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Halluzinogene

"Im Dämmerzustand bei geschlossenen Augen drangen ununterbrochen phantastische Bilder von außerordentlicher Plastizität und mit intensivem kaleidoskopartigem Farbenspiel auf mich ein." So beschreibt Albert Hofmann 1943 die halluzinogene Wirkung des LSD. Er entdeckte sie durch Zufall: Bei der Arbeit im Labor war er mit einer geringen Menge des Halluzinogens in Kontakt gekommen. Innerhalb kürzester Zeit war er nicht mehr fähig zu sprechen und verlor die Orientierung.

Verschiedene Farben laufen ineinander über. (Rechte: ddp)

Halluzinationen: Töne werden sichtbar, Bewegungen machen Musik

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Welche Arten von Halluzinogenen gibt es?

Es gibt Halluzinogene die in der Natur vorkommen und solche, die synthetisch hergestellt werden. Die natürlichen Halluzinogene sind zum Beispiel in bestimmten Pflanzen wie Pilzen, Nachtschattengewächsen und Kakteen zu finden. Es gibt aber auch Hinweise, dass bestimmte Tiere, wie beispielsweise Kröten, Sekrete absondern, die halluzinogen wirken. Die Wirkung dieser natürlichen bewusstseinsverändernden Substanzen ist in einigen Kulturen schon seit Jahrtausenden bekannt. Synthetisch hergestellt Halluzinogene wie LSD und Meskalin sind dagegen erst seit den 40er Jahren bekannt. Die Wirkstoffe stammen in der Regel ebenfalls aus Pflanzen, in denen sie allerdings nicht in Reinform enthalten sind. Erst durch die chemische Bearbeitung im Labor werden die Wirkstoffe „veredelt“ und können ihre halluzinogene Wirkung entfalten. Eine bewusstseinsverändernde Wirkung ist auch von Opiaten wir Opium, Morphium oder Heroin bekannt, diese bilden aber eine eigene Klasse von Rauschmitteln. Opiate sind im Gegensatz zu Halluzinogenen extrem suchterzeugend.

Zwei Männer mit nacktem Oberkörper sitzen nebeneinander vor einer brennenden Kerze. (Rechte: dpa)

Ein Schamane bei der Arbeit

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Was versteht man unter Halluzinogen?

Übersetzt bedeutet der lateinische Begriff "halucinato" in etwa "gedankenloses Reden, faseln". Als Halluzinogene werden solche Substanzen bezeichnet, die verschiedene Arten von Trugwahrnehmungen (Halluzinationen), Visionen und Wahrnehmungsveränderungen hervorrufen. Einige pflanzliche Halluzinogene werden seit langer Zeit von Naturvölkern verwendet. In diesen Gesellschaften gelten sie jedoch nicht als Rauschmittel, sondern als sakrale oder visionäre Substanzen und werden für religiöse Rituale oder medizinische Zwecke verwendet. In der Regel ist ihr Gebrauch nur speziellen Personen wie Schamanen oder Priestern erlaubt. Missbrauch wird häufig hart bestraft. Wissenschaftler verwenden für halluzinogenen Substanzen, die in Ritualen oder Heilprozessen verwendet werden den Begriff "Entheogene". Das Wort stammt aus dem Altgriechischen und heißt übersetzt: "mit Gott bewirken".

Was ist eine Halluzination?

Halluzinationen sind Sinnestäuschungen und werden nach den jeweils betroffenen Sinnesorganen unterteilt. Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen akustischen, visuellen, olfaktorischen (den Geruchssinn betreffenden), haptischen (den Tastsinn betreffenden) und kinästhetischen (die Körperbewegung betreffenden) Trugvorstellungen. Diese werden vom Halluzinierenden als äußerst real empfunden und sind nicht von der Wirklichkeit zu unterscheiden. Halluzinationen können krankhafte Wahnvorstellungen sein, die zum Beispiel bei Schizophrenie auftreten. Halluzinogene Drogen können ähnliche Wahrnehmungsveränderungen hervorrufen. Wissenschaftler hoffen, dass Erfahrungen unter dem Einfluss von Halluzinogenen ein näheres Verständnis verschiedener psychischer Krankheiten ermöglichen.

Eine Straße aus der Sicht eines Radfahrers, Lenker und Hände ragen ins Bild. Das Bild ist verzerrt, die Farben von Straße, Bäumen und Wiesen verschwimmen. (Rechte: WDR Freeze)

Verzerrte Wahrnehmung bei halluzinogenen Drogen

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Welche Wirkung haben Halluzinogene?

Halluzinogene erzielen zwei Arten von Wirkungen. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass neben den wahrgenommenen psychischen Effekten auch eine neurobiologische Wirkung auftritt. Die psychischen Effekte von Halluzinogenen lassen sich nur beim Menschen beobachten. Erkenntnisse darüber beruhen häufig auf Selbstversuchen von Wissenschaftlern, Erzählungen von Testpersonen und Konsumenten oder auf Berichten von Naturvölkern. Der Begriff Halluzination greift hier eigentlich zu kurz, denn vor allem der Volksmund setzt dies mit einer phantasierten Wahrnehmung gleich. Unter Einfluss von Halluzinogenen kann es aber beispielsweise sein, dass man Farben hören kann und Musik bestimmte Bilder und Muster hervorruft. In der Regel handelt es sich um eine Vorstellung ohne direkte Wahrnehmung.

