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Logistik - Waren unterwegs

Die Logistik ist heute eines der wichtigsten Schlagwörter der Wirtschaft. Der Begriff steht für den Transport und die Lagerung vor allem von Waren, denn die Hauptfrage der Logistiker ist: Wie bekomme ich etwas so schnell und billig wie möglich von einem Punkt zum nächsten transportiert? Das gilt sowohl, wenn Güter per Raumfähre zum Mond gebracht werden sollen, als auch bei Proben in einem Krankenhaus, die per Rohrpost vom Patienten zum Labor gelangen müssen.

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Schnell und billig

Die Logistik ist vor allem in den Industrienationen in den vergangenen Jahren besonders wichtig geworden. Hauptgrund dafür ist, dass sich über Lohn- und Produktionskosten kaum mehr Einsparpotenziale in den Betrieben ergeben, sehr wohl aber im Bereich der Logistik. Die Kosten für Transport und Lagerung von Waren können heute über die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens mit entscheiden.

Doch auch unser Alltag wird durch logistische Fragen bestimmt: Wie schnell unsere Lebensmittel vom Anbaugebiet in den Supermarkt gelangen, wie lange wir wo im Stau stehen, auf welche Weise sich eine Familie organisieren lässt oder wie schnell und zu welchen Kosten wir Briefe und Pakete verschicken können - all dies sind logistische Problemstellungen.

Sandstein mit der Relief-Darstellung von römischen Soldaten aus der Provence. (Rechte: AKG/Erich Lessing)

Römische Soldaten profitierten von Logistik-Experten

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Logistische Meilensteine

Ursprünglich stammt der Begriff Logistik aus dem Militärwesen: Schon in der Antike war es außerordentlich wichtig für Feldherren, den Nachschub für die eigenen Truppen so effizient wie möglich zu organisieren. Vor allem die Herrscher des Römischen Reichs waren Meister der Logistik. Die berühmten Römerstraßen etwa dienten vor allem der schnellen Truppenbewegung, sie ermöglichten es den Soldaten, für damalige Verhältnisse sehr schnell von einem Teil des Reichs in einen anderen zu ziehen. Auch die Versorgung des Militärs mit Waffen und Nahrungsmitteln konnte über das Straßennetz viel schneller organisiert werden als in den Jahrhunderten zuvor.

Auch im zivilen Bereich setzten die Römer Maßstäbe für die Logistik: Das Verkehrswesen der Stadt wurde bereits damals mit Verkehrszeichen, Regeln, Ein- und Ausfahrtverboten so organisiert, dass die Verkehrsströme in der Stadt nicht permanent kollabierten. Ähnlich wie den Verkehrsexperten von heute war es aber auch den Römern letztendlich nicht möglich, das ausufernde Aufkommen von Wagen und Karren in der Stadt wirklich in den Griff zu bekommen. Hervorragend klappte dagegen die Wasserversorgung - auch dies eine logistische Leistung: Die schwer handhabbare Ware Wasser musste über große Strecken schnell transportiert werden, um die römischen Thermen zu bedienen. Durch immensen Bauaufwand und große Ingenieursleistungen wurde die römische Wasserversorgung zu einem Modell, das selbst heute in vielen Ländern noch konkurrenzfähig wäre.

Solche Leistungen sind aber nicht nur der Genialität römischer Logistiker zu verdanken. Die Antike hatte auch große Ressourcen zur Verfügung, die heute undenkbar wären, vor allem Heerscharen an Sklaven. Die meisten logistischen Leistungen der frühen Vergangenheit wären ohne sie nicht denkbar, wie etwa der Bau der Pyramiden, der ebenfalls eine logistische Meisterleistung darstellt. Transport, Organisation und Lagerung der riesigen Steinblöcke waren perfekt geplant - doch ohne den massenhaften Einsatz von Sklaven wäre der Bau der Pyramiden nicht möglich gewesen.

