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Geschichte der Heilpflanzenmedizin

Viele Genuss- und Nahrungsmittel, die wir alltäglich zu uns nehmen, sind eigentlich Heilpflanzen: Der Apfel mit seinem Inhaltsstoff Pektin ist ein echter Darmsanierer, Kaffee kann die Konzentrationsfähigkeit steigern, Thymian ist beinahe schon ein Wunderkraut und Meerrettich wirkt antibakteriell. Vieles wussten schon die alten Ägypter, einige Wirkungen wurden erst vor kurzem entdeckt. Aber schon Paracelsus sagte: "Nichts ist ohn’ Gift." Und deshalb ist es auch wichtig zu wissen, wann und in welcher Dosis Heilpflanzen eingesetzt werden sollten.

Pfarrer Sebastian Kneipp (Rechte: AKG)

Pfarrer Sebastian Kneipp

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Geschichte der Heilpflanzen

Die Geschichte der Heilpflanzen ist eine sehr alte. Schon Jäger und Sammler setzten Pflanzen zur Heilung ein: So wurden bei dem etwa 5300 Jahre alten “Ötzi“, der Gletschermumie vom Tisenjoch, Birkenporlinge gefunden. Das ist ein Pilz, der gegen Magen-Darm-Beschwerden hilft. In babylonischen, altägyptischen, indischen und chinesischen Texten tauchen immer wieder Hinweise dazu auf, wie Pflanzen medizinisch genutzt und wie sie angebaut werden. Eines der ältesten medizinischen Schriftstücke ist der sogenannte “Papyrus Ebers“. Er wurde etwa zwischen 1550 und 1525 vor Christus im alten Ägypten verfasst. Knapp 19 Meter Länge misst der Papyrus, heute befindet er sich in der Universitätsbibliothek Leipzig.

Heilkunst beeinflusste um etwa 1000 nach Christus auch die europäische Welt; im Mittelalter trieben vor allem Mönche und Nonnen das Wissen über Heilpflanzen voran. Ende des 19. Jahrhunderts erlebten die Heilpflanzen mit dem Priester Johann Künzle aus der Schweiz und dem Pfarrer Sebastian Kneipp Aus Deutschland eine Auferstehung: Sie plädierten wieder für eine Rückbesinnung auf die pflanzlichen Heiler. Doch erst in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts begann dann die Wissenschaft, sich mit Heilpflanzen zu beschäftigen. In den vergangenen Jahren gab es schließlich eine regelrechte Renaissance der Heilpflanzen: Pro Jahr werden in Deutschland durchschnittlich 45.000 Tonnen Heilpflanzen verbraucht.

Das homöopathische Mittel Gelsemium sempervirens. (Rechte: Imagebroker)

Das homöopathische Mittel Gelsemium sempervirens

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Pflanzen als Arzneimittel: Phytotherapie

Heutzutage herrschen genaue Vorgaben darüber, wie viel Wirkstoff in einem Medikament aus Pflanzen enthalten sein muss. Es gibt wissenschaftliche Studien über die Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Pflanzen. Heilpflanzen können verschieden für medizinische Zwecke genutzt werden: Zum einen kann die Pflanze an sich als Medizin genommen werden. Zum anderen gibt es Arzneien, die aus rohen oder zubereiteten Pflanzenteilen - der sogenannten Droge - bestehen. Die Pharmazie nutzt meist pflanzliche Drogen als natürliche Rohstoffe. Die Inhaltsstoffe dieser Droge werden extrahiert, damit dann daraus ein Arzneimittel hergestellt werden kann. Allerdings: Je nachdem, wie ein Wirkstoff extrahiert wird, oder aus welchem Teil einer Pflanze, können unterschiedlichste Extrakte gewonnen werden.

Ein phytogener Arzneistoff ist ein bestimmter Stoff einer Heilpflanze, der medizinisch wirksam ist. Ein Phytopharmakon ist schließlich ein Arzneimittel, das aus einer Heilpflanze gewonnen wird und meist mit anderen Hilfsstoffen versetzt wird. Seine Wirkung ist experimentell geprüft und seine Wirksamkeit in klinischen Studien und durch ärztliches Erfahrungswissen nachgewiesen. Diese Phytopharmaka gibt es unter anderem als Dragees, Tropfen und Tabletten. Damit in jeder Arzneiform auch immer die gleiche Menge an heilkräftigen Pflanzenstoffen enthalten ist, muss der gesamte Herstellungsprozess ständig überwacht werden. Nur so ist eine gleichbleibende Wirkqualität zu gewährleisten.

Gelbe Blüten eines Johanniskrautstrauchs. (Rechte: Imagebroker)

Johanniskraut als Antidepressivum

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Selbstmedikation

Heilpflanzen sind doch ganz natürlich und deshalb bestimmt ganz ungefährlich. Denkt man. Doch so einfach ist es leider nicht. Viele Pflanzen können in bestimmten Dosen heilen - und in anderen Dosen sogar vieles schlimmer machen. Nur weil etwas pflanzlich oder natürlich ist, heißt es deshalb noch lange nicht, dass es auch keine Nebenwirkungen hat. Dieses Missverständnis herrscht leider immer noch zu oft vor. Zudem kann es sein, dass in einer bestimmten Pflanzenart - je nach Pflanze oder auch je nach Erntejahr - der Wirkstoffgehalt enorm unterschiedlich ist. Vor allem wer sich nicht auskennt, sollte nicht einfach losgehen und sich seine Heilpflanze im Wald pflücken. Es ist immer ratsam, einen Arzt oder Apotheker zu fragen. Das gilt besonders dann, wenn schon andere Medikamente eingenommen werden oder eine Operation bevorsteht.

Heilpflanzen und Umwelt

Heilpflanzen sind beliebt - und leider auch gefährdet. 45.000 Tonnen werden pro Jahr durchschnittlich in Deutschland verbraucht. Damit ist Deutschland in Europa die Nummer eins unter den Nutzern und Händlern von Heilpflanzen. Viele der Pflanzen, die bei uns besonders beliebt, sind werden in ärmeren Ländern gesammelt, zum Beispiel in China, Indien oder in afrikanischen und südosteuropäischen Ländern. Doch dort wurden, vor allem aufgrund der hohen Nachfrage aus Europa, die Heilpflanzen häufig in freier Natur gesammelt. Die Pflanzen wurden zudem so ausgerissen, dass nichts mehr nachwachsen konnte.

Teufelskralle (Rechte: Mauritius)

Die Teufelskralle hilft bei arthritischen Beschwerden

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Beispiel: die Teufelskralle

Die Teufelskralle wächst in Namibia, Botswana und Südafrika. In Deutschland ist die Pflanze wegen ihrer Wirkung gegen arthritische Beschwerden und Rheuma sehr beliebt. Aufgrund der hohen Nachfrage kam es schnell zu einer Übernutzung der Teufelskralle. Des Weiteren führte unsachgemäßes Sammeln dazu, dass die Teufelskralle schnell vom Aussterben bedroht war. Das wäre jedoch nicht nur ökologisch ein Desaster, sondern es würde auch die Lebensgrundlage der Sammler zerstören. Inzwischen gibt es Projekte, die auf ein nachhaltiges Ernten der Heilpflanze zielen. So können die Bestände gesichert werden und sowohl die Sammler als auch die Nutzer der Teufelskralle profitieren langfristig davon.

Lisa Hirn, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Klostermedizin - Heilkunst der Mönche , 21.01.2005

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