Tätowierstile - so vielfältig wie die Menschen
Keltische und Tribal-Motive
Typisch für den keltischen Stil sind verschlungene Zeichnungen, Flechtwerke und Spiralmuster. Die meist schwarzen Muster gehen auf Buchmalereien irischer Mönche im frühen Mittelalter zurück. Neben den keltischen Verzierungen erfreut sich heute der Tribal-Stil großer Beliebtheit. Die schwarzen, scherenschnittartigen Ornamente mit stark geometrischer Ausrichtung gehen auf die Tatau-Elemente der Polynesen zurück.
Die Seefahrer, die die Hautkunst der Polynesen im 18. Jahrhundert nach Europa brachten, entwickelten schnell ihren eigenen Stil. Die Traditionals genannten maritimen Bilder der Matrosen wie Segelschiffe, Anker, Kreuze, Meerjungfrauen und von Dolchen durchstoßene oder von Flammen umzüngelte Herzen folgen einer eigenen, einfach strukturierten Symbolsprache. Ein Leuchtturm mit dem Namen der Heimatstadt sollte dem Seefahrer Glück auf seinen Reisen bringen, eine Madonna oder Jungfrau Maria stand für die Nähe zu Leben und Tod. Ein Anker bedeutete, dass sein Träger den Atlantischen Ozean überquert hatte.
Delphine, Indianer, Totenköpfe
Zu allen Zeiten beliebt waren Natur-Bilder mit Tieren und Pflanzen. Besonders Frauen mögen die natürlichen Motive – man denke an die Rose auf der Schulter oder an den Delphin, der sich unterhalb von so manchem Bauchnabel tummelt. Ebenfalls mit der Natur verbunden sind Indianer-Tattoos. Diese haben wenig mit den ursprünglichen Hautbildern Nordamerikas zu tun, sondern drücken mehr eine Wildwestromantik à la Lederstrumpf und Winnetou aus. Gern genommen sind die Köpfe stolzer Häuptlinge, aber auch Tiere, die man allgemein mit der Welt der Indianer verbindet: Adler, Falken oder Bären. Besonders Hippies und Biker hatten in den 60er und 70er Jahren die Prärie-Motive für sich entdeckt. Viele Träger von Indianer-Tattoos bekunden damit ihre Sympathie mit den Indianerstämmen.
In den 70er Jahren boomten düstere Horror- und Todes-Bilder. Grinsende Totenköpfe und Skelette ließen sich vorher nur die Soldaten beider Weltkriege, die täglich mit dem Tod konfrontiert waren, stechen. In den 70er Jahren drückten vor allem Biker mit Bildern von Teufeln, Hexen oder Zombies ihre Angst vor der Zukunft und ihre Verachtung der Gesellschaft aus. Eine Zeit, in der die schwermütige, Vernichtung und Verderben spiegelnde Heavy Metal-Musik ebenso in Mode kam wie Horrorfilme nach dem Muster von "Halloween" oder "Freitag, der 13."
Mickey Maus, Elfen, Roboter
Sinnfrei und bunt geht es in der Stilrichtung Comic zu. Ob Superman, Mickey Maus oder Fred Feuerstein – erlaubt ist, was gefällt. Das gilt auch für Porträts von Prominenten. Besonders populär sind möglichst realistische, fotoartige Abbilder verstorbener Helden wie Martin Luther King, James Dean oder Marilyn Monroe.
Die Figuren aus Tolkiens Hobbit-Welt liefern die Motive für den Fantasy-Stil. Immer mehr Prinzessinnen, Elfen, Zauberer und Kobolde bahnen sich aus den Büchern dieser literarischen Gattung ihren Weg auf die Haut ihrer Fans.
Eine neue Stilrichtung vereint Fantasy und Sciene Fiction. Inspiriert sind die neuen Motive von den biomechanischen Plastiken und Bildern des Schweizer Künstlers H.R. Gigers. Auf biomechanischen Tattoos fusioniert der Mensch mit der Maschine. Androiden und Roboter mit humaner Hülle reißen sich den Leib auf, zum Vorschein kommt chromblitzendes Metall. Klaffende Oberschenkel geben den Blick frei auf ein unbeirrbar arbeitendes inneres Räderwerk – oder lose Kabel hängen aus der Bauchdecke heraus.
Viele Tätowierer schließen sich keinem bestimmten Stil an, sondern stellen mit individuellen Customs, Kundenanfertigungen, die einzigartigen Eigenschaften der Menschen, die sie tätowieren, in den Vordergrund. Ein Custom ist immer ein Einzelstück.
Beatrix von Kalben, Stand vom 30.11.2010








