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Alice Schwarzer

Sie brachte Frauen auf die Straße, Männer in Rage und Ehen auseinander. Sie stritt gegen das Abtreibungsverbot und für ein Verbot von Pornographie, schrieb Bestseller, gründete die Zeitschrift "Emma". Alice Schwarzer ist die bekannteste deutsche Feministin und sorgt auch heute noch immer mal wieder für Aufsehen.

Alice Schwarzer guckt nachdenklich. (Rechte: dpa)

Deutschlands bekannteste Feministin

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Paris-Berlin

Alice Schwarzer wurde 1942 in Wuppertal geboren, machte eine kaufmännische Lehre, ging dann nach Paris, lernte Französisch und bewarb sich schließlich um ein Volontariat bei den "Düsseldorfer Nachrichten". Von da an war und blieb sie Journalistin. 1970 kehrte sie nach Paris zurück und geriet mitten in den Wirbelsturm, den die französische Frauenbewegung (MLF "Mouvement de Liberation des Femmes", "Frauenbefreiungsbewegung") auslöste. Von da an war sie auch und vor allem Feministin. Was in Frankreich so viele Frauen bewegt, das muss auch in der Bundesrepublik zünden, dachte sie, und suchte in Berlin und anderen deutschen Städten nach Kampfgefährtinnen.

Titelbild der Zeitschrift Stern mit den Fotos von gut 30 Frauen. Darüber der Schriftzug 'Wir haben abgetrieben'. (Rechte: AKG)

Der "Stern"-Titel sorgte für Aufsehen

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"Ich habe abgetrieben"

1970 erklärten 343 Französinnen öffentlich: "Ich habe abgetrieben. Und ich fordere dieses Recht für jede Frau." Alice Schwarzer wollte dasselbe auch für die Bundesrepublik erreichen. Sie gewann die Zeitschrift "Stern" für die gewagte Aktion. Und sie fand 374 prominente und unbekannte Frauen, die bereit waren, sich zu einer Abtreibung zu bekennen. Was auch hieß: Sie gaben zu, dass sie gegen geltendes Recht verstoßen hatten. Und dafür musste man schon sehr mutig sein. Am 6. Juni 1971 erschien das Heft. Nun engagierten sich immer mehr Frauen im Kampf gegen den Paragraphen 218, der sie dazu zwang, heimlich und unter fragwürdigen Umständen abzutreiben.

In einer gemeinsamen Aktion demonstrierten am 9. März 1974 Hunderttausende Frauen von Kiel bis Konstanz gegen den Paragraphen 218. Eine der Initiatorinnen war - Alice Schwarzer. Im Mai desselben Jahres sollte in der Fernsehsendung "Panorama" ein Beitrag von Alice Schwarzer über die Absaugmethode laufen. Die hatten amerikanische Ärzte erfunden, um Frauen bei einem Schwangerschaftsabbruch die schmerzhafte Ausschabung zu ersparen. In letzter Minute wurde der Beitrag von den höchsten ARD-Chefs gekippt. "Panorama"-Leiter Peter Merseburger sendete daraufhin 45 Minuten lang ein leeres Studio. Der Skandal war perfekt.

Alice Schwarzer diskutiert mit erhobenem Zeigefinger in einer Fernsehsendung mit Uschi Glas. (Rechte: dpa)

Mit streitbaren Auftritten machte Alice Schwarzer Furore

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Der kleine Unterschied

1974 erschien ein Buch mit dem Titel "Der dressierte Mann". Die Autorin, Esther Vilar, tingelte durch die Fernsehprogramme und verkündete: Frauen sind dumm, sie beuten die Männer schamlos aus und machen sich auf deren Kosten ein bequemes Leben. Das war ganz nach dem Geschmack vieler Männer, die sich über die radikalen Forderungen der Feministinnen ärgerten. Aber dann lieferte sich Alice Schwarzer im WDR-Fernsehen ein Duell mit Esther Vilar, in dem Schwarzer die Autorin sehr aggressiv verbal attackierte.

Seither war sie die bekannteste Feministin des Landes - aber auch die meistgehasste. Sie wurde als "Hexe mit dem stechenden Blick" verunglimpft und als "Schwanz-ab-Schwarzer" beschimpft. Im Herbst 1975 erschien Alice Schwarzers Buch "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen". Darin geht es um die Bedeutung von Liebe und Sexualität im Leben von Frauen. Und es wurden darin Dinge ausgesprochen, über die bisher schamhaftes Stillschweigen geherrscht hatte. Das Buch wurde ein Riesenerfolg. Und plötzlich diskutierten auch "ganz normale" Frauen, die nicht ins Frauenzentrum gingen, über weibliche Frigidität und den weiblichen Orgasmus.

Alice Schwarzer steht vor einer Bilderwand, auf der mehrere Titel der Zeitschrift Emma zu sehen sind. (Rechte: dpa)

Seit 1977 gibt Alice Schwarzer "Emma" heraus

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Emma

1976 gründete Alice Schwarzer die Zeitschrift "Emma". In "Emma" lancierte sie mehrere Kampagnen, zum Beispiel gegen frauenverachtende Titelbilder der Zeitschrift "Stern" und gegen Pornographie. Sie gründete ein feministisches Archiv, schrieb mehrere Bücher, nahm an zahlreichen Talkshows teil und hatte sogar eine Zeitlang eine eigene. Als bekannteste Feministin Deutschlands ging sie in die Schulbücher und in die Zeitgeschichte ein. Sie blieb aber auch nicht unumstritten. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitstreiterinnen warfen ihr einen autoritären und selbstherrlichen Führungsstil vor. Frauengruppen, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit engagieren, beschuldigten sie sogar des Rassismus. 1996 bekam sie das Bundesverdienstkreuz verliehen. Zu ihrem 60. Geburtstag im Dezember 2002 gratulierten ihr unter anderem Bundespräsident Johannes Rau, Umweltministerin Renate Künast und CDU-Chefin Angela Merkel.

Ingrid Strobl, Stand vom 22.08.2011

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