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Die Treatment Action Campaign

Am 1. Dezember 1998 wurde in Südafrika die "Treatment Action Campaign" (TAC) gegründet. TAC ist eine Nicht-Regierungs-Organisation, in der fast alle Mitglieder ehrenamtlich arbeiten. Ein großer Teil von ihnen ist HIV-positiv. Die wichtigsten Anliegen von TAC sind die intensive Aufklärungsarbeit und der Kampf um bezahlbare Medikamente für HIV-positive Menschen in Südafrika. Südafrika ist eines der weltweit am stärksten von Aids betroffenen Länder. Grund dafür war jahrzehntelang die fehlende Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit, das fehlende Engagement der eigenen Regierungen und die viel zu hohen Medikamentenpreise.

Protestzug von mehr als 10.000 Demonstranten im Februar 2003 in Kapstadt. Auf den Schildern stehen Slogans wie 'Stop AIDS' und 'Aids Treatment now'. (Rechte: dpa)

Protestmarsch für HIV- und AIDS-Kranke in Kapstadt

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Weltweites Problem Aids

"Pandemie" ist ein Wort, das immer häufiger im Zusammenhang mit HIV/Aids auftritt. Es bezeichnet eine Epidemie, die sich länderübergreifend ausbreitet. HIV/Aids ist ein weltweites Problem. 33,4 Millionen Menschen sind im Jahr 2008 mit dem HI-Virus infiziert. In Europa und in den USA scheint es inzwischen so, als könne man das Problem kontrollieren. Die Bevölkerung scheint ausreichend über Vorsorgemaßnahmen informiert zu sein und eine Infektion mit HIV kommt hierzulande nicht mehr einem Todesurteil gleich. Doch trotz der medizinischen Fortschritte: HIV/Aids ist nach wie vor nicht heilbar, und das Virus breitet sich immer noch aus. Zurzeit trifft es die Länder Afrikas südlich der Sahara am stärksten. Aber Experten der Weltgesundheitsorganisation befürchten, dass sich die Situation in Asien und Osteuropa bald ähnlich entwickeln könnte, falls niemand rechtzeitig etwas gegen die Ausbreitung von HIV/Aids unternimmt. Deshalb wurde 2001 der "Globale Fonds" zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria gegründet. Er setzt sich unter anderem dafür ein, dass internationale Patente die Produktion billiger Nachahmerpräparate für Aidskranke, sogenannter Generika, nicht länger blockieren. Der Fonds hatte Erfolg: Noch im selben Jahr sprach sich die Welthandelsorganisation dafür aus, dass Entwicklungsländer bei nationalen Notständen Generika erhalten oder produzieren dürfen.

Ein aidskranker schwarzer Junge liegt abgemagert in einem Krankenhausbett. (Rechte: dpa/Kim Ludbrook)

Dieser Junge starb kurz nach der Aufnahme

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Südafrikas verlorene Zeit im Kampf gegen Aids

In Südafrika wurde erst zehn Jahre, nachdem Aids dort aufgetaucht war, die erste nationale Aids-Konvention auf den Weg gebracht. 1994, als der "Afrikanische Nationalkongress" (ANC) unter Nelson Mandela die Macht übernommen hatte, sah man sich immer noch Strukturen gegenüber, die die Durchsetzung eines Anti-Aids-Programms schwer machten. Dennoch erließ Südafrika ein Gesetz, das endlich auch einen Zugang zu billigen Nachahmermedikamenten im Lande ermöglichen sollte, da die für die Aids-Therapie unerlässlichen Medikamente nicht bezahlbar waren und sind. Gegen diesen Gesetzesvorstoß hatten Pharmakonzerne allerdings Klage eingereicht. Die Nachfolgeregierung unter Thabo Mbeki (1999 bis 2008) sah keine Notwendigkeit, dagegen anzugehen. Schlimmer noch, Mbeki selbst äußerte sich jahrelang dahingehend, dass ein Zusammenhang zwischen dem HI-Virus und Aids fraglich sei und bezweifelte öffentlich den Sinn einer medikamentösen Therapie.

