Tropenkrankheiten
Paradies für Parasiten
Unter Tropenkrankheiten versteht man Infektionskrankheiten, die vorwiegend in tropischen Breiten auftreten. Viele dieser Krankheiten sind außerordentlich ansteckend. Viren, Bakterien und Parasiten - die Erreger der verschiedenen Krankheiten haben sich die Tropen ausgesucht, weil sie hier ein kleines Paradies vorfinden. Nicht nur das auch von Touristen geschätzte Klima bekommt ihnen gut, es ist vor allem die Armut, die dazu führt, dass viele Infektionskrankheiten hier nicht auszurotten sind. Es fehlt an Geld, an Medikamenten, und vor allem fehlt es an sauberem Wasser.
Beispiel Tuberkulose
Lange Zeit glaubte man, sie besiegt zu haben. Die Tuberkulose war einst eine der tödlichsten Erkrankungen in Europa. Vor allem das 19. Jahrhundert galt als das "Jahrhundert der Schwindsucht". Noch gab es keine Kenntnisse über die Krankheit. Als Therapie wurde der Aufenthalt an einem Luftkurort empfohlen. Thomas Mann beschrieb in seinem Roman "Der Zauberberg" ein Sanatorium der feinen Art, das wohl für lange Zeit unsere Vorstellung davon prägen wird, wie es dort ausgesehen haben mag. Alexandre Dumas wiederum schuf in seinem Roman "Die Kameliendame" das Ideal einer hingebungsvoll Liebenden und Leidenden. Die Tuberkulose wurde eine "romantische" Krankheit, und da viele Künstler der Schwindsucht erlagen, galt sie zu jener Zeit auch als Krankheit der sinnlichen und sensiblen Menschen. Tatsächlich war sie schon immer eine Krankheit der Armut. Enge Lebensverhältnisse, wie sie die Industrialisierung geschaffen hatte, förderten damals die Verbreitung des Erregers in Europa. Ein Erreger, der durch Tröpfcheninfektion in Windeseile von einem zum anderen Menschen übertragen werden kann.
1882 entdeckte Robert Koch die Tuberkelbazillen, seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Krankheit heilbar. Doch ausgerechnet die Tatsache, dass man die Tuberkulose in den reichen Ländern dank eines wachsenden Wohlstandes und moderner Medikamente zurückdrängen konnte, hat dazu geführt, dass sie lange Zeit vernachlässigt wurde. Weltweit trägt heute jeder dritte Mensch den Tuberkulose-Erreger in sich, 90 Prozent davon leben in so genannten Entwicklungsländern. Aber nicht immer muss die Krankheit ausbrechen. Vor allem alte, kranke und geschwächte Menschen sind gefährdet, weil ihr Immunsystem den "Tubercula" nicht standhalten kann. Alleine in Afrika erkranken jedes Jahr fast zwei Millionen Menschen neu an Tuberkulose. In den Armenviertel der USA, in Russland und in vielen Ländern Osteuropas sind neue Erreger aufgetaucht, die gegen die gängigen Antibiotika resistent sind.
Neue Viren
Mitte des 20. Jahrhunderts begann eine Zeit der medizinischen Entdeckungen. Antibiotika und neu entwickelte Impfstoffe vertrieben Seuchen, die seit Jahrhunderten die Menschheit geplagt hatten. So zumindest schien es lange Zeit, bis Anfang der 80er Jahre das HI-Virus auftauchte, das bis heute weltweit zu den meisten Todesfällen führt (HI = human immunodeficiency, menschliche Inmmunschwäche). Auch wenn es inzwischen einige Medikamente gibt, die helfen können, die durch das HI-Virus hervorgerufene Immunschwächkrankheit AIDS hinauszuzögern, so gibt es doch noch kein Heilmittel dagegen.
Aber das HI-Virus ist nicht das einzige Virus, das den Weg zum Menschen gefunden hat. BSE, Ebola, das Dengue-Fieber - es gibt zahlreiche Viruserkrankungen, die teilweise aus dem Nichts aufgetaucht zu sein scheinen. Ihre Erreger, die Viren, waren aber vermutlich schon lange irgendwo vorhanden, gut versteckt im Urwald oder an einem anderen, den Menschen schwer zugänglichen Ort.
