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Berühmte Worte

Das Wunderwerk unseres Gedächtnisses fasziniert nicht nur die Forscherseelen der Biologen und Psychologen. Zu allen Zeiten haben auch die Schriftsteller auf ihre eigene poetische Weise zum besseren Verständnis unseres Gedächtnisses beigetragen.

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Im Hirn des Augustinus

Augustinus, Philosoph und führender Theologe der Spätantike, spaziert im Geiste durch sein Gehirn:
"Da komme ich denn in die Gefilde und die weiten Hallen des Gedächtnisses, wo die gehäuften Schätze sind der unzählbaren Bilder, die von Dingen aller Art meine Sinne mir zusammentrugen. Dort ist auch alles aufbewahrt, was immer wir denken, indem wir, was unsere Sinne berührt hat, mehren oder mindern oder sonstwie umgestalten; und all das andere, was nicht im Vergessen schon geschwunden und begraben ist, ruht dort geborgen und verwahrt. Wenn ich hier verweile, so ist es ein Fordern, dass man mir bringe, was ich will, und manches kommt sogleich hervor, manches stürzt sich im Schwall daher, und während doch anderes gefordert und gesucht wird, springt es mitten vor dich hin, als riefe es: Sind wir's vielleicht? Und ich scheuche es mit der Hand des Innern weg vom Auge des Nachdenkens, bis sich entwölkt, was ich will, und aus dem Versteck hervortritt in die Sichtbarkeit. Anderes wieder stellt leicht und in unverwirrter Folge, wie es gewünscht, sich ein, und das Frühere weicht dem Spätern, und im Weichen geht es ins Verwahr, bereit zu kommen, wann ich will. Das alles geht vor sich, wenn ich etwas aus der Erinnerung erzähle."

Porträt des Dichters Franz Kafka. (Rechte: dpa)

Franz Kafka staunte über das menschliche Zeitempfinden

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So lang der Augenblick, so kurz das Leben

Unser Zeitempfinden ist launisch: Eine Minute kann sich endlos dehnen, während uns lange Jahre wie im Zeitraffer gekürzt erscheinen. Franz Kafka erinnert sich: "Mein Großvater pflegte zu sagen: Das Leben ist erstaunlich kurz. Jetzt in der Erinnerung drängt es sich mir so zusammen, dass ich zum Beispiel kaum begreife, wie ein junger Mensch sich entschließen kann, ins nächste Dorf zu reiten, ohne zu fürchten, dass - von unglücklichen Zufällen ganz abgesehen - schon die Zeit des gewöhnlichen, glücklich ablaufenden Lebens für einen solchen Ritt bei weitem nicht hinreicht."

Porträt des lachenden Poeten Jorge Luis Borges. (Rechte: dpa)

Borges schrieb ein Lob über das Vergessen

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Von der Gnade des Vergessens

Der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges erzählt in seiner Kurzgeschichte "Das unerbittliche Gedächtnis" von einem jungen Mann, der mit einem perfekten Erinnerungsvermögen ausgestattet ist - und darunter leidet:
"Wir nehmen mit einem Blick drei Gläser auf einem Tisch wahr: Funes sah alle Triebe, Trauben und Beeren, die zu einem Rebstock gehören. Er kannte genau die Formen der südlichen Wolken des Sonnenaufgangs vom 30. April 1882 und vermochte sie in der Erinnerung mit der Maserung auf einem Pergamentband zu vergleichen, den er nur ein einziges Mal angeschaut hatte, und mit den Linien der Gischt, die ein Ruder auf dem Rio Negro am Vorabend des Quebracho-Gefechtes aufgewühlt hatte. Diese Erinnerungen waren indessen nicht einfältig; jedes optische Bild war verbunden mit Muskel-, Wärmeempfindungen usw. Er konnte alle Träume, alle Dämmerungsträume rekonstruieren... Er sagte mir: "Ich allein habe mehr Erinnerungen, als alle Menschen zusammen je gehabt haben, solange die Welt besteht... Mein Gedächtnis, Herr, ist wie eine Abfalltonne." ... "

Julia Ucsnay, Stand vom 23.11.2011

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