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Wiesenleben

Die regelmäßige Mahd oder Beweidung ist die entscheidende Bedingung für den Erhalt von Wiesen und Weiden. Auf der anderen Seite stellt sie die Pflanzen vor eine große Herausforderung. Schließlich müssen sie den regelmäßigen Schnitt verkraften und möglichst schnell wieder austreiben. Dazu haben sie im Laufe der Evolution verschiedene Strategien entwickelt, die ihnen helfen, die Bedingungen auf dem Standort "Grünland" bestens zu bestehen.

Ein Schaf weidet auf einer Wiese. (Rechte: dpa)

Wiesen werden stark beansprucht

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Gräser

Die Gräser sind wohl die wichtigsten Kulturpflanzen des Menschen. Auf den Wiesen und Weiden wachsen sie in großer Zahl. Sie sind somit die wichtigste Futterquelle für unser Vieh. Aber auch sämtliche Getreidearten, zu denen auch der Reis gehört, gehören zur Familie der Gräser. Dabei sehen alle Gräser auf den ersten Blick ziemlich ähnlich aus. Selbst für Fachleute ist die Unterscheidung der einzelnen Arten nicht ohne weiteres möglich.

Rind auf einer Weide (Rechte: dpa)

Futterquelle für Vieh

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Trotz ihrer Ähnlichkeit gibt es bei den Gräsern eine große Bandbreite der Wuchsformen. Es gibt hochwüchsige und niedrige Gräser. Sie können in sogenannten Horsten dicht aneinander wachsen oder eher in lockerer Anhäufung. Außerdem können sie den Boden gleichmäßig bedecken. Dabei bilden sie entweder oberirdische Ausläufer (Stolonen) oder unterirdische Sprosse (Rhizome) aus, die für die flächige Verteilung der Halme sorgen.

Gräser sind hervorragend an die Beweidung und die Mahd durch den Menschen angepasst. Werden sie abgefressen oder abgemäht, erneuern sie sich einfach an den unteren Knoten. Dadurch werden sie durch die Mahd weniger geschädigt als die Wiesenkräuter. Ein Vorteil, der sich vor allem beim stark beanspruchten und häufig gemähten Rasen zeigt.

Blüte des großen Klappertopfs (Rechte: dpa)

Der große Klappertopf

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Kräuter

Auch die Kräuter haben unterschiedliche Strategien und Lebensformen entwickelt, um sich im Konkurrenzkampf auf Wiesen und Weiden behaupten zu können. Durch unterschiedliche Wuchs- und Blühzeiten werden die Raum- und Nahrungskonkurrenz möglichst gering gehalten. Nur dadurch ist das dichte Zusammenleben der Wiesenpflanzen überhaupt möglich.

Der einjährige Klappertopf überdauert den Winter als Samen, von denen er reichlich produziert hat. Im Frühjahr beginnen diese schon früh zu keimen und verschaffen sich dadurch einen Wachstumsvorsprung. Dabei bedient sich der Halbschmarotzer zusätzlich bei Gräserwurzeln. Dadurch schafft er es, bereits im Mai zu blühen und kann seine Samen in der Regel bereits ausbringen - lange vor der ersten Heuernte, die in der Regel im Juni stattfindet.

Eine ähnliche Taktik besitzt die Frühlings-Knotenblume, die ebenfalls schon früh im Jahr zu blühen beginnt. Sie verfügt über eine Zwiebel, die den Winter im Boden übersteht und nun genug Nährstoffe bereithält, um die Pflanze schnell zur Blüte zu bringen. Bevor der Großteil der anderen Pflanzen zu wachsen beginnt, ist sie schon wieder verblüht und hat Erneuerungsknospen an ihrer Zwiebel gebildet, die im nächsten Frühjahr wieder austreiben.

Herbstzeitlose auf eienr Bergwiese. (Rechte: Mauritius)

Die Herbstzeitlose verfolgt eine ganz eigene Strategie

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Die meisten ausdauernden Wiesenkräuter besitzen ebenfalls ober- oder unterirdische Speicherorgane, etwa in der Form von verdickten Wurzelstöcken oder Sprossen. Dank dieser Reserven überstehen die oberirdisch abgestorbenen Pflanzen den langen Winter – und auch den Schnitt. Sie bilden neue Knospen aus, mit denen sie zu einem neuen Zyklus heranwachsen können.

Ein besonderer Fall unter den Wiesenblumen ist die Herbstzeitlose. Rein äußerlich ähnelt sie stark dem Krokus, blüht aber im Gegensatz zu diesem erst im Herbst. Den Winter überdauert sie als Zwiebel im Boden, bildet im Frühjahr dann Samen und Blätter aus, um den Sommer wieder als Zwiebel im Boden zu verbringen.

Heuernte im April auf einer Wiese (Rechte: dpa)

Häufiges Mähen verringert die Wuchsleistung der Pflanzen

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Mahd

Die Wiesenpflanzen werden durch die Mahd während der Wachstumsphase deutlich geschwächt. Das zweite Austreiben ist meist schon deutlich geringer ausgeprägt. Je häufiger die Wiese geschnitten wird, umso geringer fällt die anschließende Wuchsleistung der Pflanzen aus. Pflanzen, die ihre Entwicklung so an den Mahdrhythmus angepasst haben, dass sie vom Schnitt nicht oder kaum betroffen sind, haben entsprechend deutliche Vorteile. Auch kleinen Wiesenpflanzen bringt der Schnitt durchaus Vorteile, schließlich erhalten sie danach wieder reichlich Sonne. So wirkt der Mensch mit dem Zeitpunkt und auch der Häufigkeit des Schnittes massiv auf die Konkurrenzverhältnisse und damit auch auf die Artenzusammensetzung der Wiese ein.

Dieter Engelmann, Stand vom 03.08.2011

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Bildcollage zum Thema Anbaumethoden. (Rechte: SWR)

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