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Mumien

Mumien sind Leichen, die durch natürliche Umstände oder künstliche Verfahren vor Verwesung geschützt werden. Die alten Ägypter etwa mumifizierten ihre Toten aus religiösen Gründen. In der Natur bieten meist extreme Klimazonen wie Wüsten oder das ewige Eis ideale Bedingungen für die Konservierung von Leichen. Auch in Deutschland sind schon Mumien gefunden worden: Tote, die jahrtausendelang im Moor gelegen haben - die sogenannten Moorleichen.

Totenmaske einer weiblichen ägyptischen Mumie. (Rechte: AKG)

Dem Verfall zum Trotz

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Tot, aber nicht verwest

Der Begriff "Mumie" stammt von dem arabischen Wort "mumiya" und dem persischen "mum" und heißt übersetzt "Wachs". Ohne den Prozess der Mumifizierung würde eine Leiche sehr rasch verwesen: Bakterien breiten sich im Wasser aus, das 70 Prozent des menschlichen Körpergewichts ausmacht. Stirbt ein Mensch, löst sich die Totenstarre bereits nach zwei bis drei Tagen. Es beginnt dann ein dreimonatiger Fäulnisprozess. Bakterien bilden dabei übel riechendes Ammoniakgas und Schwefelwasserstoff. Schließlich setzt die Verwesung ein: Fleisch, Organe und Haut werden von Bakterien und Pilzen zersetzt.

Nach etwa vier Jahren liegt im Grab meist nur noch das Skelett - ohne Knorpel und Weichteile. Wie lange dann die Zersetzung der Knochen dauert, hängt vom Säurecharakter des Bodens ab. Auf deutschen Friedhöfen gilt ein Richtwert von 20 bis 25 Jahren.

Oberkörper und Kopf einer mumifizierten Eisleiche. (Rechte: dpa)

Ötzi lag 5300 Jahre in seinem Eisgrab

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Gletschermumie "Ötzi" - Tod in eisiger Höhe

Die bekannteste natürliche Mumie ist sicher der Mann, der 1991 im Gletschereis auf der italienischen Seite der Ötztaler Alpen gefunden wurde. "Ötzi" war vor etwa 5300 Jahren mit Ausrüstung und Proviant unterwegs, als er in eisiger Höhe starb. Über Jahrtausende war er als gefriergetrocknete Mumie im Eis verschollen, bis das Klima ihn freigab.

Die Forscher konnten aus seiner Kleidung, seinem Werkzeug und den Nahrungsresten viele Erkenntnisse über das Leben in der Jungsteinzeit gewinnen. "Ötzi" war 1,60 Meter groß, hatte Tätowierungen, war in der Erzgewinnung tätig und starb mit 46 Jahren. Womöglich wurde er von einem Schneesturm überrascht und starb an Schwäche oder erfror.

Auch andere natürliche Mumien finden sich meist in extremen Klimazonen. In Ägypten gab es vor rund 5000 Jahren Sandmumien: Der Tote wurde einfach in eine ovale Grube in den Wüstensand gelegt.

Moorleiche mit verbundenen Augen. Kopf und Gesichtszüge sind sehr gut erhalten. (Rechte: ddp)

Leiche aus einem Moor bei Eckernförde

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Das Geheimnis der Moorleichen

Moorleichen wurden vor allem in Norddeutschland und im südlichen Skandinavien gefunden. Das Moor eignet sich ausgezeichnet zur Konservierung. Moorwasser ist sehr sauerstoffarm, deshalb zersetzt sich der Körper unter Wasser sehr viel langsamer. Die nordischen Moore enthalten außerdem einen hohen Anteil an Gerbsäure, der dazu führt, dass die oberen Hautschichten regelrecht "gegerbt" werden. Auch Organe und Haare sind bei vielen Moorleichen sehr gut erhalten geblieben. Manchmal lässt sich sogar der Mageninhalt von Moormumien noch untersuchen.

Wie Moorleichen sich 2000 Jahre erhalten haben, ist für die Wissenschaft leicht zu erklären. Warum Menschen allerdings überhaupt im Moor starben, ist bis heute noch nicht klar. Sicher haben sich bereits früher Menschen im Moor verirrt und sind ertrunken. Manche der rund 1200 bis heute gefundenen Moorleichen fielen vermutlich einem Verbrechen zum Opfer. Ob sie aus Angst vor Entdeckung im Moor versenkt wurden oder ob sie bei Riten unserer Ahnen als Opfer dienten, ist ungeklärt. Wahrscheinlich war das Versenken im Moor auch eine Todesstrafe.

Das Gemälde nach einer Zeichnung von Fortunino Matania zeigt die Einbalsamierung des ägyptischen Pharaos Tutanchamuns. (Rechte: AKG)

Vorbereitungen für die letzte Reise

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Osiris wartet auf die Mumien

Im alten Ägypten glaubte man an ein Leben nach dem Tod. Grabbeigaben waren daher üblich, um dem Verstorbenen ein angenehmes Leben im Jenseits zu ermöglichen. Die Mumie galt damals als Übergangsgehäuse des Toten bis zur Ankunft im Reich des Totengottes Osiris.

Die Leichname meist reicher Verstorbener wurden damals mit Natronsalz ausgetrocknet. Nach 40 bis 70 Tagen wurde der Körper, dem das Gehirn und die inneren Organe entnommen worden waren, einbalsamiert. Die Körperhöhlen wurden mit einem Gemisch aus Harz, Leinen oder Sägemehl gefüllt. Das Herz blieb aus religiösen Gründen im Körper, Hirn und Innereien wurden in speziellen Gefäßen, den Kanopen, beigesetzt. Anschließend bandagierte man den Körper, um ihn vor Fäulnis zu schützen. Im Laufe der Zeit trockneten die Leichen so zu Skeletten ein.

Oft fügte man den Mumien auch ein Bildnis des Verstorbenen hinzu. Das Porträt wurde über dem Gesicht oder dem Oberkörper in die Mumienbinde eingefügt. Im kaiserzeitlichen Ägypten zwischen dem ersten und dem Ende des vierten Jahrhunderts nach Christus ersetzten Mumienbilder die Mumienmaske, die bis dahin über Kopf und Schultern des Toten gelegt worden war. Die Bilder waren in Wachs oder Temperafarben auf Holztafeln oder Leinwand gemalt. Zuletzt legte man die Mumie in einen bemalten Sarg in Menschenform, der wiederum in einen Steinsarg, den Sarkophag, gelegt wurde.

Eine Mumie zum Fest

In Peru war es in der Zeit vor Kolumbus üblich, Tote zu konservieren. Trockenmumien, die im heiß-trockenen Klima der Küsten gedörrt wurden, verehrte man als Ahnen und holte sie zu Festen hervor.

Die Südperuaner konservierten ihre Toten, indem sie den Körper - nach Entfernen der Muskeln - Hitze, Rauch und Kräuterdünsten aussetzten. Der Tote wurde dann mit hochgezogenen Knien in einer Sitzstellung zusammengebunden. Anschließend wurde er mit kostbaren Stoffen eingekleidet. Auch in anderen Staaten Altamerikas sowie in Australien, China, Indien, Afrika, auf den Kanarischen Inseln und Sizilien gab es Mumien.

Kai Althoetmar/Malte Linde, Stand vom 21.09.2011

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