Waldpädagogik
Waldschulen
In Zeiten, in denen Stadtkinder Kühe lila malten und der Wald nur noch widerwillig für langweilige Sonntagsspaziergänge mit den Eltern betreten wurde, ergriffen die Förster Mitte der 80er Jahre die Initiative. Sie entwickelten das Konzept der Waldschule. In fast allen Bundesländern werden diese Waldschulen angeboten, zum Beispiel die "Biologische Station Waldschule Solingen" in Nordrhein-Westfalen. Für einen Tag können die Schulen des Landes den Unterricht in den Wald verlegen. Unter Anleitung kundiger Forstleute beobachten die Schülerinnen und Schüler die Tiere des Waldes, sammeln und untersuchen Pflanzen, analysieren Bäume und studieren vielfältige Lebensformen.
Die Jugendlichen werden ganz nebenbei für den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur sensibilisiert. Sie lernen je nach Altersgruppe die ökologischen und ökonomischen Zusammenhänge, Stoff- und Energiekreisläufe des Waldes kennen, sie erfahren die Aufgabe und die Wirkung des Lebensraumes Wald. "Einmal erleben ist besser als hundert Mal hören", ist das Motto der Waldschulen.
Jugendwaldheim und Walderlebnistag
Jugendwaldheime gibt es seit 1948 - initiiert durch die "Schutzgemeinschaft Deutscher Wald". Zunächst sollten die Schüler in der Nachkriegszeit beim Aufforsten des durch den Krieg zerstörten Waldes helfen. Inzwischen steht in den Heimen aber die Umweltbildung im Vordergrund. Schulklassen können für eine Woche bei der Waldpflege helfen, den Lebensraum Wald kennenlernen und vieles über die Forstwirtschaft erfahren. Für die Jugendlichen sind die Waldlandheime ein Ort der Begegnung mit der Natur. Kinder aller Schulformen nutzen diese Möglichkeit des außerschulischen Lernens. Allein in Niedersachsen nehmen jedes Jahr rund 6000 Schülerinnen und Schülern teil. Das Bundesland reagiert darauf und erweitert das Angebot um neue Ausbildungsplätze in dem Bereich. Im Jahr 2010 wurden bereits 50 Seminarplätze für Waldpädagogen angeboten - Tendenz steigend.
Auch Familien können mehr als nur spazieren gehen im Wald. Viele Forstämter organisieren an Wochenenden Walderlebnistage. Alle Generationen - vom Enkel bis zu den Großeltern - sollen gemeinsam unter fachlicher Anleitung die Natur erleben. In einem bunten Programm wird der Wald als einmaliger Lebensraum voller Vitalität und Vielfalt erlebt. Gleichzeitig ist der Waldtag ein großes Familienfest.
Waldkindergärten
Die Waldkindergärten sind eine der jüngsten Initiativen der Waldpädagogen. 1993 entstand der erste anerkannte deutsche Waldkindergarten in Flensburg, angeregt durch das Vorbild Dänemarks. Da sich die Medien für die neuen Einrichtungen interessierten, wurde die Idee schnell weiter verbreitet. Prinzipiell sind Waldkindergärten ganz normale Kindergärten, in denen die Kinder alles tun, was sie auch in einem Stadtkindergarten tun würden: Spielen, Lernen, Basteln und Singen. Doch im Waldkindergarten verbringen die Kinder den Vormittag im Freien - auch bei Regen und Wind. Nur bei sehr schlechtem Wetter geht es in einen Schutzraum. Moos, Steine, Stöcke, Wurzeln und Blätter sind das Spielzeug. Höhlen, Mulden, umgefallene Baumstämme und Gestrüpp bieten den Raum für viele Abenteuer. Die Kinder werden von Erzieherinnen betreut, die beste Lehrerin jedoch ist die Natur selbst. Durch den weiten Raum, die Stille und die Zeit lernen die Kinder Gelassenheit und Konzentration. Sie üben die Rücksicht auf die Natur und werden mit Pflanzen, Tieren, Erde und Wasser vertraut. Der Wald bietet viele faszinierende Rätsel und ständig neue Situationen, die Fantasie und Kreativität beflügeln. Im Mai 2007 gab es laut der "Schutzgemeinschaft Deutscher Wald" etwa 700 Waldkindergärten in Deutschland.
Julia Lohrmann, Stand vom 13.09.2011






