Dr. Lupold von Lehsten
Die Spur führt nach Bensheim
Jeden Ahnenforscher führt irgendwann die Spurensuche in eine malerische Kleinstadt – nach Bensheim. Hier arbeitet Dr. Lupold von Lehsten seit vielen Jahren am "Institut für Personengeschichte", ein Paradies für Genealogen. In den ehemaligen Tresorräumen der örtlichen Sparkasse verwahrt der studierte Historiker Nachlässe bekannter und unbekannter Familien, sammelt historische Dokumente und schier unzählige Nachschlagewerke über Orts- oder Familiennamen. Damit der Nachwelt jedes wichtige Detail über die Vergangenheit erhalten bleibt, scheut von Lehsten keine Mühen: "Ich habe auch schon mal in der Mülltonne gewühlt, um einen entsorgten Nachlass herauszufischen," grinst er und zieht die rechte Augenbraue hoch.
Mittlerweile gibt es in Bensheim eine der größten Sammlung zum Thema Familiengeschichte im deutschen Sprachraum. Das hat sich herumgesprochen. Eine Boulevardzeitung ruft an, um zu erfahren, wie die Verwandtschaftsbeziehungen im englischen Königshaus sind. Andere wollen wissen, ob sie von Karl dem Großen abstammen.
Dr. Lupold von Lehsten
Die DNA ist uninteressant
Es kommen auch Leute, die einen Vaterschaftstest machen wollen, doch die muss von Lehsten an andere Stelle verweisen. "Als Historiker interessiert mich die DNA überhaupt nicht," meint er. "Mich interessiert das Bewusstsein der Person, ob jemand glaubt, dass er mit jemandem verwandt ist - nicht ob er es tatsächlich ist." Die genetische Frage hält er in vielen Fällen für eine Ideologie. Schließlich sind die sozialen Umstände, in denen jemand aufwächst, prägender als die Gene. Diese Auffassung teilt er übrigens mit vielen anderen Familienforschern. Von Lehsten geht es auch nicht darum, einen Stammbaum möglichst weit zurück zu verfolgen: "Ich halte es für viel interessanter, etwas über die Lebensumstände und über den Charakter der Menschen zu erfahren, als zu sagen: Ich bin bis ins 11. Jahrhundert gekommen."
Spannung wie in einem Krimi
Wenn es jemandem gelingt, beides miteinander zu verbinden – umso besser. Eine Autorin, die in Bensheim recherchierte, hatte ihre Kölner Vorfahren bis ins frühe Mittelalter zurückverfolgt. Sie hatte so lange recherchiert und so viel Wissen zusammengetragen, dass von Lehsten ihr vorschlug, einen Roman darüber zu schreiben. So entstand die Story für die Familiensaga "Der Kaufmann von Köln". Der Held ist ein Vorfahr der Autorin: Constantin, ein junger Jude, dessen Eltern bei einem Pogrom getötet werden – eine wahre Begebenheit aus dem 11. Jahrhundert.
Keine Frage – die Spurensuche in der Vergangenheit ist oft schockierend und manchmal spannend wie ein Krimi. Von Lehsten bedauert nur, dass die Genealogie noch immer den Status einer historischen Hilfswissenschaft hat. Das gestiegene Interesse an der Ahnenforschung kann er aber zu seiner Freude bestätigen. Immer mehr Leute kommen in sein "Institut für Personengeschichte" und fragen nach: "Wie macht man das eigentlich, nach seinen Ahnen zu forschen?" An Tipps und Ratschlägen zu diesem Thema fehlt es dem Familiengeschichtsforscher nie.
Claudia Heidenfelder, Stand vom 01.06.2009





