Die Cavendish-Banane
Die Retterin
Die für den Export bestimmte Sorte, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angebaut wird, ist die Gran Michel. Sie ist süß, groß und sie hat keine Samen. Nur noch die kleinen schwarzen Flecke im Inneren der Banane erinnern daran, dass die Banane eigentlich eine Beerenfrucht ist. Die Gran Michel wird zum Liebling der Verbraucher und damit auch zum Liebling der Bananenanbauer. Doch schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt sich, dass die Bananen-Monokulturen in vielerlei Hinsicht nur zu einem hohen Preis zu bewirtschaften sind: Eine der Folgen der Großplantagen sind die sich ausbreitenden Krankheiten, die hier einen besonders guten Nährboden finden. Sowohl die "Standard Fruit Company" (SFCO) als auch die "United Fruit Company" (UFCO) richten in den 30er Jahren Forschungsstationen zur Bekämpfung der schlimmsten Krankheiten ein. Die Panamakrankheit hat schon ganze Landstriche erwischt und auch die Pilzerkrankung "Yellow Sigatoka" richtet viel Unheil an. Gegen die "Yellow Sigatoka" wird ein chemisches Mittel entwickelt, das sehr erfolgreich ist. Doch gegen die Panamakrankheit ist kein Kraut gewachsen. Das Ende des Bananenanbaus scheint bevorzustehen, aber es wird nur das Ende der Gros Michel.
1953 schon experimentiert die SFCO mit einer neuen Sorte: der Cavendish, benannt nach dem Duke of Cavendish, der in seinem Garten schon um 1800 Bananen aus China anpflanzte. 1959 führt die UFCO die neue Sorte ein und bis Mitte der 70er Jahre ist der Wechsel von der Gran Michel zur Cavendish auf allen mittelamerikanischen Plantagen durchgesetzt. Die Cavendish-Stauden haben einige Vorteile. Weil sie niedriger sind, lassen sie sich leichter ernten und sind gegenüber Sturmschäden weniger anfällig. Außerdem können sie dichter gepflanzt werden, sodass die Flächenerträge verdoppelt werden können. Allerdings hat die Cavendish auch einen großen Nachteil, denn ihre Schalen sind dünner und damit sind die Früchte stoßempfindlicher.
Ein empfindliches Früchtchen
Die empfindsame Cavendish hat den Bananenanbau verändert. Um die Pflanze vor Beschädigungen zu schützen, bekommt sie einen Plastikbeutel umgelegt, und die Arbeiter, die die schweren Bananenbüschel ernten, tragen gepolsterte Kissen auf den Schultern, damit die Früchte keinen Schaden nehmen. Der Weg bis zu den Verbrauchern in Übersee ist weit und steinig, und viele Vorkehrungen werden getroffen, damit die Früchte unbeschadet bei uns ankommen. In großen Büscheln kann man die Cavendish-Bananen jetzt nicht mehr transportieren. Sie werden in Teilstücke gebrochen, die eine bestimmte Größe haben müssen, damit sie in die genormten Kartons passen. Jetzt muss alles schnell gehen. Innerhalb von 24 bis 36 Stunden müssen die Bananen auf den Kühlschiffen sein. Werden die Bananen der Luft ausgesetzt, entwickeln sie einen Gasstoff, das Äthylen, das ihre Reifung hervorruft. Doch die Kunden wollen keine ausgereiften Bananen, die vielleicht schon braune Flecken haben. In den Kühlschiffen, die heute eine Temperatur von etwa 13,5 Grad Celsius besitzen, wird der Reifungsvorgang der Bananen unterbrochen. Ein spezielles Luftgemisch sorgt dafür, dass die Banane sozusagen in einen Schlafzustand versetzt wird. So kommen sie ungereift an ihrem Bestimmungshafen an.
Der Umschlag im Hafen ist durch die genormten Kartons wesentlich erleichtert worden. Auf Paletten oder gleich in Containern werden sie weitertransportiert zu den Reifereien. Hier erst wird die Banane unter Ausschluss des Lichtes künstlich herangereift. Etwa vier bis acht Tage bleiben die Bananen in der Reiferei, je nachdem wann welcher Käufer Bananen in welcher Reifestufe haben will. In dieser Zeit wandelt sich die Stärke der Bananen in Zucker um und die grüne Farbe wird allmählich gelb. So geht es dann weiter zu den Läden oder den Markthallen, wo wir unsere Cavendish kaufen können. Von der Ernte bis zur Reifung ist inzwischen über ein Monat vergangen, ein Monat, in dem sich fast ständig irgendjemand um das Wohl der empfindlichen Bananen gekümmert hat.
Das Ende der Cavendish?
Anfang des 21. Jahrhunderts erreichen uns die ersten Schreckensnachrichten: Das Ende der Cavendish wird prophezeit, das Ende unserer geliebten Obstbanane. Es beginnt schon in den 70er Jahren. Kaum hat sich die neue Exportbanane Cavendish durchgesetzt, da erobert ein neuer Pilz die Bananenplantagen: der "Black Sigatoka", der weitaus aggressiver ist als der "Yellow Sigatoka". Jahrelang trotzt man ihm mit Einsatz starker chemischer Mittel, die vom Flugzeug aus auf die Plantagen gesprüht werden. Doch der Pilz wehrt sich hartnäckig und entwickelt Resistenzen.
Und wieder setzen sich die Forscher daran, eine neue Sorte zu entwickeln. Eine langwierige und häufig eine undankbare Aufgabe, da die Banane sich ohne Samen selbst fortpflanzt. "Noch höchstens zehn Jahre", versprechen Wissenschaftler der Cavendish. Die Stimmen kommen vom 1985 gegründeten "Internationalen Netzwerk für die Verbesserung der Banane und Kochbanane", einer Einrichtung, die auch das Bananengenom erforscht. Sie sehen die einzige Zukunft für unsere Banane in der Züchtung resistenter Gen-Bananen. Doch auch andernorts wird geforscht: In der honduranischen Stiftung für Agrarforschung (FHIA) hat man mit Hilfe wilder, fruchtbarer Bananen kleine Erfolge erzielt. Die ersten neu gezüchteten Bananen werden schon in größerem Maßstab in Kuba angebaut. Weder die "Black Sigatoka" noch die Panamakrankheit fügen ihnen Schaden zu. Allerdings schmecken sie mehr nach Apfel als nach Banane.
Sine Maier-Bode, Stand vom 01.06.2009