Die neurobiologischen Erkenntnisse über Halluzinogene sind bisher noch bruchstückhaft. Trotzdem haben sie verblüffende Einsichten zutage gefördert, denn Halluzinogene wirken auf das zentrale Nervernsystem. Dort sind hauptsächlich Nervenzellen und Synapsen betroffen. Die Nervenzellen im menschlichen Gehirn sind durch die Synapsen untereinander verknüpft. Die Informationsübertragung erfolgt vor allem auf biochemischem Weg durch Übertragungssubstanzen, die so genannten Neurotransmitter. Diese wandern durch die Synapsen von einer Nervenzelle zur anderen und docken dort an die Rezeptoren an. Die Rezeptoren sind die Empfangs- bzw. Aufnahmeeinrichtung für bestimmte Reize. Die Neurotransmitter passen dort wie ein Schlüssel ins Schloss. Diese Rezeptoren dienen vorrangig der Erregungsübertragung durch hirneigene Botenstoffe und Hormone. Bei Experimenten mit Halluzinogenen haben Wissenschaftler allerdings festgestellt, dass im menschlichen Gehirn auch Rezeptoren für Cannabinoid und Opiate vorhanden sind. Ohne diese würden Halluzinogene nahezu keinen Einfluss haben. Haben die Halluzinogene erst einmal angedockt, verstärken, behindern oder verändern sie die Funktion der Nervenzellen. Warum Rezeptoren für halluzinogene Substanzen im Gehirn vorhanden sind, ist bisher ungeklärt.

Schwarzweiß-Foto von Aldous Huxley, der in einem Lehnstuhl sitzt. (Rechte: dpa)

Aldous Huxley war einer der ersten, die mit LSD experimentierten

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"Horror-Trip" und Selbsterkenntnis

"Alle Anstrengungen meines Willens, den Zerfall der äußeren Welt und die Auflösung meines Ichs aufzuhalten, schienen vergeblich". So beschrieb Albert Hofmann seine äußerst unangenehmen Erfahrung bei einer sehr hohen Dosierung von LSD. Weil halluzinogene Drogen psychoaktive Substanzen sind, wirken sie bei jedem Menschen unterschiedlich. Bei Menschen mit einer entsprechenden Veranlagung können Halluzinogene psychische Störungen bewirken oder verstärken. Da sie in besonderem Maße die Sinneswahrnehmungen verstärken und verändern, ist auch das Umfeld in dem sie konsumiert werden von entscheidender Bedeutung. Konkret heißt das: In einer unangenehmen Umgebung und mit negativen Gefühlen ist in der Regel mit einem so genannten "Horror-Trip" zu rechnen. Umgekehrt gibt es Berichte, nach denen durch die Anwendung von halluzinogenen Drogen in einem positiven Umfeld unglaubliche Selbsterkenntnisse gewonnen werden könne. So beschreibt der britische Schriftsteller und Drogenpionier Aldous Huxley in seinem Buch "Die Pforten der Wahrnehmung", wie er durch die Einnahme von Meskalin und LSD ein tieferes Verständnis seiner Selbst und des Kosmos gewonnen habe. Auch der Psychologe Timothy Leary und der Dichter Allen Ginsberg berichteten von positiven Erfahrungen mit LSD und befürworteten öffentlich den Konsum von Halluzinogenen.

Der tschechische Psychiater Stanislav Grof ist einer der wenigen Wissenschaftler, die umfangreiche Forschung mit Halluzinogenen betrieben haben. Ziel seiner Arbeit war es, eine mögliche Verwendung von Halluzinogenen für Psychiatrie und Psychologie zu erforschen. Durch die weltweite restriktive Gesetzgebung musste er Mitte der 70er Jahre seine Forschung abbrechen. Grof hat festgestellt, dass es eine Vielzahl von spirituellen Techniken wie Atemübungen, Meditation und Extase in Tanz und Musik gibt, die zu ähnlichen Zuständen führen, wie sie durch Drogen erreicht werden können. Diese Erkenntnis sah er als Beweis dafür, dass das menschliche Hirn die Fähigkeit besitzt, mit körpereigenen Substanzen die Effekte von halluzinogenen Drogen zu erzeugen. Es gibt Vermutungen, dass sogenannte Nahtod-Erfahrungen (zum Beispiel Tunnelfahrten ins Licht) durch die Ausschüttung körpereigener Drogen erzeugt werden.

Jo Siegler/Eike Risto, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Suchtkrankheiten - Leben in Abhängigkeit, 31.05.2007

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Bildcollage zum Thema Drogen (Rechte: dpa)

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