Das Papierspaltverfahren
Wasser und Feuer waren und sind die schlimmsten Feinde eines Buches. Vor dem 19. Jahrhundert sind es vor allem Schimmel, Feuchtigkeit und Tintenfraß, die die Bücher angreifen. Ab dem 19. Jahrhundert ist es überwiegend die Säurebildung des Papiers, die dafür sorgt, dass es im Laufe der Zeit vergilbt und schließlich zerbröselt.
Im schlimmsten Fall, wenn keine andere Restauration mehr greift, repariert man das Buch mit Hilfe der Papierspaltreparatur. In den 60er Jahren wurde dieses Verfahren von Günter Müller an der Universität Jena erfunden. Dazu löst man das Buch aus dem Einband und restauriert jedes Blatt einzeln. Im ersten Schritt wird das Papierblatt in ein Bad gelegt, damit es aufquillt. Der Papierrestaurator bestreicht das zerstörte Papierblatt von der Vorder- und der Rückseite mit flüssiger Gelatine. Die aufgetragene Gelatine wirkt dabei wie ein Klebstoff.
In einem weiteren Schritt wird auf die Vorder- und Rückseite des Buchblattes ein Filterpapier - ähnlich wie Tesafilm - geklebt. Dann kommt der entscheidende Moment. Die klebenden Filterpapiere werden langsam von beiden Seiten des Blattes bis zu einem unteren Rand auseinandergezogen, das Blatt wird in der Mitte gespalten, jedoch nicht ganz - damit die Buchseiten später wieder deckungsgleich zusammengesetzt werden können und die Buchstaben von jeder Seitenhälfte genau aufeinanderpassen.
Im weiteren Verfahren legt man sehr dünnes Japanpapier zwischen die beiden gespaltenen Hälften. Schließlich bestreicht man die Papierhälften und das Japanpapier auf beiden Seiten mit Leim. Danach wird die Buchseite mit dem Japanpapier in der Mitte wieder zusammengedrückt. Die Buchseite kommt nun in ein Enzymbad, damit sich das äußere Filterpapier ablöst, nicht jedoch das Japanpapier in der Mitte. Das neue eingelegte Blatt verleiht der alten Seite sehr viel Stabilität. Die restaurierte Seite ist fast doppelt so dick wie vor dem Verfahren.
Sabine Kaufmann, Stand vom 01.06.2009





