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Schatzsucher

Große Schätze aus längst vergangenen Zeiten - es gibt sie immer noch: vergraben, verschollen, eingemauert, versunken. Schätze, die auf ihren Finder warten. Schätze, manchmal durch Zufall entdeckt oder nach langer, aufwändiger Spurensuche gefunden. Doch Schätze findet man nicht nur in fernen Ländern, es gibt sie auch in Deutschland, mitten unter uns. Der Zufallsfund von alten Münzen in Kellermauern des eigenen Fachwerkhauses ist zwar selten, kommt aber immer wieder vor.

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Schätze im Boden

Die Kriegswirren vergangener Jahrhunderte ließen unseren Vorfahren gar keine andere Wahl - Gold, Silber, Schmuck und andere Wertgegenstände wurden vergraben und vor Feinden versteckt. Auch heute noch werden immer wieder römische Münzen gefunden - auch in Deutschland. Immerhin erstreckte sich das Römische Reich über ganz Mitteleuropa bis nach England. Das wechselvolle Mittelalter, der 30-jährige Krieg, später die Französische Revolution und die nachfolgenden Kriege machten nicht nur das Geldverdienen schwierig, sondern auch das Aufbewahren des Geldes. Das Bankwesen ist gerade mal drei Jahrhunderte alt und der Erdboden galt lange als sicherste Bank der Welt.

Taucher in einer Tauchglocke, die ins Wasser gelassen wird.

In den Meeren gibt es noch viele Schätze

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Schätze im Wasser

Auch auf dem Grund der Meere schlummern noch viele Schätze: Über drei Millionen Schiffswracks warten auf ihre Entdeckung, darunter Handels-, Kriegs- und Schatzschiffe vergangener Jahrhunderte. Schon das Mittelalter war für viele Schatzsucher ein wahres Eldorado. So transportierten zum Beispiel die Türken wertvolle Ladungen von Griechenland in die Heimat. Diese Transporte auf dem Wasser waren nicht ohne Gefahr. Stürme, schlechte Ausrüstung oder der Angriff von Feinden ließen viele dieser Schiffe untergehen. Großbritannien, eine der ältesten Seefahrernationen, hat nach Auffassung vieler Marinehistoriker mehr Wracks auf dem Meeresboden liegen als irgendein anderes Land - die Liste ist lang : Allein in den fünf Jahren zwischen 1864 und 1869 sind rund 10.000 bei Lloyd in England versicherte Schiffe untergegangen, viele davon in Küstennähe.

Nicht wenige solcher versunkener Schiffe waren beladen mit Schmuck, Gold, Silber, Kriegskassen und Geld. Die 3000 Schiffe der spanischen Krone, die vor einem halben Jahrtausend in der Karibik, auf der Silberroute der Konquistadoren, schwer beladen mit Schätzen der Inkas, Mayas und Azteken untergingen, gelten bis heute als vermisst. Nach Schätzungen von Experten sollen Schätze im Wert von etwa 30 Milliarden Euro auf dem Grund von Seen und Meeren liegen. Die Suche nach Schätzen, die auf dem Meeresboden liegen, ist kostspielig, zeitaufwändig und gefährlich. Der Amerikaner Mel Fisher landete 1978 einen Riesencoup. Ihm gelang es, die spanische Galeone "Nuestra Senora de Atocha" mit 47 Tonnen Gold und Silber zu bergen. Ein amerikanisches Gericht entschied, dass Fisher den Fund von umgerechnet 18 Millionen Euro behalten dürfe.

Drei Männer an Bord eines Schiffes. Zwei von ihnen bereiten eine Tauchglocke für einen Tauchgang vor.

Bergung der kostbaren Jönköping-Fracht

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Noch spektakulärer war die High-Tech-Bergung des Goldgräberdampfers "Central America". Das Schiff war 1857 mit 21 Tonnen Gold an Bord vor der Küste South Carolinas in einem Hurrikan gesunken. 1985 begannen die langwierigen und kostspieligen Vorbereitungen für die Bergung des Wracks. Der Schatz im Wert von einigen Millionen Euro wurde zwar gefunden, aber ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen Finder und Versicherungen blieb auch hier nicht aus.

