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Gewitter im Gehirn

Ein epileptischer Anfall beruht auf einer Störung des zentralen Nervensystems. Bei einem gesunden Menschen ist das Zusammenspiel durch Milliarden von Nervenzellen in unserem Gehirn genau aufeinander abgestimmt. Die Nervenzellen, die bei uns jeden Gedanken, jede Regung und Bewegung steuern, stehen sozusagen unter Strom, sie funktionieren mit elektrischer Ladung und Entladung. Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu einer Art Kurzschluss, als würde eine Sicherung im Gehirn durchbrennen.

Die Elektronenmikroskop-Aufnahme zeigt die Anhäufung von Neuronen in 4600-facher Vergrößerung. (Rechte: Mauritius)

Das Gleichgewicht der Nervenzellen funktioniert nicht mehr

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Generalisierte und fokale Epilepsien

Plötzlich funktioniert das Gleichgewicht der Nervenzellen nicht mehr. Große Partien der Nervenzellen sind übererregt und entladen sich alle gleichzeitig. Diese unkontrollierten Entladungen reizen in unnatürlicher Weise das Gehirn und führen zum epileptischen Anfall.

Epileptischen Erkrankungen werden generell in zwei Kategorien unterschieden. Es gibt die sogenannte generalisierte Erkrankung. Dann sind bei einem Anfall das ganze Gehirn oder beide Gehirnhälften gleichzeitig betroffen. Daneben existiert die fokale Epilepsieerkrankung: Der Anfall bricht in einer punktuellen Region im Gehirn aus. Diesen krampfauslösenden Bereich nennt man auch den Epilepsie-Herd.

Bilder einer Untersuchung am stärksten Kernspintomographen Europas. (Rechte: dpa)

Untersuchung mit Kernspintomograph

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Grand Mal, Petit Mal, Absence

Epileptische Anfälle unterscheiden sich in ihrer Ausprägung und ihrem Schweregrad erheblich voneinander. Es gibt den berüchtigten Prototypen des epileptischen Anfalls, den großen Krampf – genannt "Grand Mal". Die französische Bezeichnung bedeutet "großes Leiden". Beim Grand Mal kommt es zu Sturz, Bewusstseinsverlust, zu Muskelkrämpfen und Zittern. Manche Grand-Mal-Anfälle sind von kurzer Dauer, etwa eine halbe Minute, die klassischen Anfallsphasen dauern jedoch zwischen zwei und vier Minuten. Daneben gibt es noch komplizierte und schlimme Krampfattacken, die wesentlich länger dauern können, die Mediziner sprechen dann von Status-Anfällen. Während eines Grand Mal ist der Epilepsiekranke bewusstlos und kann sich hinterher an nichts mehr erinnern.

Es gibt weniger starke Anfälle, die kurzeitig zu einem Krampf etwa eines Arms oder Beines führen können. Dann spricht man vom "kleinen Leiden", dem sogenannten Petit Mal. Die leichteste Form der Epilepsie ist die "Absence", ein meist nur Sekunden währender Bewusstseinsverlust, eine Art Entrücktheit des Betroffenen, die Außenstehenden gar nicht auffallen muss. Bei den Absencen sind alle Schattierungen möglich. Die Wahrnehmung des Betroffenen kann vollständig abdriften, der Krampfende kann aber auch in einer Art Dämmerzustand die Absence bewusst erleben.

Folgeschäden am Gehirn?

Kleine epileptische Anfälle wirken sich auf die Konsistenz des Gehirns nicht aus. Bei Grand-Mal-Krämpfen sterben Hirnzellen ab, die den Grad der Intelligenz eines Menschen jedoch nicht beeinflussen. Bedrohlicher sind dagegen lang anhaltenden Status-Krämpfe. Diese besonders schwerwiegenden Krampfattacken können zu schweren motorischen Defekten, etwa einer Halbseitenlähmung, und Intelligenzminderung führen.

