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Schule von morgen

In der Schule von morgen sollen alle Kinder gleichberechtigt lernen können, individuell gefördert werden und die besten Ergebnisse erzielen. An diesem Ziel wird gearbeitet und es tut sich einiges an den deutschen Schulen. Dass Schule hierzulande und heutzutage ein großes und brisantes Thema ist, spiegelt sich auch in der Tagespresse wider. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht etwas über Lernstanderhebungen, Turbo-Abi, Kopfnoten, Schulinspektionen oder Qualitätssicherungen lesen können.

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Erste Verbesserungen

Die Ergebnisse der PISA-Studie 2006 lassen hoffen, dass die Neuerungen greifen, denn die deutschen Schüler haben sich insgesamt verbessert. Doch PISA 2006 hat auch gezeigt, dass Deutschland bezüglich eines Problems keine Fortschritte gemacht hat: Wir gehören weiterhin zu den Ländern mit den größten Leistungsunterschieden zwischen schwachen und starken Schülern. Die schwachen Schüler sind häufig Kinder mit Migrationshintergrund und aus sogenannten bildungsfernen und sozial schwachen Elternhäusern. Ein großes Ziel der Schule von morgen in Deutschland muss es also sein, die vielen sozial und kulturell bedingten unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler zu berücksichtigen und aufzufangen. .

Eine finnische Lehrerin steht neben einer Schülerin und erklärt ihr etwas in einem Buch. (Rechte: dpa)

In Finnland wird individuell gefördert

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Vorbilder im Ausland

Finnland ist Spitzenreiter der PISA-Studie. Auch in der Leistungserhebung 2006 schnitten die finnischen Schüler überdurchschnittlich gut ab. Frühe Förderung und ein spätes Aufteilen der Schüler sowie eine strenge Auswahl der Lehramtsanwärter sind die erfolgreichen Grundsätze des finnischen Bildungssystems. Kritiker der PISA-Studie betonen, dass es die Finnen wegen ihrer in sprachlicher und kultureller Hinsicht sehr homogenen Schülerschaft leicht haben, bei PISA zu glänzen und dass sich das finnische System nicht auf Deutschland übertragen ließe. Denn anders als in Finnland ist an deutschen Schulen der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund groß.

Dass dies jedoch keine Entschuldigung für schlechteres Abschneiden sein kann, führt uns beispielsweise das klassische Einwanderungsland Kanada vor Augen. Auch Kanadas Schüler gehören zu den Besten. In diesem Land mit dem weltweit höchsten Migrantenanteil spielt die Herkunft der Kinder in den Leistungsüberprüfungen eindeutig keine Rolle. Kanada investiert viel Geld in die Bildung des Nachwuchses und überlässt es den Schulen, mit diesem Geld weitgehend eigenständig zu wirtschaften. Die Schulen nutzen das Geld, um genügend Hilfspädagogen einzustellen, die den Kindern muttersprachlichen Unterricht parallel zum Regelunterricht erteilen und um genügend Materialien, Projekte und Fortbildungen zu finanzieren. Jede Schule nach eigener Bedarfslage, abgestimmt auf die jeweilige Schülerschaft. So schafft Kanada, was in Deutschland bisher noch fehlt: eine Schule, in der sich aus der kulturellen und sozialen Herkunft eines Kindes keine Nachteile für seinen schulischen Erfolg ergeben.

Doch manchmal muss man gar nicht über die Grenze schauen, um vorbildliche Schulen zu finden: Eine Grundschule in Dortmund hat gezeigt, wie auch in Deutschland schon gute Schule von morgen gemacht werden kann.

Schüler einer Grundschulklasse sitzen sich an Tischen gegenüber und lösen Aufgaben aus einem Buch. (Rechte: dpa)

Die beste deutsche Grundschule ist in Dortmund .

