Leben bedeutet. Der Club verfolgt keine besonderen Ziele. Mensa will generell intelligente Menschen in Kontakt bringen und die Intelligenzforschung fördern.

Was ist Intelligenz?

Doch was ist eigentlich Intelligenz? Reicht ein statistisch ermittelter, auf psychologischen Tests basierender IQ-Wert aus, um Intelligenz zu beschreiben oder zu ermitteln? Diese Frage bewegt seit 100 Jahren Wissenschaftler rund um den Erdball und sie kann bis heute nicht eindeutig beantwortet werden. Es gibt eine kaum zu überschauende Zahl von Theorien, die die unterschiedlichsten geistigen Fähigkeiten in Zusammenhang mit dem Begriff Intelligenz bringen. Ganz allgemein kann man vielleicht sagen: Intelligenz ist die Umschreibung für die Fähigkeit, sich in neuen Situationen durch Einsicht zurechtzufinden und Aufgaben durch Denken zu lösen. Erfahrung spielt dabei keine Rolle, eher das schnelle Erfassen von Beziehungen und deren Kombination. So kann ein neuer Blick auf ein bestehendes Problem entstehen und zu einer schnellen Lösung führen - ohne Ausprobieren und Lernen.

Formen der Intelligenz

Es gibt eine ganze Reihe intellektueller Fähigkeiten, die in den Begriff "Intelligenz" eingehen könnten. Dazu gehören logisch-abstraktes Denken, räumliches Vorstellungsvermögen, sprachliche Fähigkeiten, Wahrnehmungsgeschwindigkeit, Gedächtnis, Motivation, Beharrlichkeit, Musikalität, Intuition, Kreativität oder auch soziale Kompetenz. Nicht alle, insbesondere nicht die Letzteren, sind in "akademischen" IQ-Tests zu erfassen.
Nahezu alle Gehirnbereiche werden für die aufgezählten Intelligenzformen benötigt. Intelligenz könnte demnach auch davon abhängig sein, wie gut und schnell die einzelnen Gehirnkomponenten funktionell miteinander verbunden sind, zusammenarbeiten und Informationen austauschen. Neben rein akademischen kämen so auch praktische Fähigkeiten zum Tragen.

Kinderhände beim Klavierspielen. (Rechte: Mauritius)

Musikalische Begabung ist eine Form der Intelligenz

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Multiple Intelligenz

Der amerikanische Psychologe Howard Gardner plädiert für ein Konzept der "Multiplen Intelligenz", bei dem verschiedene, unterschiedlich gut ausgeprägte Fähigkeiten zusammen die intellektuellen Möglichkeiten eines Menschen ergeben:
- Sprachliche Intelligenz
- Logisch mathematische Intelligenz
- Räumliche Intelligenz
- Musikalische Intelligenz
- Soziale Intelligenz
- Körperbeherrschung
Bis heute gibt es keine exakte, naturwissenschaftliche Beschreibung unserer intellektuellen Fähigkeiten. Die Frage der Intelligenzdefinition wird die Wissenschaft wohl noch viele weitere Jahre beschäftigen.

Eine weinende junge Frau wird von einer anderen Frau getröstet. (Rechte: Mauritius)

Emotionale Intelligenz hilft beim Umgang mit anderen Menschen

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Emotionale Intelligenz

Populär wurde der Begriff "Emotionale Intelligenz" durch das gleichnamige Buch von Daniel Goleman. Denken und Fühlen sind danach eine Einheit, die das Handeln und die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen bestimmen. Emotionale Intelligenz bedeutet, sich selbst und seine Gefühle gut einschätzen und sie auch "managen" zu können. Stimmungslagen wie Schwermut, Angst oder Gereiztheit können bei "emotional Intelligenten" besser kanalisiert werden und stören nicht bei Denkprozessen. Emotionale Intelligenz umschreibt auch die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können, auf Situationen besser zu reagieren. In unserer Arbeitswelt werden Teamarbeit, Motivationsfähigkeit und Mitarbeiter-Management immer wichtiger. Emotionale Intelligenz könnte demnach ein Schlüssel zum Erfolg in unserer Gesellschaft sein, so Anhänger der Theorie von der emotionalen Intelligenz. Es wurden auch EQ-Tests entwickelt, deren Aussagekraft aber von vielen Wissenschaftlern bestritten wird - wie überhaupt das Konzept der emotionalen Intelligenz.

Ein Wissenschaftler betrachtet auf einem Monitor die Computertomographie eines Kopfes. (Rechte: dpa)

Dem Gehirn beim Denken zusehen

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Intelligenz und die Rolle der Gene

IQ-Messungen an ein- und zweieiigen Zwillingen lieferten Hinweise, dass Intelligenzunterschiede von Menschen in unserem Kulturkreis mindestens zu 50 Prozent genetische Ursachen haben. Ein "Intelligenz-Gen" wurde bisher nicht eindeutig identifiziert, in Verdacht stehen mindestens tausend verschiedene Gene. Die Gehirnleistung ergibt sich aus der Funktion einer riesigen Zahl von Genen, die sich wiederum oft gegenseitig beeinflussen. Gene, die den Gehirnstoffwechsel steuern und Gene, die die Bestandteile der Gehirnanatomie festlegen. Diskutiert werden u.a. folgende genetische Einflüsse auf intellektuelle Fähigkeiten:

  • Genetisch bedingte höhere Zahl von Verschaltungen zwischen Nervenzellen und damit bessere Verarbeitungs- u. Gedächtniskapazitäten
  • Genetisch bedingte dickere Nervenumhüllungen, die die Reizleitung im Gehirn effizienter gestalten
  • Genetisch bedingter, niedrigerer Energiebedarf bei hoch Intelligenten, was die Effizienz und Dauer der Arbeitsleistung positiv beeinflusst.

Heute versuchen Hirnforscher mit Computertomographen dem Gehirn beim Denken zuzusehen. Vermutlich sind es Hunderte von Gehirnprozessen, die - zusammengenommen - Intelligenz ergeben.

Stimulieren anstatt verkümmern

Umwelteinflüsse – elterliche, reizsetzende Förderung in frühen Lebensjahren und ein generell stimulierendes, soziales Umfeld - können die intellektuellen Leistungen im Sinne einer Leistungssteigerung erhöhen. Umwelteinflüsse haben keinen Einfluss auf die generelle, vererbte Intelligenzveranlagung. Bei Nichtförderung können solche Anlagen aber "verkümmern".

Jochen Zielke, Stand vom 19.12.2006
Sendung: Superhirne - Zwischen Genie und Wahnsinn?, 06.02.2007

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