Untersuchung eines Patienten an einem Kernspintomographen (Rechte: dpa)

Konkrete Symptome müssen geklärt werden

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Ärztliche Behandlung

Sobald der Verdacht auf Epilepsie besteht, beispielsweise nach einem Zusammenbruch, sollte ein Hausarzt aufgesucht werden, um das Krankheitsbild zu identifizieren. So können konkrete Symptome geklärt und eventuelle Zweifel schon im Vorfeld ausgeräumt werden. Erhärtet sich der Verdacht auf eine Epilepsieerkrankung, sollte man einen Neurologen (Nervenarzt) konsultieren, der durch genaue Tests eine eventuelle Epilepsie-Erkrankung ermitteln und belegen kann. Der Neurologe wird mittels der Elektro-Enzephalographie (EEG) die elektrischen Gehirnströme des Patienten messen. Dabei werden Elektroden über ein Haarnetz verteilt auf dem Kopf des Patienten angebracht. Ein EEG ist eine völlig schmerzfreie Untersuchung, die ambulant durchgeführt wird und bei der der Patient in ruhendem Zustand ist. Bei schweren Epilepsie-Erscheinungen, die eine längere Beobachtung und Analyse verlangen, werden im Krankenhaus so genannte Langzeittests durchgeführt, oder auch Schlaf-EEGs, bei denen der Patient rund um die Uhr unter Video-Bewachung steht.

Medikamentöse Therapie

Längst kann man Epilepsien medikamentös behandeln. Rund 20 unterschiedliche Präparate lassen sich den spezifischen Erscheinungsformen der Epilepsieerkrankung entsprechend einsetzen. Es handelt sich um so genannte Anti-Epileptika. Die meisten vielfach erprobten Arzneien sind gut verträglich. Bei 80 Prozent der Epilepsiekranken lässt sich medikamentös eine entscheidende Verbesserung des Krankheitsbildes erzielen.
Wie bei den meisten Medikamenten können auch bei Anti-Epileptika Nebenwirkungen auftreten; sie sind aber nicht die Regel. Wenn der Patient ein anfallsfreies Leben führen möchte, müssen die die Medikamente manchmal ein Leben lang eingenommen werden. Doch eine Regel gibt es nicht. Jeder Fall einer Erkrankung muss unterschiedlich bewertet und die entsprechende medikamentöse Therapie individuell abgestimmt werden. Bei manchen Anfallsgruppen lassen sich Verlaufsmuster erkennen. Generalisierte gutartige Epilepsien etwa, die keine Grands Mals nach sich ziehen, lassen sich meist effektiv und schnell mit Anti-Epileptika behandeln. Allerdings muss die Medikation auch hier oft ein Leben lang fortgeführt werden, will man volle Anfallsfreiheit erreichen. Dagegen gibt es Beispiele heftiger Grand-Mal-Ausbrüche, die einige Jahre medikamentös behandelt werden und dann völlig verschwinden. In solchen Fällen müssen Patienten oft keine Medikamente mehr nehmen.

Eine Zeichnung einer Frau mit offenem Gehirn. (Rechte: Mauritius)

Eine Operation am Gehirn ist nicht ungefährlich

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Operativer Eingriff

Zunächst werden grundsätzlich alle Möglichkeiten einer medikamentösen Behandlung ausgeschöpft. Wenn die Medikation nicht anschlägt, das ist leider bei rund 20 Prozent aller Epilepsiekranken der Fall, wird ein operativer Eingriff erwogen, der nur bei der Hälfte dieser Fälle überhaupt möglich ist. Denn Ärzte werden nur dann operieren, wenn eine fokale Epilepsie besteht, Anfälle also durch einen Herd, eine ganz bestimmte, lokale Region im Gewebe des Gehirns ausgelöst wird: zum Bespiel durch eine Narbe im Gehirngewebe, die ein Tumor hinterlassen hat. Dann kann der Herd operativ ausgeschaltet, das entsprechende Gewebe in der Regel entfernt werden, indem der Chirurg das funktionsgestörte Areal millimetergenau herausschneidet.

Schrittmacher im Gehirn

Mittlerweile können Ärzte auch ein Implantat einsetzen, eine Art Schrittmacher im Gehirn. Diese Form der Therapie nennt sich Vagus-Nerv-Stimulation (VNS). Dabei wird der sogenannte Vagus-Nerv elektrisch stimuliert, wodurch Patienten erheblich weniger Anfälle erleiden. Manchmal bekommen sie auch gar keine Anfälle mehr.

Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 27.06.2008

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Collage aus Bildmotiven zum Thema Krankheiten (Rechte: WDR)

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