Viren sind keine Lebewesen, sondern DNA- beziehungsweise RNA-Informationen, also Stücke genetischen Materials. Damit sie existieren können, brauchen sie einen Wirt, ein Lebewesen. Und wenn sie lange existieren wollen, sollten sie diesem Lebewesen keinen Schaden zufügen. So werden viele Viren erst dann gefährlich, wenn sie ihren Wirt ändern, wenn sie vom Tier auf den Menschen übergehen. Dass dies immer wieder geschieht, ist auch eine Folge des veränderten Umgangs des Menschen mit der Natur.
Schlafende Geister
Immer weiter dringen die Menschen in bislang unerforschte Gebiete vor und fast scheint es, als weckten sie schlafende Geister. Sie roden die Wälder und locken die Tiere aus den Verstecken hervor, und mit den Tieren kommen die neuen Viren in Kontakt mit den Menschen. Eigentlich sitzen sie in Mäusen wie beim Hanta-Virus, in Meerkatzen wie beim Marburg-Virus, in Mücken wie beim Dengue-Virus oder in Fledermäusen wie vermutlich beim Ebola-Virus. Als das Ebola-Virus in den 70er Jahren das erste Mal ausgebrochen war, stand man erschreckt vor einer vollkommen neuen Krankheit und hatte nicht die geringste Ahnung, wie sie auf den Menschen übertragen worden war. Heute weiß man, dass in den Regionen, die von der Erkrankung betroffen sind, Fledermäuse leben, denen das Virus nichts anhaben kann. Vermutlich ist es von dort auf Affen und dann auf die Menschen übertragen worden.
Wer an Ebola erkrankt, stirbt einen qualvollen Tod. Die wenigsten Menschen überleben die Infektion. Seit dem ersten Ausbruch ist die Krankheit noch mindestens sechsmal an verschiedenen Orten in Afrika aufgetreten. Und noch kann man von Glück sprechen, denn vermutlich gerade weil die Krankheit so schnell und meistens tödlich verläuft, hat sich das Virus bislang nicht weiter verbreitet. Aber viele Viren sind Künstler der Anpassung. Sie können ihren genetischen Aufbau verändern und erschweren es damit den Medizinern, ein Medikament gegen sie zu entwickeln.
Würmer und andere Parasiten
Sie ist für Fernreisende die bekannteste Tropenkrankheit: Malaria. Und doch wissen die wenigsten, dass ihr Erreger ein Parasit ist: das "Plasmodium falciparum". Die Mücke ist lediglich ihr Überträger. Und es ist bei weitem nicht der einzige Parasit in den Tropen. In der feuchtwarmen Luft fühlen sich Parasiten besonders wohl. Überall wimmelt es von Plasmodien, Trypanosomen, Protozoen, Larven, Egeln und Würmern. Und sie haben nur eines im Sinn: Sie wollen sich in Körpern festsetzen, um sich von ihnen zu ernähren. Für Touristen sind sie nur dann ein Problem, wenn sie sich nicht vor ihnen schützen. Deshalb heißt das oberste Gebot: "Koch es, schäl es oder vergiss es!" Wo das Geld für sanitäre Anlagen fehlt, sind die Gewässer schnell mit Fäkalien verschmutzt. Und weil bei den heißen Temperaturen gerade das Wasser eine Brutstätte für Krankheitserreger aller Art ist, sollte man bei Obst und Salat auch Nein sagen können und auf ein Bad in stehenden Gewässern verzichten. Wer sich außerdem noch vor Mückenstichen schützt, und falls nötig impfen lässt, dem sollte im Urlaub eigentlich nichts passieren. Ganz anders stellt sich die Situation für viele Bewohner der Tropen dar. Sie haben kein Geld für Medikamente, aber sie haben auch keine Wahl: Sie müssen in den gefährlichen Gewässern fischen, sie müssen sich dort waschen, und häufig genug besorgen sie sich von dort ihr Trinkwasser.
Sine Maier-Bode, Stand vom 19.07.2012
Sendung: Tropenkrankheiten - Erreger aus der Fremde, 04.09.2006
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Ein einziger Stich der Anopheles-Mücke genügt, um einen Menschen mit dem Malaria-Erreger zu infizieren. Viele sterben an den Folgen der Infektion. Wer in den Tropen lebt oder Urlaub macht, sollte sich deshalb stets vor Mücken schützen.










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