Obst und Früchte des Waldes
Die Römer legten den Grundstein des heutigen Obstanbaus
Das Ursprungsland von Äpfel und Birnen ist der Kaukasus, im heutigen Kasachstan, wo immer noch Obstbaum-Urwälder wachsen. Es müssen wohl Bären gewesen sein, die auf ihrer Wanderung nach Westen für die Verbreitung der Früchte sorgten. Funde von Apfelkernen bei den Pfahlbauten am Bodensee belegen, dass es dort schon in der Steinzeit Obst gegeben haben muss. Es waren vor allem die Römer, die den Obstanbau in Europa kultivierten. In ihren Privatgärten pflanzten sie die Früchte wegen ihrer Schönheit und wegen ihres hervorragenden Geschmacks. Sie züchteten bereits die unterschiedlichsten Sorten und sorgten für ihre Verbreitung in den eroberten Gebieten. Damit war bereits der Grundstein für den heutigen Obstanbau gelegt. Der Untergang des römischen Reiches ließ jedoch die Kultivierung des Obstanbaus vorübergehend stocken.
Karl der Große erkannte wiederum den Nutzen des Obstanbaus für die Versorgung der Bevölkerung, vor allem die Vorratshaltung von getrocknetem Obst für Not- und Hungerzeiten spielte eine große Rolle. In seiner Landgüterverordnung "Capitularis de villis" aus dem 8. Jahrhundert bestimmte er, dass auf seinen Reichsgütern Obst gepflanzt werden soll. Mit der voranschreitenden Christianisierung gelangten die Früchte dann in die entlegensten Winkel Europas.
Das teure Obst zierte meist nur reiche Tafeln
Fachwissen aus den "Pelzbüchern"
Im Mittelalter waren es vor allem die Ordensleute, die in ihren ummauerten Klostergärten Äpfel und Birnen anbauten. Die Verarbeitung des Obstes zu Most wurde in den Klöstern weiter entwickelt und brachte den Orden solide Einkünfte. Im Spätmittelalter begann auch die Publikation von Büchern über den fachgerechten Obstanbau. In den "Pelzbüchern" wurden Techniken zur Veredelung der Bäume sowie Maßnahmen zur Lagerung und Haltbarmachung der Früchte beschrieben. In der Renaissance, ausgehend von Italien, kam der Verzehr der rohen Frucht nach römischen Vorbild wieder in Mode. Wie alles was teuer ist, war gerade der Konsum von Birnen zunächst einmal ein Privileg der Adligen und Vermögenden.
Streuobstwiesen entstehen
Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts wurde der Obstanbau vor allem in Gärten z.B. der Klöster oder in den ummauerten Gartenanlagen von Dörfern oder Städten betrieben. Der 30 jährige Krieg verwüstete viele Anlagen und brachte den Obstanbau fast zum Erliegen. Erst auf Initiative der unterschiedlichsten Territorialfürsten entwickelte sich wieder eine Obstbaumkultur. Die Landesherren erließen immer wieder Gesetze, die den Obstanbau förderten, zum Beispiel mussten Jungvermählte in Brandenburg unter dem großen Kurfürsten sechs neue Obstbäume pflanzen. Das widerrechtliche Abholzen von Obstbäumen stand unter der Androhung schwerer Strafen bis hin zur Enthauptung. Diese Maßnahmen veränderten auch das Landschaftsbild, Streuobstwiesen entstanden und Alleen mit Obstbäumen wurden gepflanzt.
Der professionelle Obstanbau entsteht
Ende des 19. Jahrhunderts begann man aus wirtschaftlichen Gründen der Sortenvielfalt ein Ende zu setzen. In den anwachsenden Industriestädten entwickelte sich eine große Nachfrage nach frischem Obst. Die neuen Verbrauchermärkte führten zu einem erhöhten professionellen Obstanbau. Die alten Hochstämme wurden abgeholzt und Niederstämme gepflanzt. Monokulturen entstanden. So viele alte Sorten wie noch im 19. Jahrhundert gibt es heute nicht mehr, doch entstehen an vielen Orten immer mehr private Initiativen, die sich um die Pflege, Erhaltung und Nutzung alter Obstsorten kümmern.
Sabine Kaufmann, Stand vom 01.06.2009




