Genreis
Entwicklung der Gentechnologie
Genforscher Prof. Dr. Ingo Potrykus von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und Prof. Dr. Peter Beyer von der Universität Freiburg fanden einen Weg, die Vitamin-A-Vorstufe Beta-Karotin von den Reiskörnern selbst herstellen zu lassen. Dazu nutzten sie die Möglichkeiten der Gentechnik und fügten mit Hilfe mikrobiologischer Methoden dem Reisgenom zwei Gene einer Narzisse, ein weiteres aus einem Bakterium hinzu. Nach zehn Jahren Forschung und 70 Patenten war der so genannte "Goldene Reis" geschaffen. Er erhielt seinen Namen wegen seiner goldgelben Farbe.
Einstieg des Konzerns Syngenta
Als nach einigen Forschungsjahren die gemeinnützige Rockefeller Stiftung dem Projekt die finanzielle Unterstützung entzog, wurden Forschungsgelder bei der Europäischen Union beantragt und zugleich ein Finanzierungspartner aus der Industrie gesucht. Das Schweizer Unternehmen Syngenta, der größte Agrochemiekonzern der Welt, stieg in das Projekt ein und erwarb durch seine finanzielle Beteiligung zugleich die Rechte an der Patentierung und Vermarktung. Syngenta versprach, in den Fällen auf die Vermarktung des Goldenen Reis zu verzichten, in denen arme Reisbauern weniger als 10.000 Dollar jährlich erwirtschafteten. Seitdem gilt der Goldene Reis als ein Paradebeispiel für die Segnungen, die mit Hilfe des Einsatzes von Gentechnik in der Landwirtschaft der Dritten Welt erreicht werden können. In millionenschweren Werbekampagnen wurde für dieses Vorzeigeprodukt der "Grünen Gentechnik" geworben. in unseren Alltag eingeschlichen. Haben Sie zum Beispiel einen Honda in der Garage stehen? Das heißt auf Japanisch "Hauptreisfeld" . Und die Automarke Toyota heißt übersetzt "reiches Reisfeld".
Genreis im Kreuzfeuer der Kritik
Noch ist allerdings nicht klar, ob das Beta-Karotin im Reiskorn vom menschlichen Körper überhaupt aufgenommen werden kann. Nach einer Berechnung der Umweltorganisation Greenpeace - erklärte Gegnerin von Genfood - müsste eine erwachsene Frau zudem täglich ungefähr neun Kilo gekochten Goldenen Reis essen, um daraus ihren Vitamin-A-Bedarf zu stillen. Ihr Körper würde das Beta-Karotin auch nur dann in Vitamin A umwandeln, wenn ihr ausreichend Fett und Protein zur Verfügung stünden. Gerade daran aber mangelt es in ärmeren Gesellschaften. Außerdem verwendeten Potrykus und Beyer für ihre Forschungen Reispflanzen, die in kälteren Klimazonen gedeihen. Noch ist nicht klar, ob sich die genetischen Eigenschaften auch in andere Reispflanze einkreuzen lassen. So gibt es den Goldenen Reis bisher nur im Gewächshaus. Viele weitere Jahre der Erforschung im Freien sind nötig - doch die Freisetzung genmanipulierter Pflanzen ist stark umstritten. Trotzdem feiert die Gen-Industrie den Goldenen Reis als Paradebeispiel der "Grünen Gentechnik". Dabei drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass dies weniger aus humanitären Gründen, sondern vielmehr in der Hoffnung geschieht, die skeptische Grundstimmung gegenüber Genfood verringern zu können.
Alternativen zu Vitamin A aus genetisch verändertem Reis
Hunger und Mangelkrankheiten in der Welt, so die These vieler Kritiker, werden sich durch den Goldenen Reis nicht beheben lassen, liegen ihre Ursachen doch eher in Verteilungskämpfen, der Unterdrückung von Minderheiten, Kriegen, Dürren oder Flutkatastrophen. Um die Bevölkerung ausreichend mit der Vorstufe des Vitamin A - dem Beta-Karotin - zu versorgen, könnten ebenso gut grüne Gemüse, Früchte und Knollengewächse (etwa Süßkartoffeln) angebaut werden. Dazu aber müsste von der bisherigen Praxis, Reis in großem Umfang in Monokulturen anzubauen, abgewichen werden.
Rita Gudermann/Kerstin Eva Dreher, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Reis - Seine Körner ernähren Milliarden, 09.09.2008






