Was sind Hausmittel?
Hausmittelchen, das sind nicht nur bestimmte Mittel, die man einnehmen kann, sondern auch verschiedene, einfach anzuwendende Methoden. Zu den bekanntesten Methoden zählen zum Beispiel Waden-, Hals- oder Brustwickel. Auch weitere Methoden wie zum Beispiel Tees, Bäder, Dampfbäder, Säckchen oder Auflagen gehören dazu. Die Mittel werden vor allem aus bekannten Heilpflanzen gewonnen. Angewendet werden sie vor allem als Tee, Saft, Tinktur oder Salbe. Unzählige Pflanzen haben nachgewiesenermaßen eine phytomedizinische Wirkung, zum Beispiel Thymian, der schleimlösend wirkt oder die Kamille, die vor allem eine entzündungshemmende Wirkung hat. Aber nicht nur Heilpflanzen tragen Wirkstoffe in sich, auch der Hopfen, ein Getreide, kann heilen. In Form von Bier – auch alkoholfreien Bier – unterstützt er die Antibiotikatherapie. Und Hopfenzapfen haben eine müde machende Wirkung. Sie helfen beim einschlafen. Einfach ein paar davon in ein kleines Kissen packen, dann kann man normal tief und gut schlafen, träumt und wacht morgens wieder frisch auf. Auch Lebensmittel werden als Hausmittelchen verwendet. Zum Beispiel Kartoffeln, Quark, Zwiebeln, Knoblauch, Joghurt oder Honig. Letzterer hilft zum Beispiel sehr gut bei der Wundheilung.
Ein Blick in die Geschichte der Hausmittelchen
Das Wissen um die Wirkung von pflanzlichen Stoffen stammt aus dem Mittelalter. Neben Klöstern waren es vor allem Kräuterfrauen, die damit arbeiteten und ihr Wissen von Generation zu Generation weitergaben. Das Klosterwissen nimmt seinen Ursprung bei griechischen Ärzten also Hippokrates und Dioskurides. Ihre Schriften fanden Eingang in die Klostermedizin und wurden ursprünglich ausgehend vom Benediktinerorden von Mönchen abgeschrieben und in die Klöster gebracht. Mönche und Nonnen konnten lesen und schreiben – das war ein klarer Vorteil gegenüber der Bevölkerung. So konnten sie das Wissen studieren und schriftlich weitergeben. Eine große Persönlichkeit in der Kräuterheilkunde war Hildegard von Bingen. Sie war ihrer Zeit - im späten Mittelalter – sicherlich herausragend. Sie ging zum einen gegen den allgemeinen Glauben Krankheit als Strafe Gottes zu sehen an und predigte die Linderung von Krankheiten als einen Akt der Barmherzigkeit. Sie hatte auch hellseherische Kräfte und durch Eingebungen beschrieb sie um die 24 neuen Heilpflanzen, die in den alten Schriften nicht zu finden waren, darunter auch die heilkräftige Wirkung der Ringelblume zur Wundbehandlung. Auch Pfarrer Sebastian Kneipp spielte Ende des 19. Jahrhunderts eine große Rolle, weil er die mittlerweile in Vergessenheit geratene Kräuterheilkunde wiederbelebte und die Hydrotherapie, also die Wassertherapie schuf. Das Wissen um die alten Heilmethoden wird bis heute aufgearbeitet, so gibt es an der Uni Würzburg zum Beispiel die Forschungsgruppe Klostermedizin.
Wo Oma sich irrte…
Wer allerdings glaubt, Omas Hausmittelchen sind nebenwirkungsfrei, irrt sich gewaltig. Viele Heilpflanzen haben Wechselwirkungen mit anderen Mitteln oder können Allergien auslösen. Deshalb sollte man sich vorher schon genau informieren, bevor man sie anwendet. Ein Beispiel ist das Johanniskraut, das sehr oft bei Depressionen oder Wechseljahresbeschwerden eingesetzt wird. In hoher Dosierung kann es sehr stark auf Sonnenlicht reagieren oder die Wirkung anderer Arzneimittel, wie zum Beispiel der Pille einschränken. Ein anderes Beispiel ist die Arnika, die meist als Tinktur verwendet wird und bei Prellungen, stumpfen Verletzungen, Krampfadern, Venenentzündungen, Nagelbettentzündungen auch als Auflage hilft. Doch Arnika kann auch Allergien auslösen und ist daher nur äußerlich anzuwenden. In vielen alten Büchern steht über Arnika, dass sie das Herz stärkt, aber das Gegenteil ist der Fall. Sie kann sogar zu Herzbeschwerden führen! Neben diesem haben sich im Laufe der Jahre auch einige andere Irrtümer in das alte Wissen geschlichen. Zum Beispiel, dass die Einnahme von Vitamin C bei Erkältung hilft – es gibt bis heute keine einzige Studie, die dies belegt. Ein weiterer Irrtum sind Dampfbäder mit Meersalz zur Inhalation bei Erkältung. Das bringt gar nichts, bzw. kann man dann auch nur mit Wasserdampf inhalieren, da das Salz in heißem Wasser nicht mitverdampft. Manche Irrtümer sind sogar kontraproduktiv, wie zum Beispiel der Tipp, Mehl auf offene wunden zu streuen – das bringt nicht nur nichts, im Gegenteil: das Mehl kann die Wunde verkleben und das wiederum kann zu einer bösen Entzündung führen.
Kerstin Eva Zeter, Stand vom 20.11.2009