Die Folgen seiner Politik waren für das Land verheerend. Da das Thema Aids öffentlich tabuisiert wurde, fehlte es jahrelang an vernünftiger Aufklärungsarbeit. Etwa zwölf Prozent der Bevölkerung sind inzwischen mit dem HI-Virus infiziert. Anders als in Nordamerika und in den westeuropäischen Ländern sind über die Hälfte der Infizierten Frauen; jede dritte zwischen 25 und 29 Jahren ist nach Angaben von UNAIDS, der Aids-Organisation der Vereinten Nationen, positiv. Da der HI-Virus auch bei der Geburt übertragen werden kann, ist die Infektionsrate bei Neugeborenen erschreckend hoch. Dies ist eines der großen Probleme, vor dem viele afrikanischen Regierungen im Moment stehen. Ein weiteres ernstes Problem: Die Aids-Pandemie hat zahlreichen Kindern die Eltern genommen und auch in Zukunft werden viele Kinder als Waisen leben müssen.

Aus dem Bildhintergrund schaut ein Mann auf mehrere Dosen, Flaschen und Pillenpackungen mit Aids-Medikamenten, die im Vordergrund übereinander liegen und stehen. (Rechte: dpa)

Preiswerte Aids-Medikamente aus Indien

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Der größte Sieg von TAC

Seit 1998 begann TAC die Öffentlichkeit zu informieren - über die Gefahren von Aids, über die Schutzmaßnahmen und über die theoretische Möglichkeit, an Medikamente zu gelangen. Zu dieser Zeit gab es schon zahlreiche Länder, die Nachahmermedikamente herstellten, und einige Länder, die diese einführten, um ihren Kranken helfen zu können. Das Interesse der Bevölkerung an den Aktionen der "Treatment Action Campaign" wuchs mit der Hoffnung auf mögliche Hilfe. Immer mehr Menschen waren nicht mehr dazu bereit, Aids zu ignorieren, die Gegebenheiten hinzunehmen und der Krankheit hilflos ausgeliefert zu sein. 2001 mobilisierte TAC Tausende Menschen, um - gemeinsam mit der Regierung - gegen die Klage der Pharmakonzerne vorzugehen. Sie hatten Erfolg: Die Klage konnte abgewendet werden.

Doch der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Schon bald zeigte sich, dass sich im Land selbst nichts änderte. Die Regierung gab bekannt, dass antiretrovirale Medikamente in Kliniken nicht angewendet werden dürften. Ebenfalls 2001 klagte TAC gegen die südafrikanische Regierung und hatte wieder Erfolg. Seitdem ist in Südafrika eine Therapie zugelassen, die die Übertragung des Virus von der Mutter auf das Kind verhindern kann. Einen Monat zuvor hatte das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim das Medikament Nevirapin, das die Mutter-Kind-Übertragung reduziert, Entwicklungsländern kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Oberste Gerichtshof verpflichtete die Regierung, die Behandlung mit Nevirapin zuzulassen und darüber hinaus, einen Plan auszuarbeiten, der allen schwangeren HIV-positiven Frauen die Behandlung mit Nevirapin ermöglichen soll.

An einer roten Backstein-Hauswand hängt ein weißer Kondomautomat mit bunter Aufschrift und Aids-Schleife, in dessen Fach versiegelte Kondome liegen. Eine der Aufschriften bedeutet übersetzt 'Greif zu - kostenlose Kondome'. (Rechte: dpa)

Kostenlose Lebensrettung

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Umdenken notwendig

Etwa 5,7 Millionen Menschen in Südafrika sind laut UNAIDS mit dem HI-Virus infiziert und täglich kommen etwa 1500 neu hinzu. Auch dank einiger Nicht-Regierungs-Organisationen wie "Ärzte ohne Grenzen" werden Aids-Patienten in Südafrika inzwischen mit Generika therapiert. Um die Pandemie aber langfristig in den Griff zu bekommen, ist eine Veränderung in den Köpfen der Menschen noch wichtiger: Jacob Zuma, seit 2009 Südafrikas Präsident, fordert seine Landsleute zwar auf, Kondome zu benutzen. Die Geburt seines 20. Kindes aber zeigt, was der bekennende Poligamist selbst davon hält.

Sine Maier-Bode, Stand vom 14.06.2010
Sendung: Südafrika - 20 Jahre nach der Apartheid, 11.06.2010

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