Kurzporträts: Berühmte Schwesternpaare
Serena und Venus Williams - gegeneinander an die Tennis-Weltspitze
Der Versuch, die beiden Williams-Schwestern einzeln zu porträtieren, wäre schwierig. Zwar stehen sie zumindest im Einzel jede für sich auf dem Tennisplatz, aber oft genug spielen sie gegeneinander um die Titel - und zwar nicht um irgendwelche, sondern um die wichtigsten Titel des Damentennis. US Open, French Open, Wimbledon, Australian Open, Grand Slam-Titel, olympisches Gold - Venus und Serena Williams haben alles erreicht. Mal siegt die eine, mal die andere Schwester. Neben ihrem Siegeswillen ist für die beiden typisch: sagenhaft knappe Tenniskleidung und immer wieder wechselnde Frisuren, gern auch Rastazöpfe mit bunten Perlen.
Serena wird am 26. September 1981 geboren, ihre Schwester Venus ist 15 Monate älter. Insgesamt fünf Töchter haben die Williams-Eltern und sie geben allen ihren Mädchen gezielt von klein auf Tennisunterricht - in der Hoffnung, dass eines der Kinder erfolgreich wird. Umso größer die Freude, als gleich zwei Töchter es ins Profilager schaffen. Anfangs sorgt ihr Vater, der gleichzeitig auch ihr Manager ist, noch dafür, dass die Mädchen nicht gegeneinander spielen müssen. Das lässt sich dann, als die beiden von 1999 an die Damen-Weltspitze dominieren, nicht mehr verhindern. Erstaunlich, wie entspannt die beiden Gegnerinnen zumindest in der Öffentlichkeit wirken. Wenn Venus gegen ihre jüngere Schwester verliert, fotografiert sie lachend die Siegerin. Verliert Serena, berichtet diese ganz locker den fragenden Reportern über die unschlagbaren Stärken ihrer Schwester.
Werden sie auf die Konkurrenz als Schwestern angesprochen, betonen beide immer wieder, dass sie extrem gern gegeneinander spielen, aber nur auf dem Platz erbitterte Konkurrentinnen seien. Im Leben wüssten sie, dass es wichtigeres als Tennis gäbe, nämlich die Familie und die Religion - und das scheint die Williams-Zauberformel zu sein.
Gitti und Erika - ihre Welt ist die Bühne
Seit rund drei Jahrzehnten sind die Schwestern Gitti und Erika erfolgreich mit deutscher Volksmusik. Ihr großer Durchbruch ist 1977/78 der Hit "Heidi" zur gleichnamigen Fernsehserie. Noch heute kann fast jeder wenigstens den Refrain mitsummen. Die ältere Schwester Erika beginnt schon als Teenager, ihre Schwester Gitti zum Singen zu animieren. Auch später ist zunächst immer Erika als "typisch ältere Schwester" die treibende Kraft. Als die Karriere nach "Heidi" dann so richtig beginnt, zieht sich Erika aber zurück. Sie will sich mehr dem Privatleben widmen. Eine schwere Zeit für Gitti, denn als Solistin ist plötzlich keiner mehr an ihr interessiert. Zudem erkrankt sie schwer an Multiple Sklerose. Die linke Körperseite ist gelähmt - genau die Seite, an der sonst immer die ältere Schwester gestanden hat.
Mit großer Zähigkeit und Ausdauer überwindet Gitti ihre Krankheit, beginnt eine Ausbildung als Verkäuferin, kümmert sich um ihre Gesundheit und beginnt schließlich mit einer anderen Sängerin, die sie in Erinnerung an die alten Zeiten "Erika" nennt, ein Comeback - erfolgreich. Und dieser Erfolg macht auch endlich der "echten" Erika wieder Lust auf die Bühne: Das Geschwisterpaar findet Ende der 80er Jahre wieder zusammen. Seither sind die beiden musikalisch und auf der Bühne unzertrennlich. Richtig schlimme Streits oder Rivalitäten kennen die beiden nach eigener Aussage nicht. Gestritten wird aber schon, zum Beispiel über Details der Reiseplanungen, die Anzahl der Auftritte oder das Bühnen-Outfit. Das seien aber Lappalien, wie beide betonen.
Katja und Susanne Riemann - die Entfernung verbindet
Als Katja Riemann geboren wird, ist die ältere Schwester Susanne bereits elf Jahre alt. Susanne findet Katja süß wie eine Puppe und kümmert sich von Anfang an liebevoll um die kleine Schwester. Katja findet von klein auf viel Sicherheit und Geborgenheit bei Susanne. Aufgrund des großen Altersabstandes kommt es bei den beiden Schwestern nie zu direktem Vergleich, Rivalität und Neid. Susanne zieht bereits mit 16 Jahren von zu Hause aus und beginnt ein eigenes Leben. Zunächst mit einer Sportausbildung, später dann als Künstlerin. Aber der Kontakt zu ihrer Schwester Katja reißt nie ab. Die beiden schreiben sich Briefe, ein-, zweimal die Woche. Der Altersunterschied stört sie nie. Das regelmäßige Briefeschreiben ist bis heute für beide ein wichtiges Ritual.
Beide Schwestern beschreiben ihre Verbindung stets als sehr innig und liebevoll. Katja wird eine erfolgreiche Schauspielerin und Susanne eine bekannte Künstlerin. Weil beide sich so gut verstehen, beginnen sie auch gemeinsame Projekte: Kinderbücher. "Der Name der Sonne" wird 1999 zum meistverkauften Kinderbuch des Jahres. Katja schreibt, Susanne illustriert. Katja sitzt häufig Modell für Susanne und es entsteht eine Ausstellung ausschließlich mit Katja-Porträts. Wenn die Riemann-Schwestern gefragt werden, ob sie sich nicht auch mal streiten, dann versichern beide, wie sehr sie die Zeit miteinander genießen und dass sie lieber kreativ rumspinnen als zu streiten. Obwohl der Altersabstand, die räumliche Trennung und die unterschiedlichen Lebensbereiche für eine große Entfernung zwischen den beiden sorgen, empfinden sie eine unvergleichliche Vertrautheit zueinander. Ebenso fühlen und kennen sie die große Verletzlichkeit, die oft so bezeichnend für Schwestern ist. Ihre Beziehung empfinden die Riemann-Schwestern intensiver und anders als eine Freundschaft. Eine Erklärung ist für sie, dass die Schwester auf ewig verbunden bleibt - ob man will oder nicht. Katja beschreibt diese Beziehung als "verbriefte lebenslange Garantie auf Liebe".
Marika Liebsch, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Schwestern: Geliebte Rivalinnen, 29.12.2005








