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Vidal Sassoon

Eigentlich wollte der schmächtige Junge aus dem Londoner Armenviertel nie Friseur werden. Heute genießt Vidal Sassoon den Ruhm, "Revolutionär der Haarmode" genannt zu werden. Millionen von Frauen in Europa und den USA erlöste er in den 60er Jahren vom Frisuren-Trauma: Lockenwickler, heiße Trockenhauben, unangenehme Toupierkämme, ordentlich Haarspray und endlose Sitzungen beim Friseur waren Alltag. Bis Sassoon 1963 den "Bob" präsentierte: einen einfachen Haarschnitt mit gerader, kinnlanger Konturlinie, flippig und einfach zu tragen.

Starfriseur Vidal Sassoon am 17. März 1999 bei der Verleihung der britischen Modepreise in London, wo er für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. (Rechte: dpa)

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Sassoons Look

Als die Beatles in den Swinging Sixties die Musik revolutionierten, lancierte Sassoon den geometrischen Haarschnitt. 1963 folgten der Bob, der V-Schnitt und der Five-Point-Cut mit seinen fünf geometrischen Spitzen. Es kam ihm darauf an, dass die Haare natürlich fielen. Jahrelang experimentierte er mit neuen Schneidetechniken und geometrischen Schnitten. Bereits in den 20er Jahren hatte es mit dem Bubikopf und dem Garçonne-Schnitt praktische Kurzhaarfrisuren für Frauen gegeben. Durch Sassoon bekamen die damals so politisch motivierten Frisuren neuen Aufschwung, Sassoon etablierte sie im Mainstream. Damit lag er genau im Trend.

Die Kurzhaarfrisur - kurzer Pony, freigeschnittene Ohren -, die Schauspielerin Mia Farrow in ,Rosemarys Baby' trug, wurde Vorbild für viele Frauen. (Rechte: dpa)

Mia Farrow mit Sassoon-Schnitt

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Trend-Setter

In den 60er Jahren schnitt er der Minirock-Designerin Mary Quant einen Pagenkopf mit eckigen Konturen, der exakt zu den streng geometrischen Formen ihrer Mode passte. Der berühmte Französische Modeschöpfer Emanuel Ungaro wurde vorstellig und bat um Asymmetrisches, passend zu seiner Avantgarde-Mode. Schließlich folgte Hollywood mit Stars wie Mia Farrow, die seine raspelkurze Kreation in Roman Polanskis Film "Rosemarys Baby" bekannt machte.

Haarschneiden als Kunstform

Mit Sassoon wurde das "Haarschneiden" zur Kunstform erhoben, und der Friseur war nicht länger ein "Haarschneider", sondern avancierte zum kreativen Stylist. Der 1928 geborene Vidal Sassoon hat eine Bilderbuchkarriere gemacht: Er wuchs im Londoner East End auf und verließ mit 14 Jahren die Schule, um eine Ausbildung als "Shampoo-Boy" in einem Friseursalon in London-Mayfair zu machen. Schon bald gewann er Wettbewerbe, und 1954 eröffnete er seinen ersten eigenen Salon in der renommierten Bond Street. 1966 nahm die erste Vidal-Sassoon-Schule für Friseure ihre Arbeit auf, Sassoon zog nach Los Angeles.

Sassoon-Imperium

Heute arbeiten über 30 Salons von London bis Osaka nach dem Vidal-Prinzip, Schulen in London und Los Angeles vermitteln Methoden und Techniken. 1974 kreierte Sassoon die Haarpflegeserie "Wash and go". Sein Name wurde zur Marke, er selbst zum Multimillionär. 1983, mit Mitte 50, läutete Sassoon seinen Rückzug als Alleineigentümer ein. Er verkaufte die Produktabteilung, die Salonkette übergab er zwei engen Mitarbeitern. Zwar ist der Firmengründer seinem angesehenen Frisuren-Haus bis heute als Repräsentant treu geblieben, doch widmet er sich anderen Dingen: Zum Beispiel gründete er das "Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism" an der Hebräischen Universität in Jerusalem. 1999 wurde Vidal Sassoon für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Nathalie Muntermann, Stand vom 17.11.2006

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