Erfreulicher verlief der Schatzfund eines Schweden. Er entdeckte 1997 die "Jönköping", die 1916 im Bottnischen Meerbusen versank. Das Schiff war unterwegs von Schweden nach Finnland. An Bord befanden sich große Mengen an Champagner und Cognac, die für den Zaren von Russland bestimmt waren. Eigentlich gehörte dem schwedischen Finder das kostbare, völlig unversehrte Gut. Doch dann erhob auch ein Finne Anspruch auf den Schatz. Sein Großvater hatte nämlich Spirituosen an den Zarenhof exportiert. Der Streit landete zwar erst vor Gericht, die beiden Parteien einigten sich aber schließlich außergerichtlich. Der Champagner erzielte bei einer Versteigerung drei Millionen Euro.

Großunternehmen Schatzsuche

Besonders die Schatzsuche unter Wasser ist ein aufwändiges Verfahren. Von den ersten Recherchen über die Suche nach einem Wrack bis hin zur Bergung der Fracht ist es ein langer Weg. Im Schnitt vergehen dafür sechs Jahre. Bis dann der Verkauf von Fundstücken über die Bühne geht, sind meist schon Kosten in Millionenhöhe entstanden. Rechercheure, die anhand alter Seekarten, Versicherungsberichten, Logbüchern, Gerichtsakten und Frachtbriefen Informationen über Wracks erstellen, verlangen zwischen 10.000 und 30.000 Euro. Wenn die Fracht dann geborgen wird, fordern sie oft noch mal drei bis fünf Prozent vom Erlös. Ein riskantes Geschäft, erst recht für Einzelkämpfer. Weltweit gibt es etwa 60 Unternehmen, die diese Unterwasser-Schatzsuche in professionellem Stil betreiben. Einer der bekanntesten deutschen Unterwasser-Schatzsucher ist Klaus F. Keppler, der zum Beispiel den Intan-Schatz (etwa 960 nach Christus) im südchinesischen Meer und ein Schiffswrack des legendären Piraten Sir Henry Morgan vor Haiti entdeckte.

Foto von Werner Hirt im Planet-Wissen-Studio.

Werner Hirt ist einer der bekanntesten Schatzsucher in Deutschland

Schatzsuche als Hobby

In den USA gilt Schatzsuche schon lange als beliebtes Freizeit-Hobby. Aber auch in Deutschland lassen sich immer mehr Menschen vom Schatzfieber anstecken. Schätzungen gehen davon aus, dass es zur Zeit etwa 100.000 Hobby-Schatzsucher gibt. Eher selten ist es der Traum vom großen Geld, der dieses Hobby für viele so faszinierend macht.

Ein erfolgreicher Hobby-Schatzsucher ist Werner Hirt aus Bayern. Seit den 80er Jahren fröhnt er seiner Leidenschaft - und das mit Erfolg: Er fand keltische Münzen bei Seebruck in der Nähe vom Chiemsee. Diese Münzen waren der Beweis, dass sich dort eine keltische Siedlung befunden haben musste. Hirt informierte das Landesamt für Denkmalpflege, die Siedlung wurde entdeckt und weitere archäologische Fundstücke konnten geborgen werden.

Ein Barockschloss mit einem Gewässer davor.

Moritzburger Schloss der Wettiner

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Finderglück

Bei Schatzfunden spielt der Zufall immer wieder eine große Rolle. Die Schatzfunde aus den letzten Jahren in Deutschland sprechen Bände - die Liste ist lang und nicht jeder Fund wird in der Öffentlichkeit bekannt. Es gibt Wissenschaftler, die errechnet haben wollen, dass in Deutschland noch 32.000 Zentner Gold, Silber und Juwelen auf ihren Finder warten.
Im Oktober 1996 machte zum Beispiel ein aufsehenerregender Schatzfund in Sachsen weltweit Schlagzeilen. Ein Pärchen aus Dresden war im Wald bei Moritzburg auf wertvolle Kunstgegenstände des ehemaligen sächsischen Königshauses gestoßen - den Schatz der Wettiner.