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Ausgezeichnet: die Grundschule Kleine Kielstraße Dortmund

Die Grundschule Kleine Kielstraße liegt in einem sogenannten sozialen Brennpunkt der Stadt Dortmund. Das bedeutet hohe Arbeitslosigkeit, viele sozial schwache Familien, viele Familien mit Migrationshintergrund. Bei 83 Prozent der Kinder, die die Grundschule Kleine Kielstraße besuchen, ist die Muttersprache nicht deutsch. Hier gehört also nahezu jedes Kind zu den potenziell benachteiligten Schülern Deutschlands. Diese Schule könnte eine typische Problemschule sein, die mit sehr schwachen Leistungen, hohem Frustrations- und Gewaltpotenzial und bildungsfernen Elternhäusern zu kämpfen hat. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Schule ist erster Träger des "Deutschen Schulpreises". 481 Schulen hatten sich 2006 um den von der "Robert Bosch Stiftung" ausgeschriebenen Preis beworben. Die Grundschule Kleine Kielstraße setzte sich in jeder Kategorie gegen alle Mitstreiter durch. Die bewerteten Kategorien sind beispielsweise: besondere Leistungen der Schüler, das Schulklima, Umgang mit Vielfalt und die Unterrichtsqualität.

All die kulturellen, religiösen, sozialen und muttersprachlichen Unterschiede unter einen Hut zu bringen und allen Kindern gleichermaßen die Chance auf schulischen Erfolg zu bieten, gelingt hier auf vorbildliche Art und Weise. Es sind unter anderem zwei Säulen, auf die sich das Gelingen dieser Schule stützt: individuelle Förderung und Einbinden der Eltern in die Schule.

Konzept: individuell fördern

Die individuelle Förderung beginnt schon acht Monate vor Schuleintritt. Am Tag der Anmeldung wird für jedes Kind ein Begleitportfolio angelegt, in dem fortan die Entwicklung des Kindes während der Grundschulzeit dokumentiert wird. Hier werden Fortschritte bezüglich verschiedener Kompetenzen wie sprachliche Entwicklung, alltagsorientiertes Wissen und Gesamtkörperkoordination festgehalten. Nachdem diese Kompetenzen bei Schulanmeldung geprüft wurden, bekommen die Eltern einen Förderbrief mit Empfehlungen, wie sie ihr Kind bis Schulbeginn spielerisch fördern können. Im Unterricht setzt sich dieses Konzept der individuellen Förderung durch zugeschnittene Wochenpläne und Lerntagebücher für jedes Kind fort. Einmal jährlich gibt es den sogenannten Kindersprechtag. In diesem Entwicklungsgespräch hat jedes Kind die Gelegenheit, mit seinem Lehrer über das eigene Lernen, über Fortschritte und Schwächen zu sprechen. Am Ende des Gesprächs wird gemeinsam eine neue Zielvereinbarung getroffen.

Auch die reformierte Eingangsphase der Grundschule unterstützt das Konzept. Jahrgänge gibt es an dieser Grundschule erst ab der dritten Klasse. Schnell lernende Kinder können diese schon nach einem Jahr erreichen, die meisten nach zwei Jahren, und langsam lernende Kinder bleiben auch schon mal drei Jahre in der jahrgangsübergreifenden Eingangsstufe und arbeiten verstärkt in ihren Förderbereichen.

Zwei Eltern unterhalten sich im Klassenraum mit einer Lehrerin. (Rechte: WDR/Regina Bermes)

Eltern werden verstärkt miteinbezogen

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Eltern in der Schule

Die Grundschule Kleine Kielstraße sieht die Eltern als wichtigste Kooperationspartner und die Zusammenarbeit mit ihnen als eine Grundvoraussetzung für die positive Entwicklung der Kinder. Deshalb gibt es beispielsweise den veränderten Elternsprechtag, an dem die Eltern Gelegenheit haben, ihre persönlichen Anliegen vorzutragen und zu erzählen, was die Lehrer über ihr Kind wissen sollten. Speziell für Mütter, die weder deutsch sprechen noch lesen und schreiben können, wurde ein besonderes Projekt ins Leben gerufen: die Rucksackmütter. Rucksackmütter sind Mütter ehemaliger Schüler, die noch immer im Kontakt mit der Schule stehen. Sie helfen bei Verständigungsproblemen und vermitteln zwischen Schule und Eltern. Zudem hat in der Schule täglich das Elterncafé geöffnet, das unter anderem Einzelfallberatung bietet und verschiedene Qualifizierungen ermöglicht, zum Beispiel Sprach- und Computerkurse.

Phoebe Rosenkranz, Stand vom 01.06.2009

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