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Stalking bei Prominenten - Wenn Liebe zu Hass wird

Viele Prominente bewegen sich in der Öffentlichkeit nicht mehr ohne Leibwächter. Meistens sollen sie nur helfen, überschwängliche Fans zurückzuhalten. Doch immer wieder werden Prominente das Ziel von sogenannten Stalkern, die Drohungen aussprechen und manchmal auch nicht vor Gewalt zurückschrecken. Aggression durch Bodyguards ist dabei aber oft der falsche Schritt.

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
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Stalkingopfer Connie Palmen (2'28'')
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Stalking – eine krankhafte Liebe?

Das Wort "Stalking" leitet sich vom englischen Verb “to stalk“ ab, das sich mit den deutschen Begriffen "heranschleichen" oder "nachstellen" übersetzen lässt. Doch das Stalking, wie man es im heutigen Sprachgebrauch benutzt, hat kaum noch etwas mit aufdringlicher, aber unschuldiger Verehrung zu tun. Vielmehr beschreibt es eine Situation, in der ein Verehrer fanatische Gefühle für einen Menschen empfindet und das Opfer verfolgt, mit Telefonaten oder Briefen terrorisiert und, wenn er abgewiesen wird, sogar gewalttätig werden kann.

Stalker gibt es natürlich nicht nur in der Welt der Prominenten. Doch Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sind besonders häufig betroffen, da ihr Leben einer breiten Masse zugänglich ist. Für viele Stalker stellen sie eine übermenschliche Identifikationsfigur dar und werden als perfekt wahrgenommen. Die scheinbare Unerreichbarkeit des Stars ermutigt manche Menschen, umso stärker den Kontakt zu suchen.

Politiker Joschka Fischer hält sich nach einer Attacke mit einem Farbbeutel das Ohr. (Rechte: dpa)

Prominente leben in Deutschland gefährlich

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Das erste prominente Stalking-Opfer war die US-amerikanische Schauspielerin Rebecca Schaeffer, die am 19. Juli 1989 von einem fanatischen Fan erschossen wurde. Der 19-jährige Täter Robert Bardo wurde als erster sogenannter Stalker bekannt. Als Reaktion auf die Tat richtete die Polizei in Los Angeles als erste offizielle Institution eine Anti-Stalking-Einheit ein.

Rebecca Schaeffer blieb nicht das einzige Opfer. Dr. Jens Hoffmann, Leiter des Darmstädter Instituts für Psychologie und Bedrohungsmanagement, berät seit mehr als zehn Jahren Prominente im Umgang mit Stalkern. In einer Studie hat er festgestellt, dass etwa 80 Prozent aller Prominenten mindestens einmal im Leben von Stalking betroffen sind, wenn auch meist mit weniger dramatischen Folgen. Im internationalen Vergleich sei Deutschland dennoch das Land mit den meisten gewalttätigen Übergriffen auf Prominente, so Dr. Jens Hoffmann. Doch nur wenige Fälle geraten an die Öffentlichkeit, denn viele Prominenten fürchten, damit Nachahmer zu motivieren oder den Stalker noch zu ermutigen.

Ein Mann schreibt einen Liebesbrief. (Rechte: Imago/Emil Umdorf)

Stalker suchen die Aufmerksamkeit des Stars

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Was unterscheidet den Stalker vom Fan?

Fans bringen überdurchschnittlich viel Zeit, Energie und besonders Emotionen für ihren Star auf. So ist es auch bei Stalkern. Der Unterschied scheint auf den ersten Blick fließend, dennoch gibt es Eigenschaften die beide Gruppen trennen.

Stalker konzentrieren sich in ihrem alltäglichen Leben fast ausschließlich auf die bewunderte Person und brechen andere soziale Kontakte vollständig ab. Die einzige Beziehung, die ihnen bleibt ist die zum Fanobjekt, also dem Prominenten. Häufig entsteht so eine fatale einseitige Liebesbeziehung. Auch Fans verlieben sich manchmal in ihren Star, doch sie wissen, dass die Beziehung nur ein Wunschtraum ist. Stalker hingegen sind davon überzeugt, dass sie bereits eine Beziehung zu dem Prominenten haben. Dr. Jens Hoffmann erzählt: "Mir ist ein Fall bekannt, bei dem ein Stalker mit gepackten Koffern vor der Tür einer Prominenten stand und einziehen wollte – in der festen Überzeugung, er sei ihr Ehemann."

