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Zucker

Die Geschichte des Zuckers ist über Jahrtausende eine Geschichte des Zuckerrohrs. Erst vor gut 200 Jahren wird die Zuckerrübe zum ernstzunehmenden Konkurrenten des süßen Rohrs. Für die Zuckerrohr-Anbauländer, die vorwiegend in Lateinamerika liegen, ist das eine wirtschaftliche Katastrophe. Denn Zucker ist bis dahin ein rares Gut, das in Gold aufgewogen wird. Kein Wunder, dass Zucker zu einem der ersten industriell hergestellten Welthandelsgüter wird.

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Die Geschichte des Zuckers (4'13'')
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Frühgeschichte

Die ursprüngliche Heimat des Zuckerrohrs liegt in der pazifischen Inselwelt Melanesiens. Schon vor mehr als 10.000 Jahren nahmen die Bewohner der kleinen Inseln die Pflanze mit auf Reisen. Von dort aus gelangte das Zuckerrohr nach Neuguinea, die Philippinen, Indien und Persien. Die Perser entwickelten um 600 nach Christus eine interessante Methode der Zuckergewinnung, deren Form bis heute erhalten ist. Sie gaben den heißen Zuckerrohrsaft in ein umgedrehtes, kegelförmiges Gefäß mit einem Loch in der Spitze. Durch diese Spitze lief der nicht zuckerhaltige Sirup ab, während im Kegel der Zucker auskristallisierte. Nun drehte man den Kegel um, aus dem ein Zuckerhut heraus fiel.

In der Folgezeit breitete sich das Zuckerrohr mit arabischen Eroberungen aus. Schon um 800 nach Christus wurde Zuckerrohr in den von den Arabern eroberten Gebieten auf Sizilien, Malta oder in Spanien angebaut. Mit den Kreuzrittern, die im  11. Jahrhundert aus dem Nahen Osten zurückkkehrten, wurde Zucker auch in Mittel- und Nordeuropa bekannt, wo er sich bei Königen und Fürsten schnell großer Beliebtheit erfreute.

Schwarzweiß-Stich: Hunderte Sklaven dicht zusammengedrängt an Deck eines Schiffes. (Rechte: AKG)

Unmenschliche Bedingungen auf den Sklavenschiffen

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Das Zuckerrohr in Lateinamerika

Schon bei seiner zweiten Amerika-Reise 1493 bis 1496 führte Christoph Kolumbus das Zuckerrohr in der Karibik ein. Er wusste, dass die klimatischen Bedingungen dort für den Zuckerrohranbau nahezu perfekt sind. Schnell lief das Geschäft mit dem "süßen Gold" an. So schnell, dass bereits 1503 erste Sklaven zur Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen nach Lateinamerika gebracht wurden, um die europäische Nachfrage befriedigen zu können.

Unter der Führung Großbritanniens, neben Spanien und Portugal die dritte große Kolonialmacht in Amerika, entwickelte sich zwischen 1600 und 1700 der berüchtigte transatlantische Dreieckshandel. Von Lateinamerika aus wurden vor allem Zucker, Tabak und Gold nach Europa verschifft. In Europa wurden diese Waren entladen und mit gutem Gewinn verkauft. Dann wurden auf die gleichen Schiffe Waren für den afrikanischen Kontinent, vor allem Waffen, Branntwein und Baumwollstoffe geladen und an die westafrikanische Küste geschickt. Nach dem Entladen und Verkaufen dieser Waren an die afrikanischen Herrscher, belud man dort die Schiffe schließlich mit einer ganz besonderen "Ware": Sklaven. Ein großer Teil der Sklaven überstand die Reise über den atlantischen Ozean nicht. Trotzdem lohnten sich die Transporte. Die überlebenden Sklaven wurden ebenfalls mit gutem Gewinn an die Plantagenbesitzer verkauft. Ein perfekter Handel mit großen Gewinnmargen und voller Ausnutzung der Transportwege.

Zuckerrohrernte in Südamerika, Farblithographie um 1880. (Rechte: AKG)

Sklaven bei der Zuckerrohrernte

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Harter Alltag auf den Plantagen

Die Arbeitszeiten der Überlebenden betrugen bis zu 18 Stunden täglich. Die Verpflegung ließ zu wünschen übrig und viele Sklaven starben in den ersten Monaten nach der Ankunft an Unterernährung oder Mangelerscheinungen. Für die Plantagenbesitzer ein reines Rechenexempel: Gute Verpflegung für die Arbeiter war teurer als regelmäßig neue Sklaven zu kaufen.

Den Zuckerkonsumenten in Europa war das egal. Durch die billige Herstellung fiel der Zuckerpreis, der Zucker konnte das traditionelle Süßungsmittel Honig aus der Küche verdrängen. Mit den neuen, ebenfalls aus den Kolonien stammenden Heißgetränken Tee, Kaffee und Kakao, die mit Zucker gesüßt werden müssen, und mit immer neuen kulinarischen Erfindungen wie kandierten Früchten, Marzipan, Limonade, Likör, Pralinés oder Speiseeis wurde der Zuckermarkt immer größer und profitabler. Die Zukunft des Zuckers aus Zuckerrohr schien gesichert.

Zeichnung: Gegenüberstellung von Rohr- und Rübenzuckeranbau. (Rechte: AKG)

Franz Carl Achard führte den Zuckerrübenanbau ein

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Die Zuckerrübe kommt

1747 entdeckte der deutsche Chemiker Andreas Sigismund Marggraf, dass die Runkelrübe, von der man zu dieser Zeit vor allem die Blätter verzehrte, den gleichen Zucker enthält wie das Zuckerrohr. Allerdings war der Zuckergehalt der Runkelrübe zu gering, um daraus Zucker herstellen zu können. Sein Schüler Franz Carl Achard züchtete aus der Runkelrübe dann die Zuckerrübe. Nun lohnte sich auch die Zuckerherstellung aus der Rübe.

1802 entstand die erste Zuckerrübenfabrik im unterschlesischen Cunern. Aber noch wurde vor allem der aus Zuckerrohr gewonnene Zucker in Europa konsumiert. Das änderte sich erst mit der Blockade der englischen Handelswege durch Napoleon Bonaparte. Schon 1806 gab es deshalb kaum mehr Zucker aus Zuckerrohr in den europäischen Handelshäusern. Deshalb ließ Napoleon weitere Zuckerrübenfabriken bauen und veranlasste den Anbau von Zuckerrüben im großen Stil. Die europäische Zuckerindustrie entstand. Bis heute wird der Bedarf an Zucker in Europa vor allem aus Zuckerrüben gestillt.

Melanie Jost, Stand vom 23.11.2011
Sendung: Zucker - Die ewig süße Versuchung, 25.11.2011

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