Seifenkiste - Die Formel 1 der Knirpse
Von der Seifenpackung auf die Straße
Es war ein amerikanischer Seifenhersteller, der den Namen "Seifenkiste" in den 1930er Jahren prägte. Das Unternehmen zeichnete auf seine Verpackungskisten den Bauplan für einen Kinder-Rennwagen, der fortan nur noch "soap box" genannt wurde. Bereits 1935 fanden in Akron, im US-Bundesstaat Ohio, die ersten "All American Soap Box Derbys" statt. Noch heute werden in Akron die Weltmeisterschaften im Seifenkisten-Fahren ausgetragen.
Die Industrie steigt als Sponsor ein
Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten amerikanische Soldaten dafür, dass die Seifenkisten auch im besetzten Deutschland immer populärer wurden. Besonders in den 1950er Jahren erlebte der Sport einen großen Aufschwung. 1950 kamen zu einem Rennen in Stuttgart rund 20.000 Zuschauer. Bei einem solchen Zuspruch war es nicht schwer, potente Geldgeber aus der Industrie zu finden. Die Adam Opel AG trat als Hauptsponsor für die Seifenkisten-Rennen auf und dehnte sie so auf das gesamte Bundesgebiet aus.
Als Opel sich 1971 überraschend aus dem Seifenkisten-Sport zurückzog, brach der Dachverband, dem zu diesem Zeitpunkt nur noch rund 50 Vereine angehörten, zusammen. Zwei Jahre später wurde in Frankfurt mit dem "Deutschen Seifenkisten Derby" (DSKD) eine neue Dachorganisation gegründet. Inzwischen gab es auch feste Bauregeln, die im Reglement des Verbandes festgeschrieben wurden.
Im Liegen fährt es sich am besten
Heute wird bei den Rennen des DSKD in zwei Klassen gestartet. In der Junior-Klasse treten 8- bis 12-Jährige gegeneinander an, die Senior-Klasse ist Fahrern zwischen 11 und 18 Jahren vorbehalten. Während die Piloten in den Junior-Kisten meistens sitzen, handelt es sich bei den Fahrzeugen der höheren Klasse vorwiegend um "Liegekisten", das heißt, die Fahrer liegen während dem Rennen auf dem Rücken und sind so noch windschnittiger.
Sicherheit steht an erster Stelle
Auf den im Schnitt etwa 300 Meter langen Rennstrecken, die in der Regel ein Gefälle von vier bis fünf Prozent haben, erreichen die Kisten zum Teil beträchtliche Geschwindigkeiten. Bis zu 60 Kilometer pro Stunde werden die selbst gebauten Rennwagen schnell. Eine höhere Geschwindigkeit ist nicht erlaubt, um die Fahrer nicht über die Maßen zu gefährden.
Auch vor dem Wettkampf legt das DSKD großen Wert auf die Sicherheit. Jedes Fahrzeug muss sich vor dem Rennen einer technischen Inspektion unterziehen und darf nur an den Start, wenn es für sicher befunden wurde. Inzwischen werden in Deutschland auch noch Rennen in anderen Klassen gefahren, die aber meist regional begrenzt sind und nicht vom DSKD unterstützt werden. Dazu gehören zum Beispiel die Spaß-Rennen, bei denen es neben Geschwindigkeit auch darum geht, in einer möglichst ausgefallenen Kiste anzutreten.
Johannes Eberhorn, Stand vom 04.04.2011