Dieser Umstand erklärt auch, warum Stalker immer wieder versuchen, ihrem Star möglichst nahe zu kommen. Sie sind sich sicher, dass es ihr Recht ist, persönlich mit dem Prominenten zu verkehren. Um dieses Recht durchzusetzen, entwickeln sie eine erschreckende Kreativität. "Es kommt zum Beispiel häufig vor, dass Stalker sich Zugang zum persönlichen Umfeld des Prominenten verschaffen", so Dr. Jens Hoffmann. Es sei nicht unüblich, dass Stalker beispielsweise einen Job in der Tour-Crew eines Musikers annehmen. Und mit der Nähe steigt auch das Risiko für gewaltsame Übergriffe.

Doch nicht immer werden diejenigen Menschen gewalttätig, die zuvor eine Liebesbeziehung suchten. Oft bieten Stars auch eine Angriffsfläche für psychologisch  kranke Menschen und deren Gewaltfantasien. Auch dies zeigt den Unterschied zwischen Fans, die ihrem Star nur Gutes wünschen, und manchen Stalkern, die ihn verletzen wollen.

Stefanie Heinzmann singt auf einer Konzertbühne. (Rechte: ddp)

Die Sängerin Stefanie Heinzmann erhielt Morddrohungen

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Der Umgang mit Stalkern

Für die betroffenen Prominenten ist das Leben mit einem Stalker eine große Belastung. Besonders dann, wenn sie nicht wissen, wer genau der Stalker ist und wie er aussieht. Die Sängerin Stefanie Heinzmann erhielt zum Beispiel mehrere Morddrohungen in ihrem Internetgästebuch von einem Nutzer, der sich "Lynne" nannte. Dr. Jens Hoffmann betont: "Wenn ein Prominenter nie wissen kann, ob sich der Stalker vielleicht gerade in seinem direkten Umfeld aufhält, dann ist das eine enorme psychische Belastung."

Was also können Stars, aber auch andere Menschen tun, wenn sie es mit einem Stalker zu tun bekommen? Dr. Jens Hoffmann rät Betroffenen: "Man darf einem Stalker nie das Gefühl geben, abgewiesen worden zu sein, denn das kann Enttäuschung und im schlimmsten Fall Gewalt provozieren." Besonders schwierig ist das für Prominente, die täglich viele Zuschriften erhalten, darunter auch Liebesbriefe. Es wäre jedoch ebenso falsch, aus diesem Grund auf die Kontaktversuche des Stalkers einzugehen, denn dies würde ihm zeigen, dass er mit seinem Anspruch auf eine persönliche Beziehung richtig liegt. Die ermordete Schauspielerin Rebecca Schaeffer zum Beispiel hatte ihrem späteren Mörder besonders freundliche Antwortbriefe geschrieben.

Ganz im Gegenteil zu normalen Fans ist eine solche Zuwendung für einen Stalker kein ausschließlich positives Erlebnis, sondern zeigt ihm, wie ungerecht es ist, dass er noch immer keinen persönlichen Kontakt zu seinem Star hat. "Stalker sind oft sehr unglückliche Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl", sagt Dr. Jens Hoffmann. Ihr Verhalten ist daher oft paradox. Scheinbar wollen sie wahrgenommen werden, doch wenn man sie ignoriert, ziehen sie weiter und wenden sich manchmal anderen Stars zu. Dies kann jedoch lange dauern, sagt Dr. Jens Hoffmann: "Ich betreue Prominente, die bereits seit acht bis neun Jahren mit ein und demselben Stalker zu tun haben."

Fakt ist: Ein Patentrezept für den Umgang mit Stalkern gibt es nicht. Dr. Jens Hoffmann rät daher Betroffenen, sich stets professionelle Hilfe zu suchen. Die Polizei oder anderes geschultes Sicherheitspersonal, kennt sich mit verschiedenen Stalker-Persönlichkeiten aus und kann gezielt helfen, das Problem in den Griff zu bekommen.

Jennifer Dacqué , Stand vom 02.11.2011
Sendung: Fan-Kult - Zwischen Leidenschaft und Manie, 11.02.2010

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