Rat & Tat
Ruhe bewahren
Wer unter einem ständigen Strom von Eindrücken steht und permanent Neues aufnehmen muss, vergisst auch leichter. Untersuchungen an Patienten mit Depressionen haben zudem gezeigt, dass eine zu hohe Konzentration des Stresshormons Cortisol die Nervenzellen im Gehirn schädigt. Cortisol hat normalerweise eine wichtige Funktion: Bei nahender Gefahr bereitet es den Körper auf Kampf oder Flucht vor. Das Hirn kann die Produktion von Cortisol aber auch wieder stoppen. Bei Menschen mit Depressionen funktioniert diese Kontrolle oft nicht. Immer mehr Cortisol wird produziert, es herrscht Dauerstress. In der Folge nehmen die Gedächtnisleistungen von Depressiven oft ab. Deshalb heißt es für Menschen, die ihr gutes Gedächtnis behalten wollen: Ruhe bewahren!
Gut aufgepasst ist halb behalten
Eine stressfreie Lebensweise fördert ein gutes Gedächtnis: Wir nehmen uns die Zeit, uns den Dingen aufmerksam zu widmen. Davon hängt ab, wie viel wir behalten. Aufmerksamkeit ist schon dann gefragt, wenn wir uns Namen von neuen Bekanntschaften merken wollen. Am leichtesten geht das, indem wir uns eine ganz persönliche Eselsbrücke bauen:
Hat Frau Segler etwa abstehende Ohren, so lässt sich ihr Name scheinbar ganz natürlich daraus ableiten. Aus Annegret könnte eine Anne werden, die kräht. Leichtes Spiel haben wir mit Namen, die eine konkrete Bedeutung besitzen. Herrn Fuchs sehen wir förmlich vor uns, wie er aus seinem Bau kriecht. Frau Müller dagegen muss sich mit Getreidesäcken abplagen. Etwas mehr Phantasie ist bei Namen ohne Bedeutung gefragt. So könnten wir uns beim Anblick von Herrn Nuskowsky vorstellen, wie er mit einer Nuss auf dem Kopf Ski fährt.
Bewusst verarbeiten
Beim Lernen hilft, neues Material in Beziehung zur eigenen Person zu setzen, auch wenn der Stoff langweilig erscheint. Lesestoff prägt sich gut ein, indem man zum Autor eine aktive, kritische Position einnimmt. Dabei setzen wir das, was er sagt, zu dem in Beziehung, was wir selber wissen. Wir könnten unsere Unzufriedenheit in Worte fassen und uns vorstellen, wie der Autor wohl auf diese Kritik reagieren würde. Bei Fremdsprachen ist es wichtig, nicht nur stur Vokabeln und Grammatikregeln zu pauken. Besser: Situationen erfinden, in denen man später das Gelernte nutzen will.
Tipps vom Gedächtnistrainer
Das klassische "Büffeln", also das sture Lernen aus Büchern, ist Gedächtnis-Experten zufolge die denkbar schlechteste Form, um sich Sachverhalte einzuprägen. Vor allem weil auf diese Weise nur ein Kanal unserer Wahrnehmung bedient wird. Ein Sachverhalt kann aber umso besser erinnert werden, je vielfältiger er mit Gefühlen und Erlebnissen verbunden ist. Beim Lernen möglichst viele Sinne zu bedienen, Emotionen zuzulassen und möglichst noch mit einer Handlung zu verbinden - auf diese Weise ist die Chance besonders groß, dass sich Lerninhalte dauerhaft im Gedächtnis verankern. Zum Lernen gehören Hirn, Herz und Hand beziehungsweise Verstand, Gefühl und Handlung.
Deshalb eignen sich Spiele besonders gut, um das Gedächtnis zu trainieren. Aber selbst das einfache Vokabellernen funktioniert nach Expertenmeinung besser, wenn man nicht stundenlang am Schreibtisch sitzt, sondern dabei spazieren geht oder die Worte über Kopfhörer hört anstatt sie nur zu lesen. Eselsbrücken zu bauen, sich zu den Vokabeln kleine skurrile Geschichten auszudenken, sie zu singen oder zu Gedichten zu verarbeiten, also einfach aktiv und kreativ beim Lernen sein, das hilft und fördert den Spaß daran.
Julia Ucsnay, Stand vom 23.11.2011