Ihren Reichtum verdankten die Wettiner dem Silberbergbau im sächsischen Erzgebirge. Die einstige Hofsilberkammer enthielt äußerst wertvolle Teile, darunter auch ein Silberservice, das der legendäre Sachsen-Kurfürst und König von Polen, August der Starke, hatte anfertigen lassen. Nachdem der letzte sächsische König 1918 abgedankt hatte, überließ die sächsische Republik den Wettinern die Hofsilberkammer als Abfindung. Der größte Teil des Wettiner-Schatzes wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges von russischen Plündertrupps in die Sowjetunion verschleppt. Wertvolle Stücke sollen sich im Bestand der Eremitage in St. Petersburg befinden.

Den Rest des Schatzes hatte man bei Moritzburg in der Nähe von Dresden vergraben lassen. Und genau dort wurden die Hobby-Sucher schließlich fündig: In nur einem Meter Tiefe fanden sie drei Kisten mit wertvollen Stücken. Darunter waren Hauptwerke europäischer Goldschmiedekunst, ein Silberpokal aus dem 16.Jahrhundert, eine umfangreiche Münzsammlung und Teile aus dem Tafelsilber der Wettiner - der geschätzte Gesamtwert lag etwa bei zwölf Millionen Euro.

Geöffnete Schatztruhe mit Schmuck, Juwelen und Münzen darin.

Nicht immer bedeutet ein Schatzfund Glück

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Finderpech

Nicht jeder Fund bringt dem Finder Glück, so etwa bei einem Hausbesitzer im pfälzischen Dreisen. Bei Umbauarbeiten seines 350 Jahre alten Elternhauses entdeckte er drei Steinkreuzgefäße voller alter Gold- und Silbermünzen. Schließlich meldete er den Archäologen des Historischen Museums in Speyer den Fund. Der Schatz wurde beschlagnahmt, der Finder sollte einen Finderlohn von 25.000 Euro erhalten, was er als unangemessen ablehnte. Es kam zum Rechtsstreit, der sechs Jahre dauerte. Am Ende gab der Finder auf, nahm den Finderlohn an und konnte damit nur noch seine Gerichtskosten decken.

Noch spektakulärer ist die Geschichte eines Baggerführers aus Norddeutschland, der während der Arbeit durch Zufall einen Millionenschatz fand. So geschehen in Lübeck, Mitte der 80er Jahre. Bei Abbrucharbeiten an einem Haus grub sich die Schaufel des Baggerfahrers in ein älteres Fundament und plötzlich lagen haufenweise Gold -und Silbermünzen auf dem Schutt. Die Münzflut wollte kein Ende nehmen, der baggernde Familienvater glaubte das große Los gezogen zu haben - doch es kam anders. Aus dem Glückspilz wurde ein Pechvogel. Nachdem er seinen Fund den zuständigen Behörden gemeldet hatte, schätzte das Münzkabinett der Universität Kiel die 20.000 Silber - und Goldmünzen auf die damals stolze Summe von 3,61 Millionen Mark. Soweit so gut , doch damit nicht genug - auch hier war es nur der Beginn für einen jahrelangen Rechtsstreit.

Der Schatz, so die Ansicht des Landesbauamtes , gehöre einzig und allein dem Land Schleswig-Holstein als Grundstückeigentümer. Der Finder bekam eine Flasche Cognac von seinem damaligen Arbeitgeber und eine Belohnung von 6000 Mark aus der Landes-Kasse. Das war ihm zu wenig und er zog vor Gericht. Vor der Zivilkammer hatte man noch Verständnis für seine Forderungen, das Land legte aber Berufung ein. Mittlerweile klagte sogar der ehemalige Arbeitgeber gegen den Finder und meldete Ansprüche am Münzschatz an. Jahrelang zog der Finder von Instanz zu Instanz und tatsächlich wurden ihm schließlich 50 Prozent des Fundes zugesprochen. Der Haken: mittlerweile hatten Experten den Münzfund neu geschätzt und kamen auf die zusammengeschmolzene Summe von 736.000 Mark. Der Finder-Anteil schrumpfte auf 368.000 Mark, mit denen der mittlerweile arbeitslose Baggerführer gerade noch die Gerichtskosten decken konnte.

Sabine Kastner, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Mythos Gold - Fluch und Segen eines Edelmetalls , 28.01.2009

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