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Jörg Knör - Der Mann mit den vielen Gesichtern

Der Begriff Multitalent wird in der heutigen Medienlandschaft oft inflationär gebraucht. Doch auf Jörg Knör trifft diese Bezeichnung uneingeschränkt zu. Der Kabarettist spielt in seinen Shows Saxofon, singt, zeichnet und parodiert Prominente. Besonders sein Talent als Stimmenimitator machte Knör berühmt. Dabei entdeckte er seine Fähigkeit, in die Haut eines anderen zu schlüpfen, nur zufällig.

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Knörs erstes "Opfer": Rudi Carrell

Jörg Knör steht im dunklen Anzug und Krawatte auf der Bühne. In der Hand hält er eine Zeichnung von Angela Merkel mit Heiligenschein. Plötzlich geht eine Verwandlung durch den Entertainer. Knör blinzelt, befeuchtet die Lippen mit der Zunge und spricht mit der so charakteristischen Stimme von Altkanzler Helmut Kohl: "Mit der Merkel ist es wie mit der Wahrheit. Ungeschminkt ist sie einfach nicht zu ertragen." Das Publikum lacht noch, als Knör sich schon in den nächsten Prominenten verwandelt.

Jörg Knör steht im Anzug auf der Bühne, vor sich ein Mikrofon. In der linken Hand hält er eine Porträtzeichnung von Angela Merkel, unter der 'St. Angela' steht. (Rechte: Jörg Knör)

Vor Jörg Knör ist kein Promi sicher

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Egal ob Kohl, Alt-Rocker Udo Lindenberg, Comedy-Kollege Otto Waalkes oder Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki: Knör kann sie alle. Der Kabarettist ahmt die Größen der Gesellschaft so täuschend echt nach, dass ihn "Bild" einst als "Deutschlands besten Stimmenimitator" bezeichnete. Dieses Talent entdeckte der gebürtige Wuppertaler allerdings eher zufällig: 1975 war er als 15-Jähriger in Rudi Carrells Spielshow "Am laufenden Band" Kandidat. Zurück in der Schule, wollten seine Klassenkameraden wissen, wie TV-Star Carrell in Wirklichkeit ist. Knör machte es ihnen vor und war zu seiner eigenen Überraschung so gut, dass er großen Beifall erntete.

Jörg Knör, verkleidet als Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. In der rechten Hand hält er einen Groschenroman. (Rechte: Jörg Knör)

Stimmtalent mit vielen Gesichtern

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Erst Ochsentour, dann Bambi

Nach seinem Auftritt in "Am laufenden Band" ist für den jugendlichen Knör klar, wohin die Reise gehen soll: ins Showgeschäft. Erste Erfolge stellen sich schnell ein. So ist Knör mit 17 Jahren der jüngste Fernsehansager des WDR. Als er 1981 in der ARD-Nachwuchssendung "Talentschuppen" seine Parodien vorträgt, bekommt er zahlreiche Auftrittsangebote. Knör macht die unter Künstlern berühmt-berüchtigte Ochsentour - mit zum Teil enttäuschendem Ergebnis. Dem jungen Kabarettisten fehlen Gags und Erfahrung, Lacher im Publikum bleiben oft aus. Doch so bitter diese ersten Bühnenjahre sind, Knör möchte sie heute nicht missen: "Wenn man da durch ist, hat man in Drachenblut gebadet." Tatsächlich schafft er es, gestählt durch Bierzelte und Betriebsfeste, wenig später in die großen TV-Shows. 1985 tritt er zum Beispiel in "Verstehen Sie Spaß?" und "Der große Preis" auf. Dort leiht er auch den beiden Zeichentrickfiguren Wum und Wendelin sieben Jahre lang seine Stimme.

Weitere Erfolge im Fernsehen folgen mit der "Jörg Knör Show" und der Comedy-Sendung "7 Tage 7 Köpfe", für die Knör den Fernsehpreis Bambi erhält. Danach geht er wieder auf Tour, diesmal in gefüllten Sälen und mit großem Erfolg. In seinen Soloprogrammen kann sich der Entertainer Knör voll ausleben, ohne ein starres Korsett aus Sendezeiten beachten zu müssen. "Zwei Stunden auf der Bühne", sagt er, " sind für mich wie ein Blankoscheck, den ich ausfüllen darf". Jetzt darf er auch zeigen, dass er mehr kann, als "nur" Parodien. Knör zeichnet auf der Bühne Karikaturen, spielt Saxofon und singt. In den Jahren 2002 und 2003 präsentiert er mit seiner Band "Royal Bastards" sogar ein rein musikalisches Programm.

Einsatz für kranke Kinder

Im Fernsehen und auf Tour ist Jörg Knör inzwischen seltener als früher zu sehen. Er hat seine Seele, wie er selbst scherzhaft sagt, "an die Industrie" verkauft. Auf Galaveranstaltungen hält er Versicherungsvertretern, Bankangestellten und Neurologen den Spiegel ihres Berufsstandes vor: "Ich versuche die jeweilige Branche aus einem humorvollen Blickwinkel zu sehen, den man nach jahrelanger Arbeit, zum Beispiel als Versicherungsvertreter, gar nicht mehr wahrnimmt." Dabei sieht er sich aber nicht als bloßen Witzerzähler, sondern bedient sich lieber der kleinen Irrungen und Wirrungen des Alltags. "Das Leben ist so voller Aberwitz, dass ich dem immer den Vorzug gebe." Dass er sich aber auch den ernsten Seiten des Lebens nicht verschließt, zeigt Knör mit seinem Engagement für den Förderverein "Nestwärme". Im Jahr 1999 war der Entertainer Mitbegründer des Vereins, der sich für die Pflege von schwerkranken Kindern einsetzt.

Johannes Eberhorn, Stand vom 09.03.2012
Sendung: Lachen tut gut, 09.03.2012

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