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Interview: Bratwurstmuseum

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Interview: Deutschlands erstes Bratwurstmuseum

Einige Lebensmittel haben den Weg ins Museum längst geschafft – zum Beispiel die Schokolade, die Kartoffel oder das Brot. 2006 ist das auch der Wurst gelungen, denn am 28. Mai wurde das erste deutsche Bratwurstmuseum im thüringischen Holzhausen in der Nähe von Erfurt eröffnet. Thomas Mäuer zählt zu den Mitbegründern. Im Interview mit Planet Wissen erzählt er von der Idee, die Bratwurst vom Grill ins Museum zu holen.

Porträt von Thomas Mäuer im historischen Kostüm (Rechte: Bratwurstmuseum Holzhausen)

Mitbegründer des Museums: Thomas Mäuer

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Planet Wissen (PW): Wie sind Sie darauf gekommen, ein Bratwurstmuseum zu eröffnen?

Thomas Mäuer (T.M.): Wie aller Anfang oft ist, beruht die Idee auf einem Zufall. Der Archivar Peter Unger stieß im Jahr 2000 bei Studien im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt auf eine Bratwurstrechnung aus dem Jahr 1404 – wohl die älteste Bratwurstrechnung der Welt. Der Probst Johann von Siebeleben hatte damals die Ausgaben für Bratwurstdärme im Rechnungsbuch des Arnstädter Jungfrauenklosters notiert. "Das muss ins Museum", dachten wir. Was dann passierte, war eine Art Kettenreaktion. Mit mehreren Leuten haben wir den Verein "Freunde der Thüringer Bratwurst" gegründet und im Mai 2006 schließlich unser Museum eröffnet.

PW: Ist Ihr Museum das erste Bratwurstmuseum Deutschlands?

T.M.: Ja, das können wir mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Wir haben beim Patentamt nachgefragt, in Museumsführern gelesen und im Internet recherchiert und sind dabei auf kein weiteres Bratwurstmuseum gestoßen.

PW: Was ist denn das Besondere an der Thüringer Bratwurst?

T.M.: Für uns Thüringer ist sie so etwas wie ein Identifikationsmittel. Jede Region ist auf ihre Produkte stolz. Unsere Thüringer Bratwurst ist ohne Frage die bekannteste – und das sicherlich nicht ohne Grund: Sie schmeckt einfach am besten.

Würste liegen auf dem Grill. (Rechte: Bratwurstmuseum Holzhausen)

Es darf probiert werden

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PW: Es gibt ja immer wieder kleine Konkurrenzkämpfe zwischen den Regionen, welche Bratwurst nun die älteste ist – die Thüringer oder doch die Fränkische. Wie ist Ihre Meinung dazu?

T.M.: Ich weiß nicht sicher, welche Bratwurst die älteste ist. Aber so viel steht fest: Wir Thüringer haben mit der Rechnung von 1404 die älteste urkundliche Erwähnung.

PW: Nun zu Ihrem Museum. Sie haben das Gebäude neu gebaut. Die Ausstellungsfläche ist mit 90 Quadratmetern nicht gerade groß. Was gibt es dort alles zu sehen – oder vielleicht sogar zu probieren?

T.M.: Stimmt, von der Fläche her gesehen, ist das Museum nicht groß, aber dafür haben wir inhaltlich viel zu bieten. Es gibt rund 400 Exponate, zum Beispiel Geräte zur Herstellung der Bratwurst. Die ältesten sind über 200 Jahre alt, das sind Handspritzen, mit denen früher die Würste abgefüllt wurden. Wir haben Bratwurstgewürze, zeigen ein Plakat mit dem Stammbaum der Schweine sowie verschiedene Bilder und Postkarten zur Darstellung der Bratwurst in der Kultur. Und was zu essen gibt es natürlich auch. Bei uns wird ständig gegrillt, so dass jeder Besucher die Thüringer Bratwurst probieren kann.

An zwei Holzwänden hängen Bilder, eine Weltkarte ist zu sehen, davor steht ein Grill. (Rechte: Bratwurstmuseum Holzhausen)

Ein Blick ins Bratwurstmuseum

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PW: Woher stammen die ganzen Exponate?

T.M.: Das sind vor allem Materialien von Privatleuten. Wir haben einen Aufruf in der Regionalpresse gestartet. Danach sind unzählige Bratwurstliebhaber auf uns zugekommen, die uns ihre Sammlungen zur Verfügung gestellt haben. Über die Resonanz waren wir selbst erstaunt. Außerdem hat uns der "Herkunftsverband Thüringer und Eichsfelder Wurst und Fleisch" unterstützt.

PW: Welches ist das kurioseste Ausstellungsstück?

T.M.: Ach, wir haben so viele kuriose Dinge. Verrückt ist zum Beispiel die Verballhornung von Geräten wie dem Kümmelspalter. Wir sammeln auch jegliche Musik, die irgendwie mit der Bratwurst zu tun hat. Uns geht es darum, das Thema mit einem Augenzwinkern zu behandeln. Wir wollen die Bratwurst nicht in ihre Atome zerlegen oder sie hochwissenschaftlich betrachten.

PW: In Ihr Museum kommen viele internationale Besucher. Sie haben Kontakt zum "Bratwurstkönig von New York", Rolf Babiel, der in der Fifth Avenue seine Würstchen verkauft. Hätten Sie gedacht, dass die Bratwurst im Ausland so populär ist?

T.M.: Ich habe es vermutet, weil Bratwurst ja bereits ein internationaler Begriff ist. Aber dass sie so verbreitet ist, war mir auch neu. 1998 hat ein Thüringer in Vietnam eine Bratwurstfabrik eröffnet und produziert im Jahr 120 Tonnen. Zu unseren Gästen zählten schon Leute aus aller Welt, aus Australien, Amerika… Das war sehr lustig, als ein Bus mit Amerikanern vorbeikam. Die wollten eigentlich den Dom in Erfurt besichtigen, aber dann haben sie unseren Prospekt gefunden und sind lieber ins Bratwurstmuseum gekommen.

Modell eines zerlegten Schweines (Rechte: Bratwurstmuseum Holzhausen)

Vom Schwein zur Wurst

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PW: Wie ist Ihre persönliche Beziehung zur Bratwurst? Sind Sie vielleicht Metzger von Beruf?

T.M (lacht).: Nein, überhaupt nicht. Ich betreibe eine Gaststätte. Die Bratwurst ist nur mein Hobby. So geht es den meisten Leuten aus unserem Verein. Wir sind alle nebenbei berufstätig, daher haben wir auch nur eingeschränkte Öffnungszeiten für unser Museum. Aber dafür ist die Resonanz sehr gut. Wir sind stolz auf unser Bratwurstmuseum – nicht nur, weil es das erste ist, sondern weil wir es auch ganz ohne öffentliche Förderung gegründet haben.

Interview: Kathrin Schamoni, Stand vom 22.09.2006

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