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Sondermüll

Leere Lack- und Spraydosen, Entwickler aus dem Hobbyraum, Altöl aus der Garage und Batterien aus der Fernbedienung: In privaten Haushalten fallen so manche Dinge an, die nicht in den normalen Hausmüll dürfen. Sondermüll nennt man all jene Abfälle, die speziell entsorgt werden müssen. Doch warum dürfen Reste von WC-Reinigern oder Holzschutzlacken eigentlich nicht in die graue Tonne?

Ein großer, grüner Sammelcontainer steht am Wegesrand. (Rechte: WDR)

Was gehört nicht in den Hausmüll?

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Gefährlicher Müll

Was in Deutschland als Sondermüll zählt, ist entweder giftig, explosiv, brennbar oder enthält unter Umständen Krankheitserreger. Krankenhausabfälle beispielsweise dürfen nicht einfach mit dem normalen Müll entsorgt werden, da sie kontaminiert sein könnten. Leere Lackdosen dagegen enthalten giftige Reste von Chemikalien. Und Spraydosen könnten unter Hitzeeinwirkung explodieren, sie stellen also eine zusätzliche Gefahrenquelle dar.

Blick auf eine Mülldeponie mit einer Abraumhalde, einem See und Baggern. (Rechte: WDR/Paul Eckenroth)

Sondermülldeponie in Hürth

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Der Sondermüll aus privaten Haushalten macht nur einen Bruchteil der schädlichen Stoffe aus, die in der Industrie anfallen. Der Müll wird entweder in Sondermüllverbrennungsanlagen bei höheren Temperaturen als normaler Müll verbrannt. Oder er wird auf Sondermülldeponien endgelagert.

Das Problem der Sondermülldeponien liegt auf der Hand. Die Schadstoffe emittieren in die Luft, vor allem aber in den Boden. Denn selbst bei gesondert abgedichteten Standorten, die auch noch auf sehr undurchlässigen Böden angelegt sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Gifte und Chemikalien in den Boden sickern und ihn - auch langfristig - verseuchen.

Auf einem Felsen in einem Fluss stehen vier Männer. Zwei weitere haben sich abgeseilt und entrollen ein gelbes Transparent mit der Aufschrift 'Atommüll - wohin?' Die Greenpeace-Aktivisten haben auf dem Felsen die Schweizer Flagge gehisst. (Rechte: WDR/Dorothea Müller)

Greenpeace-Protest gegen Atommüll

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Auf der Suche nach einem Endlager

Besonders langlebige oder wasserlösliche Sonderabfälle müssen unterirdisch gelagert werden. Wie sicher diese Untertagedeponien sind, ist immer noch ungeklärt. Das größte Problem stellt dabei radioaktiver Abfall dar. Er stammt nicht nur aus Kernkraftwerken, sondern auch aus Kernforschungszentren und aus der Industrie. Da die Halbwertszeit des strahlenden Mülls zum Teil extrem hoch ist, muss er für Tausende von Jahren sicher gelagert werden. 1967 versenkte die Bundesrepublik Deutschland 80 Fässer mit radioaktiven Abfällen im Meer 800 Kilometer vor der portugiesisch-spanischen Küste. Seitdem wird hierzulande bevorzugt, den strahlenden Müll in tiefen Gesteinsschichten zu lagern. In Deutschland wird allerdings immer noch nach einem geeigneten Endlager gesucht.

Das ehemalige Salzbergwerk Morsleben in Sachsen-Anhalt nutzte die DDR seit 1971 als Atommüll-Endlager. Nach der Wende 1990 wurde es als gesamtdeutsches Lager weiterbetrieben. Allerdings stoppte 1998 ein Gerichtsbeschluss die Einlagerung – drei Jahre später wurde es endgültig stillgelegt.

Seit 1979 erkundeten Experten, ob sich der Salzstock in Gorleben (Niedersachsen) als Endlager für stark radioaktive Abfälle eignet. Im Jahr 2000 wurden die Arbeiten allerdings unterbrochen, um "grundsätzliche Sicherheitsfragen zu beantworten", wie es beim Bundesamt für Strahlenschutz heißt.
Erklärtes Ziel der rot-grünen Regierung von 1998 bis 2005 war es, nur ein Endlager für ganz Deutschland aufzubauen. Auch die seit 2005 regierende Große Koalition hält daran fest. Um ein nationales Endlager im Jahr 2030 nutzen zu können, müsste der Standort etwa 2020 feststehen. Der "Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland" (BUND) kritisiert, dass die Suche nach einem Endlager zurzeit zu stark auf Gorleben festgelegt sei. Andere Lager müssten sich geradezu "aufdrängen", damit Gorleben nicht weiter untersucht werde. Die Anwohner müssen jetzt schon in der Nähe eines Zwischenlagers leben. Das Endlager würde im benachbarten Salzstock platziert.

Im ehemaligen Eisenerzbergwerk "Schacht Konrad" bei Salzgitter (Niedersachsen) werden bald schwach- und mittelradioaktive Abfälle endgelagert. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat Klagen von Kommunen und Anwohnern im März 2006 abgewiesen. Die Revision zum Bundesverwaltungsgericht wurde nicht zugelassen. Seit April 2007 ist das Urteil rechtskräftig und nicht mehr anfechtbar. Die Vorbereitungen zum Umbau des Schachtes haben mittlerweile begonnen. Das Bundesamt für Strahlenschutz rechnet damit, dass erste radioaktive Abfälle im Jahr 2013 endgelagert werden können.

Die Entsorgung von Sondermüll ist kostspielig

Die Entsorgung der Sonderabfälle ist sehr teuer. Auch wenn Giftmülltransporte in Deutschland - wie in vielen Ländern auch - geächtet sind, herrscht ein reger illegaler Handel mit den Schadstoffen. Vor allem in so genannte Dritte-Welt-Länder oder aber nach Osteuropa wird der giftige Müll transportiert. Denn mit den Transporten lässt sich für die beteiligten Unternehmen eine Menge Geld einsparen. Exporte in die "Billig-Müll-Länder" kosten oft nur ein Viertel von dem, was in Deutschland für die Entsorgung zu zahlen wäre.

Doch auch legal entsorgter Sondermüll bereitet auf Dauer Probleme. Da der Müll nicht abgebaut wird, werden Entsorgungskapazitäten knapp. Anregungen, Sondermüll einzusparen oder gar zu recyceln, fehlen aber meistens. Dabei kann auch Sondermüll vermieden werden. Als beispielsweise die Dünnsäure-Verklappung in der Nordsee verboten wurde, entwickelte die Industrie ein Verfahren, die Säure zu recyceln und wieder in der PVC-Herstellung einzusetzen. Wo kein Sondermüll anfällt, muss er auch nicht entsorgt werden.

Melanie Wieland/Mareike Potjans, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Wohin mit dem Müll? - Von Lumpensammlern, Deponien und Geschäftemachern, 15.10.2007

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