Wissensfrage
Kann die politische Einstellung eines Menschen seine Träume beeinflussen?
Dass es Zusammenhänge zwischen Trauminhalten und Variablen wie Alter und Geschlecht gibt, ist inzwischen hinlänglich bekannt. So haben Forscher zum Beispiel herausgefunden, dass in Männer-Träumen deutlich mehr männliche als weibliche Protagonisten vorkommen, während Frauen meist ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in ihren Träumen haben. Inwiefern das nächtliche Kopfkino aber von kulturellen Faktoren wie Normen, Werten und Sitten abhängt, ist bisher noch kaum untersucht.
Um die Forschung auf diesem Feld voranzutreiben, untersuchte der US-Amerikaner Kelly Bulkeley zwischen 1996 und 2000 über 400 College-Studenten. Die Probanden berichteten dem renommierten Wissenschaftler von ihren jüngsten Träumen und beantworteten außerdem Fragen zu ihrer politischen Einstellung. Bulkeley wählte anschließend 56 Studenten aus, die sich eindeutig dem rechten (Republikaner) oder dem linken (Demokraten) politischen Lager in den USA zuordnen ließen und untersuchte ihre Träume genauer.
Das Ergebnis: Die 28 Anhänger der Republikaner (14 Frauen und 14 Männer) berichteten von Albträumen sowie von Träumen, in denen sie Machtlosigkeit verspürten, deutlich häufiger als ihre demokratischen Pendants. Auffallend war auch die Realitätsnähe der konservativ orientierten Studenten. Bizarre und fantastische Elemente kamen in ihren Träumen nur selten vor – im Gegensatz zu den Anhängern der Demokraten. Die weiblichen Probanden des rechten Lagers sorgten sich zudem besonders um ihre Familienangehörigen. Linksorientierte Träumer scheinen dagegen deutlich angenehmere Nächte zu verbringen. Neben dem selteneren Albdrücken durften sich besonders die weiblichen Demokraten über häufige Glücksmomente in ihren Träumen freuen.
Diese Resultate weisen darauf hin, dass Trauminhalte tatsächlich von der politischen Einstellung des Träumers beeinflusst werden können. Studienleiter Bulkeley selbst warnt allerdings davor, die Ergebnisse seiner Untersuchung als feststehende Traumregeln zu verstehen. Eine Generalisierung lässt schon die geringe Zahl der Teilnehmer nicht zu. Außerdem wurden in Bulkeleys Studie ausschließlich Studenten einbezogen, sodass ältere und weniger gebildete Menschen nicht berücksichtigt werden konnten. Allgemeine Aussagen über den Einfluss der Politik auf unsere nächtliche Erlebniswelt wären, so Bulkeley, also erst nach weiteren aufwendigeren Untersuchungen möglich, die Menschen aus allen Teilen der Bevölkerung einschließen.
Johannes Eberhorn, Stand vom 28.03.2011
Sendung: Was steckt in unseren Träumen?, 29.03.2011





