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Absinth - die "grüne Fee"

Absinth wurde Ende des 19. Jahrhunderts zum Kultgetränk der Pariser Künstlergemeinde. Mit dem hochprozentigen Kräuterelixier tranken sich die Bohemiens in Stimmung, aber manchmal auch in den Wahnsinn. Ein gewisser Monsieur Pernod war es, der das berauschende Getränk 1805 auf den Markt gebracht hatte. Für die französische Armee wurde Absinth zum Allheilmittel gegen Fieber und Feigheit, für viele Trinker wurde der gefährliche Schnaps aber zur verhängnisvollen Droge. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die "grüne Fee", wie das Getränk wegen seiner Farbe und der verzaubernden Wirkung genannt wurde, in einigen Ländern sogar verboten.

Medizinisch-biologische Schautafel aus dem Jahr 1809. Sie zeigt die Absinthpflanze mit Wurzelwerk, Blüten- und Fruchtstand. (Rechte: AKG)

Artemisia Absinthium - Heilpflanze und Droge

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Heilpflanze und Droge

Schon früh wussten Mediziner und Kräuterexperten um die berauschende Wirkung des Absinthkrautes. Als Absinthismus bezeichnete man die Vergiftungserscheinungen, die der zweifelhafte Genuss des bitteren Wermutkrautes hervorrufen konnte. Von Krämpfen wurden die Absinth-Konsumenten geschüttelt. Von Lähmungen wurden sie geplagt und in Verwirrungszustände versetzt - eine Teufelsdroge also. Und trotzdem wurde Absinth, viele Jahre später und zu einem alkoholischen Getränk verarbeitet, in gewissen Kreisen der Kultschnaps schlechthin.

Ein Werbeplakat für die Absinthmarke Pierrot aus dem Jahr 1900. (Rechte: AKG)

Französische Absinthreklame um 1900

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Erfunden wurde der Wermutschnaps wahrscheinlich Ende des 18. Jahrhunderts von einem französischen Arzt. Als treuer Royalist war er vor der Verfolgung durch die blutrünstigen Revolutionstruppen in die Schweiz geflohen und hatte dort eine Praxis eröffnet. Kurz vor seinem Tod soll er das Rezept für ein von ihm entwickeltes Absinthelixier an seine Haushälterin weitergegeben haben. Die konnte allerdings nicht viel damit anfangen und verkaufte es weiter an zwei Töchter aus höherem Hause. Die beiden erkannten die heilende Wirkung des "Élixier d’absinthe", stellten es in kleinen Mengen her und ließen das Gebräu als Medizin in Apotheken verkaufen.

Gemälde: Französische Fußsoldaten an einem Küstenabschnitt im Kampf mit algerischen Truppen. (Rechte: AKG)

Französische Truppen landen 1830 in Algerien

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Mittel gegen Fieber und Feigheit

Nun trat ein weiterer Franzose auf den Plan. Henri-Louis Pernod war durch einen glücklichen Umstand in den Besitz der Rezeptur gelangt. Sein Schwiegervater hatte sie den nicht sonderlich geschäftstüchtigen Schwestern abgekauft. Die beiden Herren glaubten eine lukrative Idee zu haben: Nicht Medizin, sondern Schnaps wollten sie aus dem Wermutkraut herstellen und gründeten eine Absinth-Brennerei. 1805 machte sich Pernod dann mit einer eigenen Destille auf französischem Boden selbstständig. Produktion und Verkauf liefen jedoch zunächst eher schleppend. Gerade einmal 400 Liter verließen pro Tag die Schnapsfabrik. Doch wieder meinte es das Schicksal gut mit Monsieur Pernod: Als die Pariser Regierung 1830 Truppen nach Algerien entsandte, um das nordafrikanische Land zu besetzen und zu kolonialisieren, gab man den Einheiten jede Menge Absinth mit auf den Weg.

Das alkoholhaltige Gesöff sollte als Medizin gegen Seuchen und Fieberattacken im fernen Land helfen, aber den Soldaten durch seine berauschende Wirkung auch den nötigen Mut im Kampf geben. Als der Algerienkrieg 1847 mit der Unterwerfung des Landes beendet war und die Truppen in die Heimat zurückkehrten, verbreitete sich die Nachricht über das Wundermittel wie ein Lauffeuer. Absinth aus dem Hause Pernod wurde zum Verkaufsschlager. In den mittlerweile 20 Brennereien musste die Produktion auf 20.000 Liter pro Tag hochgefahren werden.

