Alphabetisierung
Oft ist die Angst vor den Reaktionen der Mitmenschen das größte Problem der Betroffenen. Der Bundesverband Alphabetisierung e.V. versucht zusammen mit verschiedenen Partnern, durch Werbekampagnen und andere Öffentlichkeitsarbeit Betroffene zu motivieren einen Lese- und Schreibkurs zu besuchen. Aktionen wie Fernsehspots, Plakate, Ausstellungen und Vorträge sollen neben Analphabeten und ihren Vertrauenspersonen auch andere Multiplikatoren und Einrichtungen sowie die breite Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksam machen. Um Analphabeten den Schritt zum Lesen- und Schreibenlernen zu erleichtern, ist es unbedingt notwendig, dass das Thema an die Öffentlichkeit getragen wird.
Alphabetisierungskurse und das ALFA-Telefon
Volkshochschulen, aber auch andere Einrichtungen der Erwachsenenbildung, bieten Kurse für Erwachsene an, die Lesen und Schreiben lernen wollen. Wer nach Adressen oder Telefonnummern der entsprechenden Kursanbieter sucht oder sich zum Thema Analphabetismus und Alphabetisierung informieren möchte, der kann dies beim so genannten ALFA-Telefon tun. Bei der wichtigsten bundesweiten Anlaufstelle zum Thema Analphabetismus beraten Mitarbeiter des Bundesverbandes Alphabetisierung e.V. anonym Betroffene und Interessierte. Neben allgemeinen Informationen zum Thema Analphabetismus und Alphabetisierung bekommt man hier alle nötigen Hinweise zu Kursen und Hilfsangeboten in ganz Deutschland.
Kriterien leicht lesbarer Lektüre
Für Menschen, die Schwierigkeiten mit der Schriftsprache haben, gibt es Lektüre, die speziell auf Leseprobleme ausgerichtet ist. Hierbei sind Typographie und Layout, die Sprachstruktur und auch der Inhalt eines Textes wichtig.
Die Schrift sollte größer als üblich und eindeutig sein, also möglichst ohne Schnörkel. Außerdem sind ein etwas größerer Abstand zwischen Buchstaben und Wörtern, eineinhalbzeiliger Zeilenabstand, häufige Absätze sowie kein Blocksatz, sondern linksbündiger Flattersatz hilfreich. Von Vorteil für ein einfacheres Lesen ist es auch, wenn der Zeilenumbruch nach Sinnabschnitten gemacht wird und der Text, wenn möglich, durch Illustrationen ergänzt ist.
Wort- und Satzstrukturen sollten einfach und klar sein. Das Lesen wird einfacher, wenn in einem Satz und auf einer Seite die Menge an Informationen überschaubar ist. Und die Länge sowohl von Texten als auch von einzelnen Sätzen sollte begrenzt sein. Außerdem helfen Zwischenüberschriften als Gliederungshilfe. Und Alltagssprache, das heißt die Verwendung von bekannten Begriffen, sowie die Wiederholung von Wörtern oder Wortstämmen, führen dazu, dass ein Text einfacher zu lesen ist.
Nicht zuletzt ist auch der Inhalt eines Textes sehr wichtig. Bei Texten, in denen Biografisches und Bekanntes thematisiert wird, steigt die Motivation zu lesen. Bekannte Erfahrungen, aber auch Wünsche, Hoffnungen, Fantasien oder Ängste im Inhalt eines Textes wecken das Interesse und animieren weiterzulesen. Neben diesen bekannten Elementen motivieren auch neue Informationen sowie Inhalte, die Handlungsperspektiven eröffnen, den Leser.
Andrea Schultens, Stand vom 01.06.2009