Zwei Lkws zwängen sich über eine enge Dorfstraße aneinander vorbei. (Rechte: Imago)

Transporte mit dem Lkw sind billig, sorgen aber für viel Verkehr

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Billig kann teuer werden

Die Frage nach den Ressourcen stellt sich heute anders. Die direkten Kosten für einen Transport per Lkw sind häufig günstig - günstiger als die Kosten, die ein solcher Transport indirekt verursacht: Die Nutzung von Autobahnen, die Schädigung der Umwelt, die Vernichtung von Arbeitszeit durch Staus auf den Autobahnen - diese für das Gemeinwesen teuren Nebeneffekte sind nicht vollständig in Benzinpreise, Steuern und Abgaben eingerechnet. Viele Logistikunternehmen rechnen damit, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern könnte und versuchen sich durch veränderte Konzepte darauf einzustellen. Während in der Vergangenheit von Logistikunternehmen, die sich auf die Auslieferung von Waren spezialisiert haben, Lager zentral angelegt wurden, setzen inzwischen immer mehr Unternehmen auf dezentrale Logistik-Standorte. Dadurch wird der Lageraufwand selbst zwar höher - die Transportwege können aber verkürzt werden.

Eine Nacht am Frachtflughafen (4'53'')

Solche Problemstellungen, bei denen Warentransporte und Kosten miteinander ins Verhältnis gesetzt werden, sind typische Logistik-Aufgaben. Während der Verkehr noch einigermaßen berechenbar ist, können die Produktionsabläufe in einem Unternehmen schnell sehr viel komplizierter sein. Wenn für ein bestimmtes Produkt, etwa Autos, hunderte von Arbeitsschritten notwendig sind, an denen eine Vielzahl unterschiedlicher Maschinen beteiligt ist, dann muss der Logistiker herausfinden, welchen Effekt eine Veränderung an einer bestimmten Stelle im Produktionsablauf haben könnte. Es ist zum Beispiel durchaus möglich, dass eine Maschine, die Bleche fünf Prozent langsamer verschweißt als ein zehn Prozent teureres Konkurrenzmodell, den Gesamtablauf um 20 oder sogar 30 Prozent verlangsamt - in Wahrheit also keineswegs kostengünstiger wäre.

Oft ist es ausgesprochen kompliziert Modelle zu finden, mit denen sich genaue Vorhersagen für Produktionsabläufe treffen lassen, und Logistiker versuchen, mit mathematischen Simulationen zumindest annäherungsweise Abläufe zu beschreiben.

Ein beladenes Containerschiff im Hafen. Im Hintergrund türmen sich Container an den Kais. (Rechte: Imago)

Logistiker müssen den weltweiten Warenverkehr planen

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Rund um die Welt

Noch deutlich komplexer sind die Fragestellungen an die Logistik in einer globalisierten Wirtschaft. Schließlich werden viele Waren heute im Lauf ihrer Produktion quer um den Globus geschickt, bis sie schließlich beim Verbraucher ankommen. Eine einfache Jeanshose etwa kann zahlreiche internationale Stationen durchlaufen: Ein in den USA entworfenes Modell benötigt Stoff, der aus usbekischer Baumwolle stammt, die in Belgien gewebt und gefärbt wird. Die Hosen selbst werden vielleicht auf Malta zugeschnitten und in Polen genäht - deutsche Betriebe liefern die Knöpfe, die Steine zum "Stonewashen" der Jeans stammen aus der Türkei. In Frankreich wird die Hose anschließend gewaschen und konfektioniert. Viele Kleidungsstücke werden so produziert - auch wenn sich allmählich ein Trend hin zu kürzeren Transportwegen abzeichnet. Extrembeispiele, wie etwa Nordseekrabben, die zum Auspulen nach Marokko verschifft werden, nur um einen Tag später wieder in norddeutschen Supermärkten an hungrige Kunden verkauft zu werden, gehören wohl bald der Vergangenheit an.

Malte Linde, Stand vom 28.12.2012
Sendung: Planet Wissen Extra: Technik für die Zukunft, 09.08.2012

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