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Impfung und Therapie

Eine der wirkungsvollsten Methoden, eine Krankheit auszurotten, ist das flächendeckende Impfen. Bislang ist es allerdings noch keiner Forschungseinrichtung gelungen, einen wirksamen Impfstoff gegen das Aids-auslösende HI-Virus (Humanes Immundefizienz-Virus) zu entwickeln. Bei einer Impfung wird dem Körper eine abgetötete oder geschwächte Form eines Virus zugeführt. Dies löst eine Immunabwehr aus und der Organismus produziert Antikörper gegen den Erreger. Beim HI-Virus hat sich diese Methode bisher nicht bewährt.

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Wie funktioniert das Aids-Virus? (5'47'')
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Immer wieder Rückschläge

Da das Virus immer wieder mutiert, kann ein Impfstoff nicht dauerhaft vor einer Infektion schützen. Noch nicht einmal teilweise Erfolge gibt es zu verbuchen, denn keines der bislang getesteten Impfpräparate brachte die erwünschte Wirkung. Die Folge: Eine Testreihe nach der anderen musste abgebrochen werden. 1998 scheiterte die Studie mit dem vielversprechenden Wirkstoff "Aidsvax" der Firma "VaxGen". 2007 brachen die Firmen "MSD" und "Merck" beide ihre Impfstudien ab, nachdem die Zahl der Ansteckungen bei den Testpersonen nicht zurückging, sondern sich teilweise sogar erhöhte.

Trotz der vielen Rückschläge wird die Forschung nicht eingestellt. Noch immer besteht Hoffnung - nicht zuletzt deshalb, weil manche Menschen offenbar über einen natürlichen Schutz vor der Krankheit verfügen. So entdeckten kanadische Forscher 2008, dass der Körper mancher Menschen vermehrt eine bestimmte Eiweiß-Mischung produziert, die das Virus daran hindert, sich zu vermehren. Nun wollen die Mediziner versuchen, sich diese Erkenntnis bei der Impfstoffentwicklung zunutze zu machen.

Ein Mann blickt durch eine Glasflasche, in der sich eine Flüssigkeit befindet. (Rechte: dpa)

Michael Schindler vom Heinrich-Pette-Institut

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Auch in Deutschland wird geforscht

Das HI-Virus kennt keine Landesgrenzen. Schon lange arbeiten daher Wissenschaftler aus der ganzen Welt zusammen an HIV-Impfstoffen und -Medikamenten. Auch in Deutschland gibt es immer wieder neue Studien und Versuchsreihen, die mitunter recht erfolgreich sind.

Im Februar 2004 startete eine klinische Studie an den Uni-Kliniken Hamburg Eppendorf und Bonn. Getestet wurde ein möglicher Aids-Impfstoff mit dem kryptischen Namen “tgAAC09“. Mit der Studie wollten die Forscher feststellen, ob das Mittel eine Reaktion des Immunsystems hervorruft, die das HI-Virus abstößt. Annähernd gleichzeitig starteten auch in Belgien und in Indien Studien mit dem gleichen Impfstoff. Insgesamt wurden 80 Freiwillige geimpft. Doch die Ergebnisse entsprachen nicht ganz den Erwartungen. Nur wenn eine sehr hohe Dosis des Stoffes geimpft wurde, reagierte das Immunsystem der Testpatienten. Um das Ergebnis weiter zu verbessern, werden nun weitere Studien in Uganda, Südafrika und Sambia durchgeführt.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgten die Forscher des "Heinrich-Pette-Instituts" (Hamburg) und des "Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik" (Dresden). Sie arbeiteten fünf Jahre lang daran, bereits HIV-infizierte Zellen zu heilen. Ende 2006 gelang ihnen die Weltsensation. Seit sich Forscher mit dem HI-Virus beschäftigten, galt es als unmöglich, das Erbgut des HI-Virus aus einer kranken Zelle wieder herauszulösen. Die deutschen Forscher schafften genau das. Nun wollen sie zunächst versuchen, mit ihrer Technik Tiere zu heilen und das Prinzip bei Erfolg auf den Menschen übertragen.

Auch an der Medikamenten-Forschung sind viele deutsche Wissenschaftler beteiligt. 2007 entdeckten Forscher der Uni-Klinik Ulm ein Molekül im Blut, dass offenbar das Eindringen des HI-Virus in die Körperellen hemmt. Nun versuchen sie das Molekül, das Teilstück eines Proteins, so zu verändern, dass es HI-Viren womöglich noch effektiver abstößt. Sollte dies gelingen, wäre das Molekül (genannt VIRIP - Virus-Inhibitorisches-Peptid) eine gute Basis für neue Aids-Medikamente. Mitte 2008 befindet sich VIRIP in der ersten Phase eines klinischen Tests.

Mehrere Medikamentenpackungen. (Rechte: dpa)

Die Forschung nach Medikamenten geht weiter

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Die Behandlung einer HIV-Infektion

Bisher ist es den Pharmakonzernen noch nicht gelungen ein Medikament zu entwickeln, das das HI-Virus komplett aus dem Körper vertreibt. Das HI-Virus ist ein Retrovirus, das heißt es speichert seine Erbinformationen in der Ribonukleinsäure (RNS) und überträgt sie in das Erbgut der menschlichen Zellen. Deren Immunabwehr wird durch das “Eindringen“ massiv geschwächt. Die Behandlung einer Infektion setzt also darauf, die Virenanzahl im Organismus möglichst klein zu halten, damit das Immunsystem nicht zu sehr geschwächt wird.

Nachdem HIV in den 80er Jahren auftauchte, wurden Milliarden in seine Bekämpfung investiert. Heute stehen den Ärzten für die Therapie 29 verschiedene Medikamente aus fünf Wirkstoffklassen zur Verfügung, die der Patient entweder einzeln oder in einer bestimmten Kombination einnehmen muss. Diese Präparate haben unterschiedliche Anwendungsgebiete und müssen genau auf den Patienten abgestimmt werden.

Doch nicht jeder HIV-positive Patient muss direkt Medikamente einnehmen. Erst wenn sich die Viren im Körper bis zu einem bestimmten Level ausgebreitet haben, setzt die sogenannte ART (antiretrovirale Therapie, also Therapie gegen Retrovieren) ein. Eine ART wird, wenn sie einmal anfangen wurde, bis zum Lebensende fortgesetzt. Da die Medikamente zum Teil starke Nebenwirkungen haben (zum Beispiel Nervenentzündungen oder Leberversagen), muss der betreuende Arzt genau überlegen, wann er die Behandlung beginnt. Während der ART geht die Zahl der HI-Viren im Körper stark zurück, doch ganz verschwindet das Virus nie. Wenn die Medikamente abgesetzt werden, beginnt das Virus sofort wieder damit, sich zu vermehren und das Immunsystem anzugreifen. Um sicherzugehen, dass ein HIV-Patient möglichst lange und nahezu ohne Nebenwirkungen leben kann, wird in der Regel eine HAART (Hochaktive antiretrovirale Therapie) durchgeführt, bei der mindestens drei verschiedene Medikamente parallel eingenommen werden.

Jennifer Dacqué, Stand vom 01.06.2009

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