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Impfgegner verweisen oft auf eine hohe Zahl von Komplikationen, die mit der Impfung einhergehen. Gibt es Statistiken die dies belegen?

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Wohl kaum eine Frage in der Medizin spaltet Eltern in Deutschland so stark in zwei Lager wie die nach der Kinderschutzimpfung. Meldungen über Komplikationen bei geimpften Kindern verunsichern immer wieder viele Eltern. So sank in Großbritannien die Impfrate erheblich, nachdem 1998 eine Studie im renommierten Fachblatt "The Lancet" die Sicherheit der Kombinationsimpfung MMR in Frage stellte. Der britische Arzt Andrew Wakefield hatte behauptet, dass die kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) bei Kindern Autismus hervorrufen könne. Vor allem die Quecksilberverbindung Thiomersal, die den Impfstoff vor Bakterien- und Pilzverunreinigungen schützen sollte, geriet in die Kritik. Auch in Deutschland wurde die Studie zu einem Argument vieler Impfgegner.

Das Foto zeigt ein skeptisch blickendes Mädchen auf dem Schoß seiner Mutter. Rechts im Bild ist eine weiß gekleidete Ärztin zu sehen, die eine Spritze an den Arm des Mädchens hält. Die Mutter und das Kind sind von vorne zu sehen, die Ärztin im Profil. (Rechte: AP)

Längst nicht alle Kinder werden geimpft

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Doch die Studie gilt spätestens seit dem Jahr 2006 als überholt: Nach einer umfassenden Untersuchung im kanadischen Quebec, für die fast 28.000 Kinder beobachtet wurden, schließt Untersuchungsleiter Eric Fombonne einen Zusammenhang zwischen Entwicklungsstörungen wie Autismus und der MMR-Impfung aus. Er konnte unter anderem zeigen, dass die Zahl der von Autismus betroffenen Kinder auch dann noch anstieg, als der Konservierungsstoff Thiomersal in Kanada gar nicht mehr eingesetzt wurde.

Immer wieder wird auch behauptet, die Masernimpfung könne zu Hirnhautentzündungen oder Gehirnentzündungen führen. Die "Ständige Impfkommission", in der vom Gesundheitsministerium berufene Experten sitzen und Richtlinien zum Impfschutz erarbeiten, weist aber darauf hin, dass die Rate von Gehirnentzündungen mit unklarer Ursache bei geimpften Kindern genauso hoch liegt, wie die bei nicht geimpften Kindern. Auch für die Befürchtung, geimpfte Kinder würden mehr Allergien entwickeln, fehlen anerkannte Belege. Häufige Impfreaktionen sind Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle. Auftreten können auch allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber oder Gelenkschmerzen. Sie entstehen, weil der Impfstoff die körpereigene Abwehr anregt. Diese Impfreaktionen werden bei jeder 30. Impfung beobachtet und bilden sich ohne dauerhafte Folgen wieder zurück. Dauerhafte Schäden durch eine Impfung sind zwar möglich, sie stehen aber nach Ansicht der Kinderärzte in keinem Verhältnis zum Risiko des Nichtimpfens. So kam es bei der letzten Masernepidemie in Nordrhein-Westfalen im Frühjahr 2006 häufig zu Mittelohr-, Lungen- oder auch Gehirnhautentzündungen, meist verursacht durch eine begleitende Bakterieninfektion. Insgesamt fordern Masern trotz medizinischer Therapiemöglichkeiten weltweit jährlich mehr als 700.000 Todesopfer.

Kinderarzt Uwe Büsching vom Berufsverband der Kinderärzte in Deutschland weist darauf hin, dass rund 60 von 10.000 an Kinderkrankheiten erkrankten Patienten bleibende Schäden davontragen - dass aber nur zwei bis drei Impfungen auf zehn Millionen zu ernsteren Komplikationen führen. Für Kinderarzt Büsching besteht deshalb das größte Risiko beim Impfen "in der Zeit im Wartezimmer - wegen der Ansteckungsgefahr." Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts wurden in Deutschland im Jahr 2001 bei über 20 Millionen Impfungen 321 Verdachtsfälle gemeldet. Davon hingen drei Viertel mit einiger Wahrscheinlichkeit mit der Impfung zusammen. Von den 14 Verdachtsfällen mit sehr schweren bleibenden Schäden oder Todesfällen bestätigte sich keiner. Nach Ansicht der Ärzte ist es dem Erfolg der Impfungen selbst zu verdanken, dass die Vorsorge vernachlässigt wird: Kaum jemand erinnert sich an die Probleme, die vermeintlich harmlose Kinderkrankheiten verursachen können.

Schwanenberg/Holtmeyer, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Kinderkrankheiten - Da muss man durch?, 11.07.2007

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