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Pommade nennt man heute noch ein Gel, das verwendet wird, um der Haarfrisur Festigkeit zu verleihen. Was verstand man früher unter dem Begriff Pommade und was hat es mit Äpfeln zu tun?

Pommade ist ein mittelalterliches Kosmetikprodukt, eine Hautcreme, die vor allem in England noch sehr lange beliebt war. Die Pommade setzte sich zusammen aus Apfelfruchtfleisch, Schweineschmalz und Rosenwasser. Der Überlieferung nach soll die Hautcreme für einen zarten Teint gesorgt haben. Das Schweineschmalz brauchte man vor allem um den Duft des Rosenwassers zu binden. Eine andere Funktion von Pommade war deshalb auch, einen angenehmen Geruch zu verbreiten. Man trug sie in einem Duftdöschen mit dem Namen Pommander am Gürtel mit sich.

Was hat Muckefuck mit Chicorée zu tun?

Ein ordentliches Frühstück ohne eine Tasse Kaffee? Für viele undenkbar! Was aber, wenn sich der Arzt über den viel zu hohen Blutdruck beschwert, oder der Magen auf die Koffeindosis überreizt reagiert? Dann sollte man doch lieber darauf verzichten! Aber zum Glück gibt es Ersatz. Kaffee-Ersatz! Mit etwas Fantasie kann man seinen Gaumen damit überlisten und sein Frühstück mit dieser gesunden und reizarmen Alternative abrunden.
Den Kaffee-Ersatz (auch Surrogat genannt) gewinnt man z.B. aus Gerste, Weizen, Sojabohnen und Eicheln. Spätestens seit dem Mittelalter nahmen die Menschen auch gerne die geröstete und anschließend gemahlene Wurzel einer weit verbreiteten blau blühenden Pflanze, der "Wegwarte" (Cichorium intybus L.) dazu. Viele Namen ließen sich die Leute für das beliebte Gebräu einfallen. Die hierzulande wohl bekanntesten sind "Muckefuck" (eine eingedeutschte Variante der französischen Bezeichnung für falschen Kaffee: "mocca faux") oder "Blümchenkaffee" (weil das Blümchenmuster der Kaffeetasse durch das Getränk durchschimmerte). Hochzeiten für Ersatz-Kaffe waren stets solche, in denen der "echte" Bohnenkaffee schwer zu bekommen war, wie zum Beispiel zur Zeit von Napoleons Seehandels-Blockade mit England 1806 oder in Kriegszeiten. Aus der Pflanzenart Cichorium intybus L. wurde mit der Zeit eine spezielle Variante, die Kaffeezichorie oder Wurzelzichorie gezüchtet und kultiviert (Cichorium intybus L. var. sativum).
Was aber nun hat Chicorée mit der ganzen Geschichte zu tun? Zum ersten Mal tauchte er 1873 auf einer Agrarmesse unter dem flämischen Namen Witloof (flämisch für: Weißlaub) auf und erfreute sich seitdem wachsender Beliebtheit. Das haben wir dem Chefgärtner des Brüssler Botanischen Gartens zu verdanken. Der entdeckte nämlich im Jahr 1845 in einem dunklen Keller Zichorienwurzeln, die im Dunkeln noch einmal zu treiben begonnen hatten. Eine Kostprobe der jungen Sprosse ergab: nicht nur essbar, sondern auch noch durchaus schmackhaft - die Geburtsstunde des Chicorée! Vor allem in Frankreich, Belgien und den Niederlanden war der leicht bitter schmeckende neue Salat sehr begehrt und ist es bis heute. Und auch in Deutschland hat der Chicorée seine Fangemeinde gefunden. Chicorée (Cichorium intybus L. var. foliosum) wird heute aus einer veredelten Zuchtform der Wurzelzichorie gewonnen. Beide Sorten haben die gleiche blaublütige Pflanzenart im "Familienwappen": die Wegwarte! Vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN e.V.) wurden die Zichorienformen zum Gemüse des Jahres 2005 gewählt.

Sabine Kaufmann, Susanne Decker, Stand vom 01.06.2009

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