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Vincent Klink - schwäbischer Starkoch

13.00 Uhr. Das Rotlicht geht aus, die Live-Übertragung des "ARD-Buffet" ist beendet. Sofort beginnt im Studio reges Treiben, es wird laut und unübersichtlich. An allen Ecken und Enden passieren plötzlich sehr viele verschiedene Dinge gleichzeitig - und doch: Jeder Handgriff sitzt, das Studio wird zielsicher "zerlegt", sprich: umgebaut und aufgeräumt. Ein paar Techniker naschen schnell an der Zitronenforelle, deren angenehmes Aroma sich noch nicht ganz verflüchtigt hat.

Vincent Klink trägt seine Kochkleidung und rührt in einem Topf. (Rechte: SWR-Pressestelle)

Im Einsatz für "ARD-Buffet"

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Mittendrin steht Vincent Klink, Fernsehkoch und Stuttgarter Spitzengastronom. Er wirkt müde, aber ganz in seinem Element, in Gedanken scheint er noch auf Sendung zu sein. Die jetzt nicht mehr ganz weiße Kochjacke mit den charakteristischen, traditionell zweireihig angeordneten Knöpfen ist seine Uniform, die ihn von den Sendungsmachern unterscheidet. "Vinz!" - "Du, Vincent", - "Hallo Herr Klink", tönt es von mehreren Seiten gleichzeitig. Termine müssen besprochen, Ideen ausgetauscht werden. Es scheint, als würde das Berufsleben eines Fernsehkochs erst nach dem Abschalten der Studiokameras so richtig beginnen. Aber da ist noch etwas anderes, etwas, das über das rein Berufliche hinausgeht und bei näherem Hinsehen immer deutlicher wird: Klink wird geschätzt, er wird gemocht, sichtbar bildet er den Mittelpunkt. Die Menschen gehen gerne auf ihn zu, weil er gut mit Menschen umgehen kann. "Wenn meine Gäste zu mir ins Restaurant kommen", erläutert er später im Gespräch, "möchte ich, dass sie sich nicht nur wohl fühlen, sondern ein Stück Heimat finden, ankommen können."

Vincent Klink in weißer Kochjacke blickt in die Kamera. (Rechte: SWR-Pressestelle)

Stern, kein Stern, Stern - Vincent Klink bleibt gelassen

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Sternstunden

Vincent Klink ist Profi, trotzdem ist er im knallharten Geschäft der Spitzengastronomie authentisch geblieben - und das kommt rüber. Man nimmt ihm sofort ab, dass er es versteht, in seinem Restaurant Atmosphäre zu schaffen. Dies tut er bereits seit geraumer Zeit. 1974 eröffnete Vincent Klink im Alter von nur 25 Jahren zusammen mit seiner Frau in Schwäbisch Gmünd den "Postillion". Seit 1991 ist er Patron in der "Wielandshöhe" im Stuttgarter Stadtteil Degerloch. Vincent Klink steht für eine klassisch-moderne Küche mit schwäbischen und mediterranen Einflüssen. Er nennt dies die "Küche der gleichen Klimazone".

Klinks Karriere als Spitzengastronom verlief nicht immer geradlinig. 1978 prämierte der Michelin seine Küche mit einem Stern. Gut 20 Jahre später wurde ihm dieser zunächst wieder entzogen. Ein wunder Punkt? "Nein, darüber kann man reden." In Frankreich erschoss sich ein Koch sogar, weil er von einem Gourmet-Führer abgewertet wurde, und so einige Spitzenköche verfallen bei einem Sternverlust in lautes Wehklagen, weil sie sich dadurch in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht fühlen. "Da ist was dran, wenn es mir heute mit der 'Wielandshöhe' nicht so gut ginge, dann würde ich natürlich auch anders reden. Tatsache ist aber: Mein Laden läuft heute ohne Stern besser als damals mit Stern," sagte Klink 2003. Doch ganz egal kann ihm die Bewertung des Michelin-Guides wohl nicht sein? "Klar, den Stern hätte ich natürlich gerne wieder, schon allein für meine Angestellten würde mich das freuen. Aber unsere Küche ist Spitze, Stern hin oder her." 2004 erfüllte sich dann Vincent Klinks Wunsch: Für die "Wielandshöhe" erhielt er den begehrten Michelin-Stern.

Der Koch und das Buch

Das Intermezzo des verlorenen Stern hatte aber auch sein Gutes, so Klink: "Ich hatte damals andere Sachen im Kopf als das Kochen. Ich habe darüber nachgedacht, ob ich mich noch mal woandershin orientieren soll im Leben. Aber als der Stern weg war, habe ich gemerkt, wie sehr ich diesen Beruf liebe, wie sehr ihm meine Leidenschaft gilt." Dabei hat Vincent Klink noch andere Leidenschaften: Er spielt Jazz-Querflöte und schreibt für sein Leben gern - auch Texte, die sich nicht nur via Kochrezept dem kulinarischen Aspekt des Lebens nähern, sondern auch essayistisch-literarisch. Ist an Vincent Klink ein Literat verloren gegangen? "Ich lese und schreibe gerne. Ich bin in und mit Büchern großgeworden, mein Großvater war promovierter Altphilologe und mein Vater Büchersammler." Nicht zuletzt durch die Liebe zum Buch ist Klink auch sein eigener Verleger. Dem kulinarischen Manifest "Häuptling Eigener Herd" gilt sein ganzer Ehrgeiz. Geistreiche und bekannte Autoren schreiben mit spitzer Feder für Klinks "Kampfschrift", getreu nach dem Motto "Wir schnallen den Gürtel weiter". Die geschlossene Gesellschaft der zuliefernden Mitstreiter honoriert Herausgeber Klink auf originelle und doch nahe liegende Weise: mit einem Gastmahl. Für dieses traditionelle Gelage wird die "Wielandshöhe" hermetisch abgeriegelt und sage und schreibe 20 Stunden zum "Grande Bouffe", dem großen Fressen, freigegeben.

Schmecken lernen

"Ohne Hirn kein Schmack" lautet ein zentraler Leitspruch des schwäbischen Küchenmeisters. "Schmecken muss der Mensch erst lernen, genauso wie man das Sehen lernen muss oder das Lesen: Gute Malerei und gute Literatur lässt sich auch nicht einfach so erkennen, dass muss schon geübt werden." Das Sendungsbewusstsein des Gourmetkochs wirkt nicht aufgesetzt oder herablassend. Bei aller Routine und beruflicher Bodenständigkeit: Vincent Klink ist durchdrungen von einer Mission. Er möchte den Menschen den kulinarischen Sinn schärfen, sie empfänglich machen für die Kunst der göttlichen Erlesenheiten.

Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 16.12.2011
Sendung: Physik des Kochens - Experimente in Topf und Pfanne, 18.07.2011

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