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Schwestern - Eine Beziehung fürs Leben

Sie sind beste Freundinnen oder erbitterte Feindinnen und manchmal sogar beides zugleich. Eine ganz besondere, tiefe, aber oft auch schwierige Liebe verbindet Schwestern. Wer keine hat, wünscht sich eine, wer eine hat, würde sie manchmal liebend gerne in die Wüste schicken.

Zwei kleine Mädchen spielen einträchtig im Gras. (Rechte: ZB/Pleul)

Nicht immer geht es so harmonisch zu

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Geliebte Rivalinnen

Freundschaften werden freiwillig geschlossen, eine Schwester wird nicht gewählt, sie ist Schicksal. Viele Schwestern verstehen sich ihr Leben lang gut, manche werden gar gemeinsam berühmt, doch mindestens ebenso viele Schwestern sind erbitterte Rivalinnen und haben jeden Kontakt zueinander abgebrochen. Bezeichnend für die Beziehung von Schwestern ist, dass widersprüchlichste Gefühle - Liebe und Hass, Eifersucht, Solidarität und Rivalität - untrennbar verknüpft sind. Dieses komplexe Gefühlsgeflecht hält Schwestern in der Regel ein Leben lang in gegenseitigem Bann. Selbst wenn sie jeden äußeren Kontakt abgebrochen haben, so bleiben sie doch emotional und seelisch miteinander verbunden, ob sie wollen oder nicht. Das gleiche Blut, die große physische und psychische Nähe sowie die genetisch bedingte Ähnlichkeit verbinden Schwestern für immer und bedingen eine ganz besondere und prägende Beziehung, die in der neueren Familienforschung auch immer mehr Psychologen und Pädagogen beschäftigt.

Zwei Schwestern begutachten sich selbst und die jeweils andere im Spiegel. (Rechte: WDR)

Schwestern vergleichen sich von klein auf miteinander.

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Plötzlich ist der Thron weg

Die Beziehung zwischen Schwestern ist deshalb so intensiv und prägend, weil der Beginn dieser besonderen Beziehung zu den ersten und einschneidensten Erlebnissen des Kindes gehört. Hatte das Mädchen bis zur Geburt der Schwester die Aufmerksamkeit der Eltern alleine für sich, gibt es plötzlich ein noch kleineres, hilfloseres Wesen, welches als Neuling scheinbar die ganze Aufmerksamkeit der Eltern, insbesondere der Mutter, beansprucht. Psychologen sprechen vom "Entthronisierungstrauma". Das gilt für alle Geschwister. Wenn aber der Neuling ebenso wie das erste Kind ein Mädchen ist, dann gibt es nun noch ein direkt vergleichbares Wesen. Eine schwierige Erfahrung für das Erstgeborene. Manche Kinder reagieren mit psychosomatischen Störungen wie zum Beispiel Bettnässen oder werden plötzlich selbst wieder zu einem Baby, das aus der Flasche trinken will. Pädagogen raten Eltern, sich in diesen Phasen besonders liebevoll um das ältere Kind zu kümmern, damit es sich nicht vernachlässigt fühlt. Das erstgeborene Kind benötigt einige Zeit, bis es sich daran gewöhnt hat, dass von nun an immer ein vergleichbares Wesen zu seinem Leben gehört.

Zwei Mädchen sitzen an einem Tisch mit zwei Computern. (Rechte: dpa)

Harmonie oder die Ruhe vor dem Sturm?

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Morgens Hass, abends Liebe

Schwestern wachsen von den ersten Lebensjahren an in dem gleichen "Nest" auf. Das bedeutet, sie teilen und vergleichen sich von klein auf miteinander. Je geringer der Altersabstand, desto intensiver dieser Vergleich. Diese unausweichliche Nähe führt in vielen Fällen zu einem tiefen Verständnis füreinander und einer innigen Liebe. Gleichzeitig wissen Schwestern gegenseitig um ihre schwachen Stellen und wunden Punkte wie kein anderer Mensch. So können sie sich gegenseitig so treffsicher verletzen wie niemand sonst. Und diese Möglichkeiten schöpfen sie manchmal geschickt aus. So geschickt, dass Eltern und Freunde die Komplexität und Tiefe der Streits oft nicht nachvollziehen können. Genauso schnell kann der Streit aber auch wieder umschlagen in das allergrößte Verständnis füreinander. Manchmal braucht ein solcher Gefühlswechsel nur wenige Minuten. Ist eine der Schwestern in Not oder hat ein großes Problem, so sind Streit, Wut, Rivalität schnell vergessen und die eine lässt für die andere alles stehen und liegen. Für Familie und Freunde sind diese intensiven und schnellen Gefühlswechsel zwischen Schwestern eine Herausforderung und oft nur schwer nachvollziehbar. Genau dieses komplexe Gefühlssystem ist charakteristisch für Schwestern.

Drei Mädchen lachen bei der Fahrt mit Schlitten im Schnee. (Rechte: WDR)

Heute werden Freunde oft zu Ersatzgeschwistern

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Geteilte Freude, geteiltes Leid

Geteilte Freude ist doppelte Freude und geteiltes Leid ist halbes Leid. Die Wahrheit dieses Satzes erfahren Geschwister früher und intensiver als Einzelkinder. Gerade Schwestern erleben von Kindheit an die intensive Bindung zueinander. Das prägt sie nach Ansicht vieler Psychologen oft sogar für ihre späteren Liebesbeziehungen. So sind Schwestern einerseits sehr beziehungsfähig und beziehungsorientiert. Auf der anderen Seite suchen sie oft nach der gleichen innigen Verschmelzung mit dem Partner, die sie von der Schwesternbeziehung kennen. Dies kann in der Liebesbeziehung auch zu Problemen führen: Frauen mit intensiver Schwesternbeziehung leiden auch häufig unter großen Verlustängsten. Konzentriert sich die erste kindliche Liebeserfahrung auf die Schwester, findet meistens ein früher intensiver Abnabelungsprozess statt, der Verlustängste bewirken kann, die bis ins hohe Alter in Partnerschaften getragen werden können. Diese Erkenntnis hat zur Folge, dass bei Paartherapien inzwischen oft intensiv die Geschwisterbeziehungen beleuchtet werden.

Doch das wird sich vermutlich wieder ändern: Mittlerweile gibt es hauptsächlich Ein-Kind-Familien, und dadurch entwickelt sich eine neue Kultur, in der Geschwisterrollen vermutlich eine geringere Bedeutung einnehmen. Patchwork-Familien, allein erziehende Eltern und Lebensgemeinschaften unterschiedlichster Art prägen die Kinder von heute mehr als Geschwister.

Marika Liebsch, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Schwestern: Geliebte Rivalinnen, 29.12.2005

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