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Drei Meilensteine der Gedächtnisforschung

Lange Zeit waren der Erforschung des Gedächtnisses Grenzen gesetzt. Bis vor wenigen Jahren gab es noch keine Möglichkeiten, dem Gehirn direkt bei der Arbeit zuzusehen. Doch die Wissenschaftler fanden andere Wege. Die Geschichten der folgenden drei Personen markieren auf unterschiedliche Weise Meilensteine der Gedächtnisforschung. Noch heute werden sie in fast jedem Lehrbuch aufgeführt.

Eine Porträtaufnahme des Berliner Psychologen Hermann Ebbinghaus. (Rechte: WDR)

Pionier der Gedächtnisforschung: Hermann Ebbinghaus

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Hermann Ebbinghaus: Sein eigenes Versuchskaninchen

Der Berliner Psychologe Hermann Ebbinghaus kam um 1885 auf die revolutionäre Idee, das Gedächtnis experimentell zu erforschen. Dabei war er Versuchsleiter und Versuchsperson in einer Person: Ebbinghaus experimentierte mit einer Fülle sinnloser Silben wie "WUX", "CAZ" und "BIJ". Er notierte penibel, wie viele er davon behielt. Dabei berücksichtigte er die Anzahl von Wiederholungen ebenso wie den Einfluss der Zeit. Es stellte sich heraus, dass Ebbinghaus nach einmaligem Lernen nie mehr als sieben Silben wiedergeben konnte. Und diese vergaß er bereits Sekunden später: Ebbinghaus hatte zum ersten Mal das Kurzzeitgedächtnis getestet.

Viele Zahlen vor einem dunklen Hintergrund. (Rechte: Mauritius)

Merkaufgaben sind für Synästhetiker oft kein Problem

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Shereshevskii: Reporter mit perfektem Gedächtnis

In den 1920er Jahren untersuchte der russische Neuropsychologe Alexander Luria ein erstaunliches Gedächtnis: Der Zeitungsreporter Shereshevskii konnte sich in kürzester Zeit lange Listen von Wörtern, Zahlen und sinnlosen Silben einprägen. Später gab er diese fehlerfrei wieder. Einmal präsentierte man ihm eine mathematische Formel mit 30 Elementen. Er konnte sie sofort wiederholen - und das auch noch nach 15 Jahren.
Dies gelang Shereshevskii auf Grund einer intensiven bildlichen Vorstellungskraft, die Wissenschaftler als "Synästhesie" bezeichnen: Wörter riefen bei ihm visuelle Eindrücke hervor. Üblicherweise platzierte er wie die antiken Mnemotechniker jedes Bild gedanklich auf einer vertrauten Straße. Wollte er sich erinnern, lief er wiederum im Geiste die Straße entlang und sammelte die Bilder ein.

Interessant für die Forscher war vor allem, dass sein ausgezeichnetes Gedächtnis Shereshevskii auch viele Nachteile bescherte: Er konnte sich beispielsweise nicht gut auf die Bedeutung des Gesagten konzentrieren - seine Bilder hinderten ihn daran. Schwierigkeiten hatte er auch, Metaphern oder Poesie zu verstehen. Überhaupt konnte Shereshevskii, vollgestopft mit Details, nur schwer abstrahieren und Gemeinsamkeiten zwischen Ereignissen entdecken.

H.M.: Ein trauriger Fall bringt neue Erkenntnisse

Im Jahre 1953 entfernten die Ärzte bei dem Epileptiker H.M. die vermuteten Krankheitsauslöser im Hirn. Der Eingriff linderte zwar die Anfälle, doch H.M. erlitt dabei einen verheerenden Gedächtnisverlust. Seitdem war er nicht mehr in der Lage, sich etwas Neues länger als wenige Minuten zu merken. Betrat seine Ärztin den Raum, begrüßte er sie stets, als sähe er sie zum ersten Mal.

Das Gedächtnis von H.M. war aber bis zum Moment der Operation noch intakt gewesen. Die Wissenschaftler leiteten aus seinem Fall wichtige Erkenntnisse über das Funktionieren des Gedächtnisses ab: Die bei H.M. entfernten Teile des Gehirns sind für kurzzeitiges Erinnern nicht erforderlich. Sie sind aber auch nicht die endgültigen Speicherorte für die Langzeitinhalte zuvor erworbenen Wissens. Dank ähnlicher Beobachtungen bei Patienten mit Hirnverletzungen entstand im Laufe der Jahre eine Karte der Hirnregionen und ihrer Funktionen.

Julia Ucsnay, Stand vom 23.11.2011

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