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Interview: Der logistische Blick

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Interview: Der logistische Blick

Logistik ist heute eine der wichtigsten Disziplinen für Manager geworden: Welche Waren wie schnell an welche Orte geliefert werden, ist für die Strategie von Unternehmen überlebenswichtig. Bernd Noche lehrt an der Universität Duisburg-Essen und betreibt eine eigene Firma, die große Firmen bei logistischen Fragen berät. Der professionelle Blick auf Warenströme bleibt allerdings nicht auf das berufliche Umfeld beschränkt, auch im Alltag fallen Logistikern wie Bernd Noche Schwachstellen im Warenfluss auf…

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
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Frühe logistische Meisterleistungen (2'48'')
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Planet Wissen (PW): Was ist Logistik eigentlich?

Bernd Noche (B.N.): Ich sage immer: Logistik ist die Beherrschung des Zufalls. Es geht ja darum, Warenströme optimal und effizient zu kontrollieren. Und es gibt immer Ereignisse, die im Einzelnen nicht vorhersehbar sind und damit nur schwer planbar. Das ist eine Herausforderung.

Stau unter einer Brücke, über die eine Bahn fährt. (Rechte: dpa)

Staus verlangsamen Transporte

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PW: Zum Beispiel Staus auf den Autobahnen? Ist der Logistiker machtlos, was solche Phänomene angeht?

B.N.: Staus auf den Autobahnen kann ich im Einzelnen vielleicht nicht genau vorhersehen. Aber ich kann mich natürlich darüber informieren, welche Routen besonders gefährdet sind und dann entsprechend einen anderen Weg wählen. Oder ich transportiere Waren zum Beispiel gar nicht mit dem Lkw, sondern mit der Bahn, weil das für bestimmte Strecken günstiger sein kann. Nachdem Unternehmen lange Jahre auf zentrale Standorte gesetzt haben, gibt es heute eine gegenläufige Entwicklung, die viel mit der Verkehrssituation zu tun hat: Viele kleinere Standorte bedeuten kürzere, überschaubarere Verkehrswege. Das ist nicht nur wegen der Staus wichtig, sondern ganz allgemein wegen der Kosten. Der Transport auf der Straße ist in Europa sehr billig, billiger wahrscheinlich als die Kosten, die durch diese Transporte verursacht werden. Aber das wird sich sicher ändern. Etwa durch steigende Benzinpreise oder Steuern.

Vielleicht muss sich in Zukunft auch das Verhalten der Verbraucher ändern: Wir sind schließlich alle an den Staus schuld, denn wir wollen selbst nicht auf das Auto verzichten, sondern möglichst bequem von einem Ort zum anderen gelangen. Ähnliches verlangen wir auch von den Waren: Was wir heute bestellen, soll möglichst morgen schon an die Haustür geliefert werden. Und auch im Supermarkt möchten wir gerne eine möglichst große Auswahl an frischen Waren haben.

Containerhafen im Abendlicht. Im Hintergrund werden Schiffe beladen. (Rechte: dpa)

In Containern werden Waren rings um den Globus transportiert

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PW: Logistik ist nicht nur ein lokales Thema, wir transportieren Waren heute quer durch die Welt. Macht das Sinn?

B.N.: Es ist immer eine Frage der Kosten. Wir gucken als Logistiker ja immer nach der größtmöglichen Effizienz. Wenn es billiger ist, etwas in China produzieren zu lassen, um es dann hier zu verkaufen, dann wird das auch gemacht. Es gibt natürlich auch Beispiele, die das ad absurdum führen, die berühmten Krabben etwa, Nordseekrabben, die nach Marokko gebracht werden, weil man sie dort billiger pulen kann - und die dann in Hamburg im Supermarkt verkauft werden. Solche Beispiele sind extrem und werden in Zukunft sicher seltener werden.

Global ist Logistik eine gewaltige Herausforderung. Schließlich will man Produkte weltweit verteilen und in manchen Ländern ist der Anteil der Transportkosten wesentlich höher als bei uns. Etwa in Indonesien, da müssen alle Güter per Schiff zwischen den einzelnen Inseln hin und her transportiert werden. Wenn Sie da ein Glas Bier trinken, dann ist der Transportkostenanteil für jedes Glas deutlich höher als bei uns, wo er nur ein paar Cent ausmacht.

Eine Fertigungsstraße für Motoren. Im Vordergrund ein großer Motorblock. (Rechte: WDR )

Logistik ist eine Angelegenheit für Spezialisten

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PW: Sie planen und simulieren logistische Abläufe für Unternehmen. Warum ist das so kompliziert, dass die Unternehmen solche Planungen nicht selbst durchführen können?

B.N.: Oft denken Unternehmen einfach nicht in logistischen Kategorien. Wir haben zum Beispiel ein Pflegeheim geplant. Da gab es einen schönen Entwurf, das neue Gebäude war optimal an die bestehenden angepasst. Aber es war eben nicht logistisch geplant. In diesem Fall hieß das: Der Komplex war lang gestreckt, was lange Wege für das Pflegepersonal bedeutet hätte. Stattdessen ist es viel sinnvoller, eine Pflegeeinrichtung kreisförmig einzurichten, mit den wichtigen Versorgungsstationen in der Mitte. So werden die Wege kürzer und die Pfleger haben mehr Zeit für die Patienten.

Es gibt aber auch Abläufe, die sind sehr kompliziert. Wenn Sie in einer Produktionskette eine Reihe von Maschinen haben und möchten eine davon austauschen, dann ist es oft sehr schwierig zu berechnen, welchen Effekt es hat, wenn die neue Maschine etwas schneller oder langsamer läuft. Das ist einfach eine Aufgabe für Spezialisten.

Nahaufnahme eines geöffneten Adressbuches. (Rechte: dpa )

Auch unser Alltag wird von logistischen Fragen bestimmt

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PW: Können Sie diesen Blick des Spezialisten überhaupt abschalten - oder sind Sie auch im Privaten Logistiker?

B.N.: Man kann diesen Blick nie ganz abschalten. Es gibt schließlich auch im Alltag eine Menge logistischer Fragen, das ganze Leben steckt voller logistischer Herausforderungen: Wie kommt man zusammen? Wie kommuniziert man? Wie erreiche ich einen bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit? Hinter jedem Brief steckt ein gewaltiger logistischer Aufwand, genau wie hinter jedem Supermarktbesuch. Und manchmal ärgert man sich auch ein bisschen. Nehmen Sie zum Beispiel die Verpackungen von Wurst- oder Käseaufschnitt. Da ist es ganz häufig so, dass der Aufschnitt schön sorgfältig in Scheiben versetzt in der Verpackung liegt, was auch eigentlich sehr praktisch ist, denn so kann man gut jeweils eine Scheibe nach der anderen aus der Packung nehmen. Wenn Sie sich aber anschauen, wo Sie die Verpackung aufmachen müssen, dann ist es häufig so, dass die Stelle zum Aufreißen nicht dort ist, wo Sie die erste Scheibe nehmen, sondern genau auf der anderen Seite.

Interview: Malte Linde, Stand vom 14.07.2009

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