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Die päpstliche Tiara - Kirchliches Symbol der Macht

Sie wird schon seit langem nicht mehr getragen, ist aber immer noch immer ein bedeutendes päpstliches Symbol: die Tiara, die Dreifachkrone des Papstes. Sie ist Ausdruck des Versuchs der katholischen Kirche, im Mittelalter aus der kirchlichen Vorrangstellung eine weltliche Machtposition zu entwickeln. Als Vorbilder für die Tiara dienten die persische Krone und die phrygische Zipfelmütze. Papst Paul VI. legte seine Tiara in einem feierlichen Akt 1964 im Petersdom ab. Seine Nachfolger trugen sie daraufhin ebenfalls nicht mehr.

Schwarzweißer Kupferstich vom Ende des 16. Jahrhunderts, der Papst Gregor XIII. zeigt. Er trägt eine Tiara, eine hohe nach oben spitz zulaufende Papstkrone. (Rechte: AKG)

Gregor XIII. mit Tiara

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Die Bedeutung der Dreifachkrone

Papst Benedikt XVI. verzichtet nun ganz auf die Tiara als Symbol. Bis zu seinem Amtsantritt war sie zumindest auf den Wappen seiner Vorgänger zu sehen gewesen. Benedikt XVI. ersetzte jedoch das Zeichen der Macht durch die einfache Mitra - die Bischofsmütze - mit drei goldenen Bändern. Ursprünglich stammt die Dreifachkrone aus dem byzantinischen Hofzeremoniell. Bis zum 8. Jahrhundert nach Christus wurde nie eine besondere päpstliche Kopfbedeckung erwähnt. Es war Papst Konstantin I. (708-715), der eine weiße Haube mit goldener Borte trug, die Camelaucum hieß. Später wurde der Rand zum Kronreif mit Zacken und diese Kopfbedeckung somit eine Vorstufe der Tiara. Im 9. Jahrhundert etablierte sich dafür der Name regnum (= Königreich). Als die Kopfbedeckung schließlich mit drei Kronreifen geschmückt wurde, nannte man sie triregnum (= drei Königreiche), wovon der Name Tiara abgeleitet ist. Es gibt verschiedene Arten, die drei Kronen zu deuten: Zum einen war das triregnum wohl eine Anlehnung an die weltlichen drei Kronen (golden, silbern, eisern), die nach der Auffassung im 13. Jahrhundert dem Kaiser zukamen. Bezogen auf das päpstliche Amt stehen sie für die drei Aufgaben "lehren, lenken, heiligen". Außerdem kann man die Dreifachkrone auch als Widerspiegelung der Dreieinigkeit Gottes deuten.

Das Bild zeigt das Wappen von Benedikt VXI. Darauf zu sehen sind eine Jakobsmuschel und zwei Symbole aus der bayerischen Tradition: der 'Freisinger Mohr' und der Korbiniansbär. Dahinter befinden sich ein goldener und eine silberner Schlüssel, die übereinander gekreuzt sind. Im oberen Teil des Wappens erkennt man eine Bischofsmütze. Sie ist silberfarbig mit drei goldenen Streifen. (Rechte: dpa)

Auch in Benedikts Wappen fehlt die Tiara

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Kopfbedeckung bei öffentlichen Auftritten

Ab dem 14. Jahrhundert hatte die Tiara die Form eines bauchigen Kegels mit drei kronenförmig gestalteten Ringen. Diese endeten in einem Knauf. Zunächst war dieser mit einem Rubin besetzt, dann mit einem goldenen Kreuz auf einem kleinen symbolischen Globus. Schon zu dieser Zeit diente die Tiara dem Papst nur als Kopfbedeckung bei öffentlichen Auftritten; zu liturgischen Anlässen trug der Papst schon damals stets die bischöfliche Mitra - als Bischof von Rom. Bei der feierlichen Einführung erhielt der neue Papst - bis Paul VI. sie endgültig ablegte - die Tiara vom ersten Kardinaldiakon mit folgenden Worten überreicht: "Empfange die dreifach gekrönte Tiara und wisse, dass Du der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises und der Vikar Jesu Christi, unseres Erlösers, auf Erden bist." Die Nachfolger Pauls VI. verzichteten bei ihrer Einführung auf die Dreifachkrone; seit 1964 wird dem neuen Papst das Pallium als päpstliches Amtszeichen überreicht, ein besticktes Schmuckband, das ringförmig auf den Schultern aufliegt.

Die Tiara - als Geschenk und Kriegsentschädigung

Bemerkenswert: Im Petersdom befindet sich eine Tiara, die nie von einem Menschen getragen wurde. Sie wurde 1736 extra für die Bronzestatue des Heiligen Petrus angefertigt und wird dieser alljährlich zum Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus aufgesetzt. Als die Tiara noch vom Oberhaupt der katholischen Kirche getragen wurde, war diese oftmals ein Geschenk des heimatlichen bischöflichen Amtsbezirks des Papstes. Gregor XVI. (1831-1846) erhielt seine Tiara von mächtiger Stelle: Er bekam sie von der spanischen Königin Isabella II. geschenkt. Napoleon verhielt sich gegenüber dem Oberhaupt der katholischen Kirche nicht sonderlich großzügig. Im Gegenteil: Er zwang Pius VI. (1775-1799), die von Napoleon 1797 auferlegte Kriegsentschädigung durch den Verkauf von sieben kostbaren Tiaren zu begleichen. Als Giovanni Battista Montini, Kardinal und Erzbischof von Mailand, 1963 zum Papst gewählt wurde, schenkte ihm sein Bistum eine aufwendig gestaltete, fünf Pfund schwere Tiara: aus Silber, mit drei goldenen Kronreifen und einem goldenen Kreuz versehen und mit 15 Diamanten und anderen Edelsteinen besetzt.

Das päpstliche Symbol animierte zum Spenden

Doch als Paul VI. legte er dieses wertvolle Geschenk nur ein knappes Jahr später feierlich ab - und beendete damit die Ära der päpstlichen Dreifachkrone. Rahmen dieses Aktes war die dritte Periode des Zweiten Vatikanischen Konzils, das auch das Thema "Armut in der Welt" behandelte. Paul VI. schenkte die Tiara im Wert von rund 10.000 US-Dollar den amerikanischen Katholiken als Dank für ihre großzügigen Spenden zugunsten der Armen in der Welt. Die Tiara reiste anschließend als Ausstellungsstück durch die USA und animierte die Gläubigen zum Spenden. So kam in den Vereinigten Staaten erneut viel Geld für karitative Zwecke zusammen, beispielsweise für die Armen- und Sterbehäuser von Mutter Theresa. Seit Juni 1968 wird die Tiara Pauls VI. in Washington in der Krypta des "National Shrine of the Immaculate Conception", dem Nationalheiligtum der nordamerikanischen Katholiken, aufbewahrt.

Alexandra Stober, Stand vom 01.06.2009

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