Amber
Heilmittel und Aphrodisiakum
Amber, der geheimnisvolle Duft aus dem Meer, ist seit der Antike bekannt. Ursprünglich diente die Substanz als wohlriechendes Heilmittel und Aphrodisiakum. Der seltene graue Amber galt als so kostbar, dass er mit Gold aufgewogen wurde. Die größte Bedeutung erlangte er als Rohstoff für die Parfumherstellung. Als sogenannter "Fixateur" verlangsamt er die Verdunstung leicht flüchtiger ätherischer Öle, die meist aus Pflanzen gewonnen werden. Heute wird Amber nur noch in wenigen exklusiven Parfums verwendet. Synthetische Substanzen haben den Naturstoff weitgehend verdrängt.
Vom Wal-Darm in die Nase
Lange Zeit blieb die Herkunft des äußerst seltenen Ambers im Ungewissen. Manche glaubten, die duftenden grauen Steine, die an die Küsten gespült wurden, stammten von Seeungeheuern. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Rätsel gelöst. Walfänger fanden Amber im Darm von Pottwalen. Die riesigen Meeressäuger ernähren sich von Tintenfischen und Kraken. Diese haben einen sehr schwer verdaulichen, scharfkantigen Kiefer, der ähnlich geformt ist wie ein Papageienschnabel. Es wird vermutet, dass sich Amber bei der Verdauung dieser unbekömmlichen Teile bildet. Wie das genau funktioniert, ist aber immer noch unklar. Fest steht allerdings, dass sich Amber, nachdem er vom Pottwal ausgeschieden worden ist, stark verändert. Die auf der Meeresoberfläche treibenden Klumpen gehen unter dem Einfluss von Sonnenlicht und Sauerstoff eine chemische Reaktion ein. Dabei entstehen die wohlriechenden Amberkörper, die mit den Gezeiten an die Meeresstrände gespült werden. Amber direkt aus dem Darm des Pottwals riecht dagegen Ekel erregend und ist für die Parfumherstellung unbrauchbar.
Zentrum des Meeresdufts
Das östlich von Australien im Südpazifik gelegene Neukaledonien war bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ein blühendes Sammel- und Handelszentrum für Amber. Besonders in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren französische Parfums, die nach Amber dufteten, groß in Mode. Die Neukaledonier, die den Rohstoff an den Stränden ihrer Inseln sammelten, verdienten gut. Heute ist das anders. Seit es gelungen ist, den teuren Amber durch weitaus billigere synthetische Essenzen zu ersetzen, ist der Handel mit den Ausscheidungen des Pottwals fast zum Erliegen gekommen.
Vom Rohstoff zum Duft
Heute wird Amber nur noch von ganz wenigen Parfumherstellern verwendet. Die tierische Substanz verbindet und verfeinert blumige und süßliche Duftnoten, auch solche, die nach Wald oder Vanille riechen. Amber soll den Duft rund, bezaubernd und verführerisch machen. Darauf setzen noch einige exklusive Hersteller, auch wenn die Verarbeitung aufwendig ist. Die Rohsubstanz wird zu feinem Puder zermahlen und mit Alkohol versetzt. Die Amberlösung muss mehrere Monate reifen, bevor sie dem Parfum beigemischt werden kann. Erst nach dem Reifeprozess entfalten sich die charakteristischen Duftnoten, die nach Meinung des Parfumkreateurs Nicolas Mamounas mit synthetischen Substanzen nicht zu vergleichen sind. Vielleicht, so meint er, weckt Amber im Menschen unbewusst die Sehnsucht nach dem Meer, aus dem ursprünglich alles Leben hervorgegangen ist.
Hans Jürgen von der Burchhard, Stand vom 16.11.2011