Gemälde von Henri de Toulouse-Lautrec um 1893: Ein rundlicher Mann mit Hut sitzt in einem gut besuchten Bistro an einem Tisch. Vor ihm ein Glas mit grünen Absinth. (Rechte: AKG)

Toulouse-Lautrec malte diesen Absinthtrinker

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Die "grüne Fee" der Bohemiens

Vor allem in Intellektuellen- und Künstlerkreisen wurde Absinth zum Kultgetränk und zur vermeintlichen Inspirationsquelle mit manchmal übler Nebenwirkung. Die populären französischen Schriftsteller Baudelaire, Verlaine und Rimbaud gehörten zu den bekennenden Absinthkonsumenten, und auch der amerikanische Dichter Edgar Allan Poe und der Ire Oscar Wilde schworen auf den berauschenden Stoff. Auch in Malerkreisen war die flüssige Droge äußerst beliebt, die man liebevoll "la fée verte" nannte. Farben soll man im Vollrausch gesehen haben. Vor allem die "grüne Fee" ist dabei so manchem Trinker erschienen.

Gaugin, van Gogh und Picasso setzten auf das Getränk mit der vermeintlich magischen und bewusstseinserweiternden Wirkung. Toulouse-Lautrec soll die meisten seiner Werke im Rausch gemalt haben. Allerdings wurde auch gemunkelt, van Gogh habe sich sein Ohr im Absinthrausch verstümmelt. Keine Vermutung ist hingegen, dass Verlaine vollkommen absinthiert auf seinen Freund und Intimus Rimbaud geschossen, ihn dabei jedoch zum Glück nicht getötet hat. Offenbar tranken aber nicht nur die Bohemiens, sondern auch die braven Bürger immer mehr Absinth. Immerhin erreichte der Absatz des Wermutgebräus im Jahre 1912 allein in Frankreich 220 Millionen Liter.

Kampf gegen den Missbrauch

Der berauschende Absinth hatte aber nicht nur viele Freunde, sondern auch jede Menge Feinde. Immer öfter geriet die "grüne Fee" mit negativen Meldungen in die Presse. Nicht nur, dass der beliebte Maler Toulouse-Lautrec 1901 mit nur 37 Jahren an den Folgen seiner Absinthsucht verstarb, auch Gräueltaten im Absinthrausch machten Schlagzeilen. 1905 löschte ein Schweizer angeblich im Absinthrausch seine gesamte Familie aus. Aber auch bleibende gesundheitliche Folgen sagte man nun dem hochprozentigen Getränk nach.

Psychische Schäden bis hin zur Bewusstseinsspaltung, Erblindung und Impotenz sollten die Nachwirkungen von ständigem Absinthkonsum sein. Schon 1905 verboten daraufhin die Belgier Produktion und Verkauf von Absinth. 1908 zogen die Schweizer nach. 1915 kam es dann auch zum Verbot im Mutterland Frankreich. In Deutschland durfte Absinth aber noch bis weit in die 20er Jahre hinein vertrieben werden. Allein in Spanien, Portugal und im heutigen Tschechien hielt man nichts von einem Absinthverbot und produzierte fleißig weiter.

Eine Flasche mit grünem Absinth steht auf einem Tisch. Daneben eine lachende junge Frau. Sie zündet einen Zuckerwürfel an, der sich auf einer Halterung über dem Glas befindet. (Rechte: dpa)

Absinth – heute wieder gefragtes Kultgetränk

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Absinth wieder im Trend

Der französische Hersteller Pernod reagierte auf das Absinthverbot in seiner Heimat damit, dass er einfach das gefährliche Wermutkraut wegließ und das Getränk fortan schlicht unter dem Namen des Firmengründers vermarktete. Seit 1998 ist die Herstellung von Absinth auf Grund eines EU-Beschlusses wieder erlaubt. Allerdings darf der Thujongehalt nur maximal zehn Milligramm je Liter betragen. Thujon ist das Nervengift, das lange Zeit für die übermäßig berauschende Wirkung und die Verursachung von Halluzinationen nach dem Verzehr von Absinth verantwortlich gemacht wurde. Erst später stellte sich heraus, dass schlicht der hohe Alkoholgehalt an der Wirkung des Absinth Schuld hatte. Um 1900 hatte man Spitzenwerte von 80 Milligramm Thujon je Liter erreicht und eine Alkoholstärke von bis zu 70 Volumen-Prozent. Absinth der Gegenwart kommt aber auch immerhin noch auf bis zu 50 Volumen-Prozent Alkoholgehalt.

Seit der offiziellen Legalisierung erfreut sich das Getränk wieder größter Beliebtheit und ist auf dem Weg, erneut zum Kult-Rauschmittel zu werden. Man trinkt die "grüne Fee" verdünnt mit Wasser und gibt aufgelösten Zucker hinzu, um den bitteren Geschmack etwas zu mildern. Es gibt aber auch eine Reihe von Cocktail-Rezepturen, bei denen man Absinth verwendet. Beliebt ist auch die Variante des amerikanischen Schriftstellers und Alkoholliebhabers Ernest Hemingway. Der verdünnte seinen Absinth mit Champagner.

Alfried Schmitz, Stand vom 24.05.2011

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Collage aus Bildmotiven zum Thema Essen und Trinken (Rechte: dpa)

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