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Interview: Mütterzentren

Durchwachte Nächte, Zweijährige mit Wutanfällen, wunder Po beim Wickelkind - der Alltag von Müttern ist längst nicht so rosig, wie es in Werbung und Vorabend-Fernsehserien oft den Anschein hat. Wenn die Familie dann auch noch umzieht und sich die Mutter fern von Großeltern, alten Freundinnen und Job mit ihrem Kleinkind in einer neuen Stadt zurechtfinden muss, kann das schnell zu einem Gefühl von Einsamkeit führen. In Lebenssituationen wie diesen können Mütterzentren eine hilfreiche Anlaufstelle sein. Planet Wissen sprach mit Dr. Eva Sowa, Geschäftsführerin im "Landesverband der Mütterzentren NRW".

Das Foto zeigt einen freundlich eingerichteten Raum mit hellen Holztischen. Darum gruppieren sich Frauen, die sich unterhalten. (Rechte: WDR/Lüdeke)

Im Café des Mütterzentrums Dortmund

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Planet Wissen (PW): Warum braucht man Mütterzentren?

Dr. Eva Sowa (E.S.): Wenn heute in Deutschland ein Kind geboren wird, bleibt in der Regel im Anschluss die Frau erst mal mit ihm zu Hause und ist dort allein. Der familiäre Zusammenhalt ist nicht mehr wie früher in den Großfamilien. Kontakte aus dem Berufsleben brechen oft weg. Wieder andere Kontakte lassen sich mit einem kleinen Kind nicht aufrechterhalten. Dadurch sind die Frauen schnell isoliert.

Zu sehen ist ein Porträtfoto einer Frau mit glattem, grau meliertem Haar. (Rechte: WDR/Lüdeke)

Dr. Eva Sowa

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PW: Wie kann das Mütterzentrum dem begegnen?

E.S.: Hierher können die Frauen kommen, wann sie wollen. Die meisten haben Babys oder Kleinkinder vor dem Kindergartenalter. Es gibt keine festgeschriebenen Zeiten und keine Anmeldung; die Hürde, das Angebot wahrzunehmen, ist also sehr niedrig. Die Kinder gehören auf jeden Fall dazu, sie müssen nicht weggegeben werden, wenn man sich hier aufhalten will. Der zentrale Ort in jedem Mütterzentrum ist das Café, in dem sich die Mütter zum Quatschen treffen. Da tauschen sie sich aus: Wie machst du das, wenn dein Kind wund ist, wie reagierst du in der Trotzphase, solche Sachen. Und das Kinderzimmer ist direkt daneben, meist offen zum Cafébereich. Dort ist immer jemand, der auf die Kinder aufpasst. So können sie schon früh Gemeinschaft mit anderen Kindern erleben, ohne vollkommen von der Mutter getrennt zu sein. Und die Mutter kann einfach mal durchatmen, ohne dass sie immer die Kinder am Bein hat.

PW: Wie läuft das organisatorisch?

E.S.: Grundidee bei den Mütterzentren war das ehrenamtliche Engagement auf der Basis der individuellen Fähigkeiten der Frauen. Sie kommen ja nicht ganz und gar ahnungslos, sondern jede bringt ihren Background mit, unter anderem auch aus dem Beruf, den sie vorher ausgeübt hat. Und diese Kenntnisse kann sie in das Mütterzentrum einbringen, wenn sie möchte. Die Mütter sind sozusagen Expertinnen in eigener Sache.

PW: Wie sieht das dann in der Praxis aus?

E.S.: Eine Mutter kann vielleicht gut Waffeln backen und kocht gern, die hilft dann beim Cafébetrieb. Eine andere denkt, man sollte unbedingt einen Gesprächskreis für Drillingseltern anbieten, und die organisiert dann einen. Die nächste ist vielleicht Steuerberaterin und übernimmt Aufgaben im finanziellen Bereich.

Drei Kleinkinder spielen am Boden in einem großzügigen Spielzimmer mit rotem Teppich. Eine Frau sitzt daneben und sieht zu. (Rechte: WDR/Lüdeke)

Im Spielzimmer werden die Kinder betreut

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PW: Trotzdem - man braucht doch immer noch Räumlichkeiten, Strom und ähnliches. Wer kommt dafür auf?

E.S.: Das ist je nach Bundesland unterschiedlich. In NRW erhalten nur wir vom Landesverband der Mütterzentren finanzielle Unterstützung vom Land, der eigentliche Unterhalt der Mütterzentren ist eine freiwillige Leistung der Kommunen. Und nicht alle Kommunen wollen oder können das finanzieren, auch wenn man bei Mütterzentren für einen relativ geringen finanziellen Aufwand durch das hohe ehrenamtliche Engagement eigentlich recht viel bekommt. In einigen anderen Bundesländern läuft das deshalb auch anders, da bekommen die Mütterzentren direkt Geld vom Land.

PW: Eigentlich wollen wir doch mehr Gleichberechtigung. Ist ein Zentrum für Mütter da heute überhaupt noch gefragt?

E.S.: Auf jeden Fall. Aber die Mütterzentren wandeln sich langsam immer mehr zu Familienzentren. Zum einen kommen in den letzten Jahren immer mehr auch die Väter oder auch Großeltern. Zum anderen ist das Mütterzentrum ein Ort, mit dem wir durch seine offenen Angebote auch Menschen in kritischen Lebenssituationen gut erreichen können, zum Beispiel Teenagermütter oder Menschen in schwierigen sozialen Verhältnissen. Wenn zu denen jemand vom Jugendamt kommt, machen sie eher dicht, für uns ist das viel leichter. Diesen Vorteil hat inzwischen auch die Politik erkannt und greift gern auf die bestehenden Strukturen der Mütterzentren zurück.

Interview: Christina Lüdeke, Stand vom 11.04.2008

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