Rat & Tat - Alternative Behandlungsmethoden
Phototherapie (Lichttherapie)
Ultraviolettes Licht – meist eine Kombination aus UVA- und UVB-Strahlen – soll die Entzündungszellen in der Haut hemmen. Um den Effekt zu verstärken, wird vor der Bestrahlung oft das Medikament Psolaren verabreicht, das den Effekt der Strahlen in der Haut vervielfacht. Diese Therapie heißt PUVA-Therapie (Psolaren + UVA). Durch die PUVA-Therapie wird die Lichtempfindlichkeit allerdings stark erhöht – auch das Krebsrisiko steigt. Die Anwendung dieser Therapie bei Kindern muss sorgfältig abgewogen werden. Mitunter wird die Lichttherapie auch mit vorangehenden Solebädern kombiniert zur Photo-Sole-Therapie: So werden die klimatischen Verhältnisse eines meist heilsamen Sommerurlaubes nachgeahmt.
Bestrahlung mit blauem Licht
Neu ist eine Therapie mit blauem Licht ohne ultraviolette Strahlung. Deswegen müssen Patienten die oben beschriebenen Nachteile einer Lichttherapie mit UV-Strahlen nicht befürchten. Gute Erfolge konnten auch bei besonders schweren Fällen von Neurodermitis und Schuppenflechte erzielt werden. Das große Aber: Das Verfahren ist wissenschaftlich noch nicht abschließend erforscht. Außerdem übernehmen die Krankenkassen in der Regel die hohen Kosten von im Schnitt 2700 Euro nicht, so dass Patienten die Therapie selbst bezahlen müssen. Die Behandlung ist sehr zeitaufwendig; in der Regel müssen sich Patienten drei bis fünf Mal pro Woche maximal eine Dreiviertelstunde bestrahlen lassen. Da es nur wenige Hautkliniken gibt, die über entsprechende Geräte verfügen, ist der Anfahrtsweg oft weit. Diese Art der Therapie ist also nur für Patienten empfehlenswert, bei denen andere Behandlungen erfolglos geblieben sind.
Bioresonanztherapie
Die Bioresonanztherapeuten gehen davon aus, dass mit Hilfe elektromagnetischer Wellen die durch die Neurodermitis erzeugten "krankhaften" Bioströme wieder harmonisiert werden können. Der Patient muss zwei Elektroden anfassen, die die Schwingungen übertragen. In einem speziellen Gerät sollen die Schwingungen umgewandelt und dem Patienten über die Plus-Elektrode wieder zugeführt werden. Mehrfache Behandlungen bringen den Körper des Neurodermitikers angeblich dazu, das neue Schwingungsmuster zu übernehmen. Eine wissenschaftliche Erklärung dafür, warum die Bioresonanztherapie wirken sollte, fehlt völlig. Eine Studie aus dem Jahr 1997, die den Effekt der Bioresonanz mit 32 an Neurodermitis erkrankten Kindern untersuchte, konnte keinerlei Verbesserung der Symptome oder des Hautbildes nachweisen. Daher werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Die "Stiftung Warentest" rät sogar entschieden von dieser Therapie ab.
Klimatherapie
Reisen, beispielsweise ins Hochgebirge, an die Nordsee oder ans Tote Meer, bringen vielen Neurodermitikern zunächst eine rasche Besserung ihrer Beschwerden. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die Luft in diesen Gebieten weniger Allergene und Schadstoffe enthält. Auch die Sonne und der hohe Salzgehalt der Seeluft wirken sich meistens positiv auf die erkrankte Haut aus. Der Nachteil der Klimatherapie ist allerdings, dass ihre Wirkung in der Regel von kurzer Dauer ist und sich die Beschwerden am Heimatort bald wieder einstellen.
Eigenbluttherapie
Bei dieser Therapie wird den Patienten Blut aus einer Vene entnommen, eventuell aufbereitet (zum Beispiel mit Sauerstoff, Ozon oder pflanzlichen Mitteln versetzt) und anschließend wieder in die Muskulatur zurückgespritzt. Damit soll bei Neurodermitikern das fehlgeleitete Immunsystem positiv beeinflusst werden. Viele Naturheilkundler schwören auf diese Methode. Allerdings gibt es keine wissenschaftliche Studie, die nachweisen könnte, dass die Eigenbluttherapie tatsächlich wirkt. Auch plausible Theorien, warum die Methode funktionieren sollte, fehlen bislang. Schulmediziner raten von der Eigenbluttherapie deshalb ab oder warnen sogar vor möglichen gefährlichen Nebenwirkungen - eventuell können Patienten mit einem allergischen Schock reagieren.
Stressbewältigung
Ganzheitliche Therapien berücksichtigen die Tatsache, dass Stress und auch familiäre Probleme bei fast allen Patienten die Neurodermitis verstärken. Zum Angebot gehört deshalb in der Regel eine psychologische Betreuung oder Beratung. Auch eine Familientherapie kann sinnvoll sein, wenn die Neurodermitis eines Angehörigen zum scheinbar unlösbaren zentralen Problem innerhalb der Familie wird.
In jedem Fall ist es für die Patienten sinnvoll, Übungen wie autogenes Training oder gezielte Muskelentspannung zu erlernen und durch Sport ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Das alles kann helfen, den seelischen Druck abzubauen, der durch die Krankheit und den quälenden Juckreiz entsteht. Mit Hilfe dieser Methoden gelingt es vielen Betroffenen, den Teufelskreis aus Stress und Krankheitsschüben zu durchbrechen.
Therapie mit Knabberfischen
Bei dieser Therapie sollen die ursprünglich in Ostanatolien beheimateten kleinen Kangal-Fische Patienten mit Schuppenflechte oder Neurodermitis helfen. In einer Wanne mit warmem Wasser knabbern sie die obersten Schichten der erkrankten Hautstellen ab, ohne die Haut zu verletzen. Diese Prozedur wird in bestimmten Abständen wiederholt. Auf diese Weise soll die Haut erneuert und unangenehme Spannungsgefühle bekämpft werden – das versprechen zumindest die Anbieter der Methode. Aber auch wenn der Juckreiz bei Neurodermitis-Patienten durch das Knabbern der Fische tatsächlich für einen Moment gelindert werden mag, beurteilen Hautärzte die Therapie sehr kritisch. Denn der über Stunden dauernde Aufenthalt im Wasser trocknet die ohnehin trockene Haut der Patienten noch mehr aus und kann daher zu einer Verstärkung der Krankheitssymptome führen. Es gibt aber auch viele positive Erfahrungsberichte.
Holtmeyer/Schwanenberg, Stand vom 20.06.2008










